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„Unforgettable“ in Gent – Last Call

Foto: © Hanna Penzer (2026)

Von Anne Kotzan

Nur noch drei Tage zeigt das Museum der Schönen Künste (MSK) in Gent die Ausstellung „Unforgettable“! Wem sich noch die Gelegenheit bietet, sollte sie nutzen. Es handelt sich um die erste große Retrospektive, die sich ausschließlich der Rolle und Bedeutung von Frauen in der Kunst im 17. Jahrhundert, insbesondere in Belgien und den Niederlanden, widmet. Frederica van Dam: Nach mehr als zweijähriger Recherche konnten Werke zusammengetragen werden, die das gesamte Spektrum visueller Medien von Gemälden, Drucken und Skulpturen bis hin zu Textilien und Scherenschnitten abdecken.

Die beeindruckende Liste von über 40 namhaften Künstlerinnen in ebenso namhaften Sammlungen und ihrer Kunstwerke belegt, dass kunstschaffende Frauen alles andere als selten waren. Doch sie wurden neben den alten Meistern oft vergessen, eine der dunklen Seiten der Kunstgeschichte. Dass sie nun wiederentdeckt und ins Rampenlicht gesetzt werden, hat aber nichts mit Gender-Gerechtigkeit zu tun, sondern mit Qualität. So gehört Clara Peeters zu der Pionieren der Stilllebenmalerei des 17. Jahrhunderts. Ihre Arbeit zeichnet sich aus durch einen akribischen Pinselstrich, raffinierte Anordnung und Findung der Gegenstände sowie eine präzise Wiedergabe der Texturen. Ihre Arbeiten finden sich sogar im Prado in Madrid, aber über ihr Leben gibt es wenig: Geboren 1587 in Mechelen und um 1640 in Gent verstorben. Zu Lebzeiten genoss auch Johanna Vergouwen (1630-1714) Ansehen. Aufgewachsen in einer Malerfamilie erhielt sie Unterricht von dem unter Rubens Einfluss stehenden Lucas van Uden. Märchenhaft wie zeitgenössisch ist die Geschichte von Prinzessin Luise Hollandine von der Pfalz (1622-1709), die ihr Adelsleben zugunsten der Malerei eintauschte für ein Klosterleben. Sie ist gleichzeitig als Prinzessin und als Äbtissin zu sehen.

Gent ist eine ideale Location für die Ausstellung, in ihrer Architektur lädt sie zu Zeitreisen in die Vergangenheit der Künstlerinnen ein. So schlendert man unter Klängen von Tanzmusik und anrollenden Kutschen im majestätischen Wohnhaus der Adelsfamilie d’Hane Steenhuyse aus dem 18. Jahrhundert durch üppig ausgestattete Salons und Ballsaal. – heute Hotel, Veldstraat 55 – Solch eine Pracht hat einst Prinzessin Luise Hollandine von der Pfalz gegen ein Dasein als Malerin eingetauscht!

Gent ist eine eigenwillige Stadt, sie verkörpert ebenso Geschichte wie pulsierendes Leben einer modernen Universitätsstadt. Nirgendwo sonst springt man so schnell vom 12. ins 21. Jahrhundert. In ihrer Architektur lädt sie zu Zeitreisen in die Vergangenheit der Künstlerinnen ein. Frauen, die ein einfaches, aber selbstbestimmtes Leben führten, lebten bereits im 13. Jahrhundert im Begijnhof mitten in Gent. Versteckt in der belebten Lange Violettestraat, eröffnet er einen stillen Rückzugsort. Im Schatten der Burg Gravensteen findet man im Viertel Patershol mittelalterliches Flair gepaart mit dem kulinarischen Mekka der Stadt. Das Haus von Alien, Kraanlei 65, führt durch Genter Traditionen und Lebensgewohnheiten und lockt mit einer volkstümlichen Kneipe. Altniederländische Malerei mit Weltruhm wartet in der St.-Bavo-Kathedrale mit dem „Lamm Gottes“ der Brüder van Eyck. Es birgt mit einem versteckten Stierkopf eine Überraschung auf der mittleren Tafel. Entdecken Sie das lang verborgene Geheimnis selbst!

www.mskgent.be

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