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Wie macht man Deutschland für Belgier als Reiseland interessant?

Die Arbeit des Brüsseler Büros des Deutschen Zentrale für Tourimus

Von Reinhard Boest

Die „Woche für Deutsch“ führt zuweilen hoch hinaus. Am vergangenen Freitag in die zwölfte Etage des „Sablon Tower“, eines 24-stöckige Büroturms, der 1966 an der Stelle des abgerissenen Horta-Baus „Maison du Peuple“ errichtet wurde.

Hier hat das Brüsseler Büro der „Deutschen Zentrale für Tourismus“ (DZT) seinen Sitz, das die Aufgabe hat, in Belgien (und Luxemburg) für Deutschland als Reise- und Urlaubsziel zu werben. Deren Leiterin Lisa Berendsen hatte „auf einen Kaffee“ eingeladen, um einem kleinen Kreis von Interessierten von der Arbeit ihres Teams zu berichten. Am Eingang stießen die Gäste gleich auf die Vielfalt des Reiselands Deutschland: Naturlandschaften wie der Ostseestrand in Prerow oder Paläste, Gärten und Parks am Beispiel von Schloß Neuschwanstein.

Ein wenig Statistik

Ein Blick in die vom belgischen Statistikamt regelmäßig veröffentlichten Zahlen zeigt, dass Deutschland als Reiseziel trotz der geografischen Nähe je nach Reiseart nur auf dem dritten oder fünften Platz rangiert (Zahlen für 2025). Die Statistik unterscheidet nicht nur nach Geschäfts- und Urlaubsreisen, sondern auch nach der Aufenthaltsdauer: Kurztrips mit einer bis drei Übernachtungen und längere Urlaubsreisen mit vier und mehr Übernachtungen.

Bei den Kurztrips bleiben die Belgier am liebsten im eigenen Land (50 Prozent der Reisen), bei den ausländischen Zielen liegt Frankreich mit 2,6 Millionen Reisen vor den Niederlanden (1,8 Millionen) und Deutschland mit 700.000 Reisen. Ganz anders sieht es bei längeren Reisen aus, also vor allem dem Sommerurlaub. Diesen verbringen die Belgier nur zu 15 Prozent im Inland (2,35 Millionen Reisen). Weit vorn liegt hier Frankreich mit 3,88 Millionen Reisen, gefolgt von Spanien (1,92 Millionen), Italien (1,11 Millionen), den Niederlanden (591.000) und Deutschland (499.000). Für längere Reisen zieht es aber viele auch in andere EU-Länder (2,39 Millionen) oder nach Afrika (vor allem Ägypten, Marokko, Tunesien; 1,1 Millionen Reisen).

Es gibt also durchaus Potential, Deutschland bei Belgiern als Reiseziel attraktiver zu machen. Im Jahr 2025 entfielen auf die etwa 85 Millionen Übernachtungen ausländischer Gäste in Deutschland nur rund 3,1 Millionen auf Reisende aus Belgien, dagegen 11,7 Millionen auf Niederländer, 6,9 Millionen auf US-Amerikaner und 6,7 Millionen auf Schweizer. Belgien liegt in dieser Rangfolge erst auf dem neunten Platz.

„Zielländer“ für belgische Reisende sind (in dieser Reihenfolge) vor allem die beiden unmittelbaren Nachbarn Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz, gefolgt von Baden-Württemberg und Bayern. Ganz am Ende dieser Liste finden sich Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt. Bei den Städtereisen liegt Berlin deutlich an der Spitze vor Köln, München, Frankfurt am Main und Düsseldorf.

Wie will das DZT-Büro belgische Gäste gewinnen?

Angesichts der eindeutigen Statistik wird Deutschland sicher nicht zum Sommer-Urlaubsland für die Belgier werden. In seiner Arbeit konzentriert sich das DZT-Büro daher darauf, das Land für Kurzurlaube und thematische Reisen interessant zu machen. Lisa Berendsen berichtete von verschiedenen Aktionen, um zunächst überhaupt auf Deutschland aufmerksam zu machen.

