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Spitzenforschung.im Land der Rüben und Reben

Premiere der Mainzer EU-Vertretung in Brüssel mit neuem Format „Research & Riesling.“ 

Von Thomas A. Friedrich

Klischees über Rheinland-Pfalz gehören auf den Prüfstand. Richtig: das neuntgrößte der 16 Bundesländer ist mit 65.000 Hektar Rebflächen entlang der Flusslandschaften von Ahr und Rhein sowie an Mosel und Lahn Deutschlands Weinland Nr. 1. Stimmt: In 27 Prozent der rheinland-pfälzischen Weinberge wird am häufigsten die Rebsorte Riesling angebaut.

Grund genug für die rheinland-pfälzische Landesvertretung in Brüssel, mit der landschaftsbezogenen Veranstaltungsreihe „Research & Riesling“ den Blick auf neue  Seiten der von an viele Nachbarländer angrenzenden Region im Herzen Europas zu richten.

Rheinland-Pfalz mit Grenzen zu Frankreich, Luxemburg und Belgien liegt mitten In Europa. Die europäischen Werte gehören seit dem Hambacher Fest im Jahre 1832 in der Pfalz als Volksversammlung der deutschen Demokratie- und Liberalisierungsgeschichte zu den politischen Genen von Rheinland-Pfalz. 

Das nach dem Zweiten Weltkrieg durch Verordnung der französischen Besatzungsmacht entstandene Bindestrich-Land ist mosaikartig zusammengesetzt aus früheren deutschen Territorien der bayerischen Pfalz, dem Landesteil Rheinhessen, der preußischen Rheinprovinz und Teilen von Hessen-Nassau. Das Geburtsdatum fällt auf den 30. August 1946 – vor bald 80 Jahren. Im Vergleich dazu: Belgien blickt nach der Revolution von 1830 heute auf 196 Jahre Geschichte zurück. 

Die Goldene Stadt am Rhein kulturelle Metropole des Hochmittelalters  

Auf den Spuren rheinland-pfälzischen Bodens spiegelt sich mit Mainz, Trier, Speyer und Worms eine tausendjährige Geschichte. Die heutige Landeshauptstadt Mainz am Rhein geht auf die römische Ansiedlung als Legions-Lager kurz vor Christi Geburt zurück. 

Im Hochmittelalter galt Mainz als „goldene Stadt“ und wurde „Aurea Moguntia“ genannt. Ausweis für Macht und Reichtum zahlreicher Erzbischöfe, die „Mayntz“ zu einer der wichtigsten Metropolen des Heiligen Römischen Reiches aufsteigen ließen. Als Krönungsort von Königen erwuchs es auch mit dem Bau des Domes um 1300 zum Zentrum von Politik und Kultur.

Zäsur und Inferno in den letzten Kriegstagen

Wenige Wochen vor Ende des Zweiten Weltkrieges und kurz nach dem vernichtenden Bombardement über Dresden legte die britische Air Force mit dem Abwurf von 1.500 Tonnen Bomben am frühen Morgen des 25. Februar 1945 in nur 20 Minuten mit einem höllischen Inferno 80 Prozent des Stadtgebietes in Schutt und Asche. Der Hohe Dom St. Martin zu Mainz blieb wie ein Wunder weitgehend verschont von der totalen Zerstörung. 

So fungierte zunächst Koblenz am Zusammenfluss von Rhein und Mosel am Deutschen Eck übergangsweise als Sitzort von Regierung und Landtag. Erst im Jahr 1950 entschied sich das Parlament für den endgültigen Umzug in die Landeshauptstadt Mainz.

Mainz und Kaiserslautern heute Hot Spots für Zukunftstechnologien

Nicht wie Phönix aus der Asche, sondern durch beständigem Fleiß, unermüdliche Disziplin und Zuversicht machte die Nachkriegsgeneration mit Selbstvertrauen und der Leichtigkeit des rheinischen Karnevals das „Land aus der Retorte“ zum heutigen Kristallisationspunkt von Forschung und Entwicklung. 

Rheinland-Pfalz gilt heute als ein international anerkannter Standort für Spitzenforschung mit den Schwerpunkten Biotechnologie, Lebenswissenschaft, Quantenphysik und Mathematik. Dass das Land der Rüben und Reben heute als Magnet für junge Wissenschaftler aus aller Welt fungiert, präsentierte unlängst die rheinland-pfälzische Brüsseler Residenz an der Avenue de Tervuren.

Junge Wissenschaftlerinnen der NASA und China forschen heute in Mainz

In der Gründerzeit-Villa des berühmten Jugendstil-Architekten Arthur Verhelle wartete die rheinland-pfälzische EU-Vertretung jetzt mit der Veranstaltungs-Premiere unter dem Motto „Research & Riesling“ auf.

Gäste des Abends waren zwei junge Wissenschaftlerinnen der Mainzer Johannes Gutenberg-Universität: Laura Tomsche graduierte am Meteorologischen Institut der Universität Leipzig und promovierte am Mainzer Max-Planck-Institut für Chemie. Die Absolventin des “NASA fellowship” in Langley fand den Weg über das in Köln ansässige Deutsche Forschungszentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) zum Institut für Atmosphärenforschung an der Mainzer Johannes Gutenberg-Universität. 

