
Von Thomas A. Friedrich
Formel 1-Kurs in den Ardennen an diesem Wochenende dominiert von „Orange Army“ der Max Verstappen-Fangemeinde – Es brodelt im Formel 1 Rennzirkus – Verstappen glänzt mit Bestzeit beim Freitagstraining – Regenreifen bedarf es beim Grand Prix 2026 wohl nicht
Am legendären belgischen Grand Prix-Kurs von Spa Francorchamps in den Ardennen heulen für drei Tage die Boliden des Formel 1-Rennzirkus auf und versetzen das sonst so idyllische Städtchen Stavelot wie alljährlich in den Ausnahmezustand.
Aber nein, im Jahre 2026 ist beim Grand Prix von Belgien alles anders. Es sind keine hochdrehenden kreischenden V8-Motoren aus der Vergangenheit mehr zu hören, und auch der Geruch von Hochleistungssprit in der Boxengasse ist passé.
Formel 1 fährt hybrid-elektrisch mit bis zu 300 km High Speed
Auf dem Hochgeschwindigkeitskurs heißt es diesmal: Formel 1 „goes electric“. Die Fahrgeräusche werden bei den Hybrid-Antrieben aber nicht nur auf die Rollgeräusche der superbreiten „Schlappen“ – wie die „Hochgeschwindigkeits-Reifen“ der Monoposto-Geschosse auch genannt werden – beschränkt. Aber sie sind deutlich geräuscharmer als bisher gewohnt.
Wohl flanieren weiterhin im Fahrerlager und am Rande der VIP-Lounge langbeinige Models in superkurzen Mini-Kleidchen und verdrehen den Zuschauern auf der Ehrentribüne die Augen. Während die „Boxenluder“ schon vor dem Start des Hauptrennens am Sonntag sich prickelnd erfrischen mit Champagner, sind Techniker und Ingenieure im Blaumann in den Boxen bis spät in die Nacht mit Feintuning beschäftigt.
Damit der Stoff für das Party-Feeling am Rande des Rennzirkus nicht versiegt, sorgen die Hauptsponsoren unter dem offiziellen Label „Formel 1 Moet & Chandon Grosser Preis von Belgien 2026“ für „good vibe“.
Hingegen halten sich die Rennfahrer mit natürlichem Mineralwasser aus der nahegelegenen Spa-Quelle, beziehungsweise mit Energy-Drinks österreichischer Provenienz fit, die angeblich Flügel verleihen.
Mercedes-AMG-Team triumphiert über lahme Red Bull Flügel-Technik
Unterdessen tobt ein Flügel-Streit der Konstrukteure ganz anderer Art in den vor Ort eingerichteten Werkstätten der Rennteams in den hermetisch abgeriegelten High Tech-Schmieden. Der amtierende Weltmeister Max Verstappen fährt in diesem Jahr glücklos in seinem Red Bull-Rennwagen der Konkurrenz hinterher. So liegt er derzeit mit dem neusten Formel-1-Reglement und der FIA über Kreuz.
Ruiniert das 2026er-Reglement für E-Fahrzeuge den Rennsport auf dem Asphalt?
Der niederländische Formel-1-Star hat mit einem Rückzug für den Fall gedroht, dass die Regeln der vollständig elektrischen betriebenen Fahrzeuge in der Rennsport-Königsklasse nicht fundamental geändert werden sollten.
Das neue 2026er Reglement „ruiniert den Rennsport“, sagte Verstappen jüngst reichlich aufgebracht auf einer Pressekonferenz über die Abkehr von den krafttrotzenden V8-Boxermotoren der Vergangenheit. Seine Vorwürfe: die unausgewogenen elektrischen Antriebs-Aggregate führten zu einem unnatürlichem Fahrverhalten. Wegen schwacher Batterieleistungen seien die Fahrer gezwungen, auf Geraden zu rekurrieren, was zu massiven Leistungseinbrüchen und riskanten Fahrmanövern führe.
Anstatt Höchstgeschwindigkeiten auf den Geraden auszufahren, zwinge der Elektromotor – der fast die Hälfte der Leistung beisteuere – zu „unnatürlichem Fahrverhalten“. Dies sei „kein echter Rennsport“ mehr. Verstappen geißelt die FIA-Bosse scharf und moniert, das aktuelle Reglement führe zu einer „Formel E auf Steroiden“. Mit dieser Kritik steht er nicht allein. Auch Mehrfach-Weltmeister Lewis Hamilton übt Kritik an der aktuellen Situation.
Doch der Blick der Fahrer in den feuerfesten Anzügen ist – bevor sie sich in die rollenden Raketen zwängen – auf die Bildschirme in der eigenen Box gerichtet. Hier dominieren Rundenzeiten der Konkurrenz und Wetterdaten für die Wahl der Reifen.
