Aktuell, Belgien, Panorama

Belgien is on Fire

Von Thomas A. Friedrich

Rückblick und Ausblick auf die Woche: Red Devils vor Viertelfinalspiel on Fire – Polizei will Reisende in Zügen nach Ostende vor Übergriffen sichern – Positive Bilanz des Mega-Festivals Rock Werchter – STIB/MIVB-Mitarbeiter  sorgen für Unmut durch erneute Streikaktion – 36 ausgemusterte Busse an Ukraine verschenkt

Belgien vor der Nacht der langen Messer. Nach dem Knaller-Spiel der Diables Rouges (Rode Duivels) gegen Senegal steht den Fans der Truppe von Youri Tielemans, Romelu Lukaku und Kevin De Bruyne eine harte Nuss bevor. Das Gastgeberland USA fordert die quirligen Stehaufmännchen der belgischen Nationalmannschaft in der Nacht auf Dienstag heraus. 

Vor dem KO-Spiel zur mitteleuropäischen Geisterstunde  um zwei Uhr ist ein erbitterter Kampf um die FIFA-Regeln entbrannt.

Was ist geschehen? Der beste Torschütze der nordamerikanischen Mannschaft bei der WM 2026, Folarin Balogun, war an sich für das Spiel um den Einzug ins Viertelfinale gesperrt worden. Er hatte  im Spiel gegen Bosnien-Herzegowina am Mittwoch vergangener Woche die rote Karte und damit einen Platzverweis erhalten, weil er  dem Gegenspieler Tarik Muharemovic unglücklich auf das Sprunggelenk gestiegen war. Balogun selbst teilte im Anschluss mit, er akzeptiere die Strafe. Aber dann sollte  sich das Blatt wenden –  nicht zuletzt offenbar auf Betreiben von US-Präsident Donald Trump. Außenminister Marco Rubio wertete die Rote Karte drastisch: “Sind beschissen behandelt worden.“. Die Gemüter kochten hoch.

Der Ausgang des Nervenkrieges, mit einem förmlichen Einspruch der “Roten Teufel”  gegen die FIFA-Entscheidung, erschien vor Anpfiff der entscheidenden Partie lange höchst ungewiss. Doch dann wies die zuständige FIFA-Instanz den Einspruch des belgischen Fußballverband zurück. Die Belgier fügten sich zunächst in ihr Schicksal, ließen aber keinen Zweifel daran, dass sie die Angelegenheit nicht auf sich beruhen lassen wollten.

Erhitzte Gemüter zwischen Amerika und Belgien vor Anpfiff des nächtlichen Spiels 

So hatte der Weltfußballverband FIFA die Sperre des Spielers zurückgezogen – genauer gesagt: verschoben. Damit wurde Balogun die Möglichkeit eröffnet, beim entscheidenden Spiel um den Einzug ins Viertelfinale für den Co-Gastgeber USA auf dem Rasen seiner Mannschaft zum Sieg zu verhelfen. Berichten der New York Times zufolge soll Präsident Trump direkt oder indirekt auf den FIFA-Boss Gianni Infantino zugegangen sein und in einem Telefonat um die Aussetzung der Sperre für Balogun nachgesucht haben. 

Die UEFA kritisierte die Vorgänge in einem Statement eindeutig: „ Wir bringen unsere Fassungslosigkeit angesichts einer solchen beispiellosen, unverständlichen und ungerechtfertigten Entscheidung zum Ausdruck.“ Mit der Entscheidung sei eine rote Linie überschritten worden. Für den faulen Deal hinter den Kulissen sollen nach Medienberichten die ziemlich besten Freunde Trump und Infantino als Auslöser mitverantwortlich sein.

Die Stimmung um das Stadion und auf dem Rasen könnte daher zum Hexenkessel für die Roten Teufel und die Gastgeber-Mannschaft der USA werden. Das Aufgebot von Sicherheitskräften und Polizei dürfte entsprechend hoch ausfallen.

Sicherheit in Zügen zum Strandurlaub an der Küste

Den ganzen Sommer über sollen belgische Polizeibeamte für Sicherheit in den Zügen zwischen Brüssel und der Nordseeküste sorgen. Wie die Zeitungen Gazet van Antwerpen und Het Nieuwsblad berichten, soll Innenminister Bernard Quintin dies angeordnet haben. Die Polizeioperation unter dem Namen „Sunrail“ soll mit einer sichtbaren Polizeipräsenz in den Zugverbindungen von Brüssel nach Ostende Belästigungen und Einschüchterungen gegenüber Reisenden vermeiden helfen. Dabei sollen Beamte sowohl in Uniform als auch in Zivilkleidung in den Zügen unterwegs sein. „Es muss sichergestellt werden, dass Familien  und Urlauber sicher und ruhig ans Meer fahren und zurückkommen“, sagte der Chef der föderalen Polizei, Eric Snoeck.

Rockfestival  Werchter mit positiver Bilanz

Das traditionsreiche große Sommerfestival Belgiens Rock Werchter, unweit von Löwen, erwies sich auch in diesem Jahr als großer Publikumsmagnet. Vier Tage lang wartete das Festival mit bekannten und weniger bekannten Musikern auf. Höhepunkt war zum Abschluss ein mehr als zwei Stunden dauerndes Konzert der legendären britischen Rockband The Cure. Ein Highlight des Festivals war auch ein gemeinsamer Auftritt der britischen Band Mumford & Sons mit der einheimischen Pop-Ikone Pommelien Thijs.

Streiks und Metro-Ausfälle bremsen Wochenend-Fahrer aus und vermasseln Wochenstart

Die Woche in Brüssel begann mit Streiks der öffentlichen Verkehrsbetriebe. Wegen des verhängten Einstellungsstopps der Verkehrsgesellschaft STIB/NMBS hatte die sozialistische Gewerkschaft zu Arbeitsniederlegungen und Blockaden an mehreren Fahrzeug-Depots aufgerufen. Die Metro verkehrte weitgehend planmässig. Am Freitagnachmittag hatte der Defekt einer U-Bahn zu einem fast dreiviertelstündigen Totalausfall auf einer Hauptstrecke geführt. Das führte zu Chaos in vielen U-Bahn-Haltestellen und Verspätungen auf dem Weg zum Gare du Midi und als Konsequenz zu verpassten Zügen, zum Beispiel nach Lüttich, Aachen und Köln für ICE und Eurostar-Züge.

STIB/MIVB schenkt Ukraine 36 Busse

Im Rahmen der weiteren Elektrifizierung des Brüsseler Busnetzes hat die Verkehrsgesellschaft STIB/MIVB 36 Busse an die Ukraine verschenkt. In den kommenden Monaten sollen 36 Diesel-Busse, die in den Jahren 2010 und 2011 in Dienst gestellt worden waren, in die Ukraine gefahren werden. Zuvor sollen noch technische Kontrollen zur Sicherung der Verkehrstüchtigkeit stattfinden. Einige Busse könnten neben der Verstärkung des öffentlichen Nahverkehrs auch als mobile Anlaufstellen mit Heizung und Internetzugang genutzt werden, heißt es in einer BRF-Nachricht. 

Leave a Comment

Ihre E-Mail-Adresse wird veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.