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Bill kann’s nicht lassen – die nächste Runde im Beschneidungsstreit in Antwerpen

US-Botschafter Bill White; Foto: US Embassy

US-Botschafter Bill White erzählt Unwahrheiten und Halbwahrheiten über die Zulassung von Mohels in Deutschland und in Israel

Von Jürgen Klute

Die belgischen Zeitungen Nieuwsblad  und Het Laatste Nieuws (HLN)  berichteten am 15. Juli, dass der Botschafter der Vereinigten Staaten, Bill White, am Montag dieser Woche den belgischen König Philippe zu einem 45-minütigen Meinungsaustausch getroffen habe. Gegenstand des Gesprächs laut Niewsblad sei zum einen die Zukunft der Kernenergie in Belgien gewesen und zum anderen eine mögliche Kooperation im Blick auf eine Produktion von AMRAAM-Raketen in Belgien. Dieses Waffensystem für die F-35 wird derzeit vom amerikanischen Unternehmen Raytheon hergestellt. Bei der Kooperation geht es um die Frage, ob möglicherweise das wallonische Unternehmen FN Herstal eine Lizenz für die Produktion im limburgischen Zutendaal erhält.

Natürlich nutze der Botschafter das Gespräch mit König Philippe auch dazu, sein derzeitiges Lieblingsthema anzusprechen: Die Klage gegen zwei jüdische Beschneider (Mohels) in Antwerpen (Belgieninfo hat mehrfach darüber berichtet; siehe u.a. „Entscheidung vertagt: Ob jüdische religiöse Beschneider vor Gericht gestellt werden, bleibt vorerst offen“ und „In der jüdischen Gemeinde wächst die Unruhe wegen der Diskussionen um eine bestimmte Beschneidungspraxis“). Den beiden Beschneidern wird vorgeworfen, mit der von ihnen ausgeübten archaischen Art der Beschneidung, die unter der Bezeichnung „metzitzah b’peh“ bekannt ist, gegen belgisches Recht zu verstoßen. Das erlaubt zwar Beschneidungen, aber von den Beschneidern eine medizinische Ausbildung und Beachtung medizinisch-hygienischer Standards. Wiederholt hatte White die belgische Regierung aufgefordert, das Verfahren einzustellen. Mit Hinweis auf die Regeln eines Rechtsstaates hat die belgische Regierung dies jedoch abgelehnt.

Wie beide belgischen Blätter – HLN und Nieuwsblad – berichten, erklärte der Botschafter am Mittwoch gegenüber Journalisten, dass er davon ausgehe, dass diese Frage auf gesetzgeberischem Wege gelöst werde. Laut White werde es eine Regelung geben wie in Israel und Deutschland, wo Mohels eine Genehmigung erhielten, ähnlich wie Tätowierer.

Eine kurze Recherche im Internet zeigt allerdings, dass es weder in Deutschland noch in Israel eine staatliche Genehmigung oder Zulassung („vergunnig“, so der von den beiden niederländischsprachigen belgischen Zeitungen benutzte Begriff) für Tätowierer gibt. In Deutschland ist „Tätowierer“ nicht einmal ein anerkannter Ausbildungsberuf. Wer Tätowierungen ausführt, ist nur dazu verpflichtet, Hygienestandards zu befolgen, und er darf nur zugelassene Farben, die keine schädlichen Stoffe enthalten, nutzen.

Auch für Beschneider gibt es in Deutschland keine staatlichen Genehmigungen. Die Auswahl und Anerkennung von Beschneidern erfolgt in Deutschland durch die jüdische Gemeinschaft. Die den religiösen Anforderungen entsprechende Ausbildung erfolgt außerhalb Deutschlands, oft in Israel. (Vgl.: Wikipedia-Artikel „Mohel“)

In Israel gibt es allerdings klare gesetzliche Vorgaben für Mohels. Sie brauchen eine offizielle Lizenz, die von einem Ausschuss des Gesundheitsministeriums, des Ministeriums für Religiöse Angelegenheiten und des Großrabbinats ausgestellt wird. Diese Lizenz muss regelmäßig erneuert werden, um sicherzustellen, dass Beschneidungen professionell und sicher durchgeführt werden. Zudem werden Eltern ausdrücklich aufgefordert, nur die Dienste von Mohels mit gültiger Lizenz in Anspruch zu nehmen. (Vgl. dazu: What Does it Take to Become a Mohel? Chief Rabbi David Lau convenes special refresher course for mohelim from across Israel, tells parents to only use mohel with valid license.)

Anscheinend hat sich der US-Botschafter vorher nicht sachkundig gemacht. Denn dann hätte er gewusst, dass die von dem Antwerpener Oberrabbiner Moshe Friedman angestoßenen Klagen gegen die beiden Mohels nach den in Israel geltenden Standards für Beschneidungen berechtigt sind. Dem entsprechend geht auch in Israel die Staatsanwaltschaft gegen Mohels vor, die sich nicht an die gesetzlichen Vorgaben halten, wie zuletzt im Frühjahr 2026 nach einem Todesfall infolge einer Beschneidung. Der für den Todesfall verantwortliche Mohel wurde verhaftet, wie die The Jerusalem Post am 1. April vermeldete („Mohel arrested for death of baby linked to circumcision“).

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