2026 erwarten die Zuschauer am Freitag zwei freie Trainings. Danach folgen das abschließende Samstags-Training und das Qualifying für die Startaufstellung am Sonntag.
Trotz aller Turbulenzen ist klar: der knapp 20 Kilometer von der deutschen Grenze entfernte belgische Circuit bleibt weiterhin ein Magnet für alle Motorsport-Fans aus Belgien und Deutschland. Die mythischen Kurven wie „Eau Rouge“ oder „Raidillon“ sowie die extrem langen Geraden bringen das Blut der Fans zum Kochen und das Adrenalin der Fahrer schier zum Überschäumen.
Verstappen mischt den Rennzirkus mit Frontalangriff gegen F 1-Reglement auf
Hinter den Kulissen des mit Spannung erwarteten belgischen Formel 1 – Zirkus tobt ein erbitterter Kampf zwischen dem österreichischen Red Bull-Team, bei dem der viermalige Weltmeister Verstappen bis 2028 unter Vertrag steht und dem in der Weltmeisterschaft aktuell (fast uneinholbar) führenden Mercedes-AMG-Rennstall. Der GP Belgien 2026 ist spannender denn je.
„Spa ist meine Lieblingsstrecke. Man muß wirklich alles richtig machen, um eine gute Runde hinzubekommen, was sehr herausfordernd ist“, erläutert Verstappen, aktueller Vize-Weltmeister in der Königsklasse des Automobilsports. Das zehnte Rennen der Saison 2026 entscheidet sich auf dem gerade einmal gut sieben Kilometer (genau 7,004 km laut Reglement) langen Rundkurs. Das Streckenlayout weist in der hügeligen Ardennen-Landschaft 20 Kurven auf.
Den vor zwei Jahren aufgestellten aktuellen Streckenrekord hält Sergio Perez als Red Bull Racing Team-Fahrer im Jahr 2024 mit einer Zeit von 1:44.701 Minuten. In diesem Jahr ist der Mexikaner für Cadillac in Spa-Francorchamps m Start.
Im Red-Bull-Team 2026 dominieren derweil Frust und Gerüchte um Fahrerwechsel. Mit 76 Punkten im Gesamtklassement der F1-Wertung rangiert Verstappen aktuell auf Platz 7. Ganz oben in der Spitze im Titel-Kampf um die Weltmeisterschaft noch mit mitzumischen, erscheint angesichts der technischen Performance des orangefarbenen Red Bull-Teams zur Halbzeit der diesjährigen Saison eher fraglich.
In der Formel 1-Fahrerwertung der Saison 2026 glänzen zwei Sterne unangefochten. Mit 179 Punkten an der Spitze des Klassements liegt nach 9 von 22 Rennen Kimi Antonelli im Mercedes-AMG, gefolgt von seinem Teamkollegen George Russell (154 Punkte). Drittplatzierter vor dem Rennen in Belgien ist Lewis Hamilton im Ferrari.
Verstappen glänzt beim ersten Freitags-Training mit Bestzeit und Siegeswillen
Der Gerüchteküche um einen Stallwechsel von Verstappen hin zum McLaren-Team oder einen Einstieg bei der Scuderia Ferrari hat Verstappen auf seinem Lieblingskurs in Spa an diesem Freitag erstmal ein Ende gesetzt. Im ersten unspektakulären freien Training auf dem Kurs in den Ardennen legte der Niederländer Bestzeit vor und zeigte damit der Konkurrenz, wo der Hammer hängt. Zuvor hatten Lewis Hamilton (Ferrari) und Kimi Antonelli (Mercedes-AMG) die schnellsten Runden gefahren, bevor Verstappen in der 60-minütigen ersten Trainingseinheit die Spitze übernahm.
Spa-Francorchamps war schon immer der Circuit, auf dem Formel 1-Weltmeister geformt wurden. Der Kerpener Michael Schumacher feierte seinen ersten Grand Prix-Sieg bei einem legendären Regenrennen im Benetton-Ford-Fahrzeug am 30. August 1992 in Spa-Francorchamps.
Der Ehrgeiz und das fahrerisch überlegene Können des Vize-Weltmeisters Verstappen ist trotz aller Widrigkeiten für Überraaschungen gut. Der Wettergott meint es jedenfalls gut an diesem Wochenende. Eine für belgische Verhältnisse durchaus übliche Regenschlacht ist nicht zu erwarten. Alles andere ist offen, und so ist mit einem weiteren spannenden F1-Rennen in den Ardennen zu rechnen.








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