
Von Michael Stabenow
Das Brüsseler Goethe-Institut (Goethe-Institut Belgien | Sprache. Kultur. Deutschland) wartet in den kommenden Wochen und Monaten mit abwechslungsreichen Veranstaltungen auf. Wie es bei der Vorstellung des Jahresprogramms 2026/2027 mitteilte, stehen drei thematische Schwerpunkte im Vordergrund: der Umgang mit demokratiefeindlichen Tendenzen („Le Rève et l´Ombre“), die Auswirkungen des strukturellen Wandels auf Arbeitsleben und Gesellschaft („The Machines are no longer singing“) sowie die Wechselwirkung zwischen künstlicher Intelligenz (KI) und künstlerischen Ausdrucksformen („ENTRAUSCHEN – DeNoise“).
Mit dem ersten Schwerpunkt des Jahresprogramms soll vor dem Hintergrund der aktuell in vielen Ländern zu beobachtenden Skepsis gegenüber demokratischen Institutionen die Rolle der kolonialen und imperialen Vergangenheit thematisiert werden. „So öffnet sich Raum für narrative Korrekturen und neue demokratische Imaginationen“, heißt es in einer Mitteilung des Goethe-Instituts.
Eine Veranstaltung – ein Termin wird noch nicht genannt –sticht aus dem Programm heraus: mit dem belgischen Kultur- und Zeithistoriker David Van Reybrouck im Haus der Europäischen Geschichte im Brüsseler EU-Viertel. Der Träger der „Goethe-Medaille 2025“ hat sich nicht nur mit kritischen Abhandlungen der Kolonialgeschichte Belgiens (auf Deutsch erschienen unter dem Titel „Kongo: eine Geschichte”) und der Niederlande („Revolusi- Indonesien und die Entstehung der modernen Welt“) einen Namen gemacht. Er ist auch Initiator und treibende Kraft der Bewegung „G1000“, die nach neuen Formen der Bürgerbeteiligung in der Gesellschaft strebt.
Der zweite Schwerpunkt des Jahresprogramms des Goethe-Instituts, das dabei mit mehreren Partnern zusammenarbeitet, betrifft die Dynamik des strukturellen Wandels. Ein Schlaglicht darauf soll eine seit März und noch bis zum 30. Juli laufende Ausstellung des im Ostteil Berlins geborenen Fotografen Holger Herschel werfen. Er hat den Übergang von der DDR-Zeri in die marktwirtschaftlich geprägte Industriegesellschaft bildlich dokumentiert. Am 8. Juli ist zudem in Zusammenarbeit mit dem Europanetzwerk Deutsch und den Brüsseler Länderbüros von Berlin und Brandenburg ein Gesprächsabend mit Herschel und der Kulturhistorikern Annette Schumann vom Potsdamer Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung vorgesehen.
Bereits für den 27. Juni ist unter dem Titel „Molenbeek -Maastricht – Gelsenkirchen“ eine eintägige Exkursion per Bus zu mehreren von der Industrialisierung des 19. Jahrhundert gekennzeichneten Orten geplant. Partner sind neben dem Amsterdamer Goethe-Institut das Brüsseler Recycle Centre d´Art, die Maastrichter Jan van Eyck Academy und das Gelsenkirchener Kulturzentrum Manifesta 16 Ruhr.
Der dritte Schwerpunkt des Jahresprogramms 2026-2027 wird unter dem Titel „Kunst und Künstliche Intelligenz“ firmieren. „Im Zentrum stehen veränderte Arbeitsbedingungen, neue künstlerische Ausdrucksformen und die Rollen von Künstlicher Intelligenz im Zeitalter visueller Desinformation“, erläutert das Brüsseler Goethe-Institut. In das Programm einbezogen sind auch die französische Partnerorganisation Alliance Française de Bruxelles-Europe sowie die Kulturabteilungen der Botschaften Frankreichs und Deutschlands in Brüssel.








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