Dazu werden auch soziale Medien und andere moderne Kommunikationsmethoden genutzt wie digitale Außenwerbung (DOOH). So wurde in der Halle des Brüsseler Zentralbahnhofs über vier Wochen mit „digitalen Würfeln“ geworben. Über 3.000 Passanten beteiligten sich an dieser interaktiven Werbeaktion – wobei aber auch deutlich wurde, dass nur ein Viertel der Teilnehmenden deutsche Städte auf einer Landkarte zutreffend lokalisieren konnte.

Auf den sozialen Medien wurden Impressionen von „Deutschlands Hidden Gems“ (versteckte Schätze) verbreitet, von Natur und Kultur bis Kulinarik und guter Erreichbarkeit. Dazu gab es in der Runde ironische Anmerkungen, wenn jemand sich bei der Erreichbarkeit auf die Deutsche Bahn verlassen solle. Das relativiere auch positive Entwicklungen wie etwa den Nachtzug „European Sleeper“ nach Berlin und Dresden oder die vor kurzem eingeführte ICE-Verbindung von Köln über den Brüsseler Flughafen nach Antwerpen.

Ein besonderes Werbe-Highlight war eine kulinarische Fahrt mit dem Nachtzug nach Berlin, bei der drei deutsche Sterne-Köche ein mehrgängiges Menü für 19 belgische Journalisten und Influenzer kredenzten. Damit konnten über die Presse rund 5,5 Millionen Personen erreicht werden. Für Deutschland als Kulturreiseziel wurde mit einer Radiokampagne in den flämischen Kultursendern geworben. Auf Nachfrage räumte Lisa Berendsen ein, dass man sich mit den Aktivitäten vor allem auf Flandern konzentriere. Zwei Drittel der belgischen Deutschlandbesucher komme nämlich aus diesem Landesteil, weitere 20 Prozent aus Brüssel und nur 15 Prozent aus der Wallonie. Dabei dürfte auch die Sprache eine Rolle spielen.

Neugierig machen auf Besonderheiten, die es zu entdecken lohnt

Geradezu unüberschaubar ist der Reichtum an Möglichkeiten, für die die DZT werben kann und die Anreiz sein können, Deutschland zu besuchen. Dazu gehören 7.200 Museen und Ausstellungsorte mit 8.000 Ausstellungen jährlich und 55 UNESCO-Weltkulturerbestätten, von denen zehn in diesem Jahr Jubiläum feiern. Zu entdecken sind 13 Weinbaugebiete und 1.400 Brauereien, aber auch Spezialitäten wie Thüringer Bratwurst, Lübecker Marzipan oder – wer es kennt – Hamburger Franzbrötchen. Man kann das Land auf romantischen Bahnstrecken im Rhein- und Moseltal oder im Harz bereisen oder auf dem Fahrrad, an der Ostsee, an der Elbe oder gleich ganz von Nord bis Süd. Und für Wanderer locken 300.000 Kilometer gekennzeichnete Wanderwege, bei denen zu allen Jahreszeiten Naturwunder locken.

Festivals gibt es für jung und alt, von Klassik in Bayreuth bis Summerjam in Köln. Ein Highlight im kommenden Jahr – und von Belgien schnell zu erreichen – ist die Internationale Gartenbau-Ausstellung, die von April bis Oktober im Ruhrgebiet stattfindet und mit der sich „die grünste Industrieregion der Welt“ präsentieren möchte.

Besonders beliebt bei den Belgiern sind offenbar die deutschen Weihnachtsmärkte, von denen es über 2.400 im ganzen Land gibt, jeder mit eigenen Spezialitäten und Traditionen. Es gibt dafür sogar eine eigene Internetseite. Der Monat Dezember gehört daher für die Belgier zu den wichtigsten Reisemonaten nach Deutschland.

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