Wie können Kondensstreifen und Partikelemissionen im Luftverkehr minimiert werden?

Mit ihrer Präsentation des europäischen Forschungsprojektes „A4Climate“ – finanziert durch das EU-Forschungsrahmenprogramm „Horizon Europe“ – zeigte Laura Tomsche den an Wissenschaft interessierten Gästen des Abends die Konsequenzen von Kondensstreifen der Luftfahrt und die Vermeidung von Nicht CO2-Effekten auf. 

Im Rahmen des EU-Projektes unter Leitung der DLR arbeiten 17 Universitäten und Industrieforschungsstellen aus neun EU-Staaten und Übersee zusammen. Ziel des Projekts ist es, durch moderne Triebwerke und nachhaltige Treibstoffe (SAFs) die Partikel-Emissionen und Wolkenbildung im Flugverkehr zu verstehen und zu minimieren.

Von der Tongji-Universität Shanghai an den Johann-Joachim-Becher-Weg in Mainz

Mit von der Partie bei der faszinierenden Atmosphärenforschung zum besseren Verständnis von Auswirkungen der Luftfahrt auf das weltweite Klimageschehen ist auch die junge Chinesin Ziming Wang. Sie fand den Weg von der renommierten Tongji-Universität Shanghai zum Deutschen Zentrum für Luft und Raufahrt in Köln, wo Sie in Atmosphärenphysik promovierte. Von Köln rheinaufwärts bis zur rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt Mainz sind es überschaubare Stromkilometer. 

Am Institut für Physik der Atmosphäre an der Johannes Gutenberg-Universität hat sie am Johann-Joachim-Becher-Weg ihre wissenschaftliche Heimat gefunden. Sie arbeitet im Kontakt mit den Industrieforschern der Triebwerkshersteller Rolls-Royce, unter anderem auch der belgischen Safran, mit dem Wolken-Physiklabor in der Abteilung Partikel-Chemie im Hahn-Meitner-Weg, dem Windkanallabor  am Staudingerweg. 

Freiheit europäischer Wissenschaft und Exzellenz bildet Magnet für Forscher aus aller Welt

Warum es sie an die rheinischen Institute verschlagen hat und sie ihren Lebensmittelpunkt ins rheinland-pfälzische Mainz verlegt hat, beantwortete die Wissenschaftlerin an diesem Abend auf die Frage des Moderators wie folgt:

Die Klima- und Atmosphärenforschung in Europa und vor allem in Deutschland am Max-Planck-Institut in Mainz sowie dem Institut für Physik der Atmosphäre an der Mainzer Uni sind außergewöhnlich. Ja, und aus Shanghai kommend, ist für mich besonders attraktiv der Spirit und die Freiheit der Wissenschaft hier. Daher glaube ich, dass Europa sehr wohl besonders anziehend für Wissenschaftler aus den USA und auch aus China ist.“

Mit rheinland-pfälzischer Biotechnologie und KI-Forschung more to come

Die rheinland-pfälzische Forschungs- und Wissenschaftslandschaft sorgt mit Spitzenforschung auch in Kaiserlautern und Koblenz mit Künstlicher Intelligenz (KI) und Life Science-Themen für weiterem Stoff im Format „Research & Riesling“. Zu nennen sind da beispielsweise der Forschungsschwerpunkt Biomedizin und Biotechnologie an der Uni Mainz. Die Landeshauptstadt hat sich nicht erst seit der Corona-Pandemie zu einer Weltschmiede für medizinische Innovationen entwickelt. Mit dem Unternehmen „Biontech“ und der Entwicklung des weltweit ersten mRNA-COVID-19-Impfstoffs hat Mainz Weltruf erlangt. Nunmehr steht die Erforschung an neuen Therapien gegen Krebs und andere seltene Krankheiten im Fokus der Mainzer „Science Community“.

Kaiserslautern schlägt ebenso mit einer Zukunftstechnologie im Weltmaßstab auf  

Im Bereich Angewandte Mathematik und Informatik hat sich am Standort Kaiserslautern ein viel beachteter Nukleus für industrielle Innovationen und Künstliche Intelligenz an der Rheinland-Pfälzischen Technischen Universität (RPTU) als relevanter Partner für Technik und Anwendungen in der mittelständischen Wirtschaft herausgebildet.

Das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI), ebenfalls in Kaiserslautern, gilt als eines der größten Forschungszentren für KI weltweit. 

Und zu guter Letzt steht angewandte Forschung für kleine und mittlere Unternehmen beim Fraunhofer Institut ITWM ganz oben auf der Agenda. Das Institut für Techno- und Wirtschaftsmathematik in Kaiserslautern entwickelt mathematische Modelle. Sie helfen der Wirtschaft in Zeiten von Transformation und Umbruch,  komplexe Prozesse, zum Beispiel  in der Autoindustrie, zu simulieren und zu optimieren.

 

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