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Belgiens künstliche Energieinsel: es kann weitergehen

© Elia

Von Rainer Lütkehus

Das Leuchtturm-Projekt „Prinzessin-Elisabeth-Strom-Insel“ kann weitergehen: Die Europäische Investitionsbank (EIB) gewährt dem Bauherrn, dem belgischen Übertragungsnetzbetreiber Elia, einen weiteren Kredit in Höhe von einer Milliarde Euro. Laut EIB handelt es sich um die größte Kreditlinie, die jemals für ein einzelnes Energieprojekt vergeben wurde. Der erste Kredit betrug 650 Millionen Euro. Elia schätzt die Gesamtkosten der ersten Bauphase der Insel auf 3,6 Milliarden. Euro. Noch vor einem Jahr drohte dem Projekt wegen aus dem Ruder laufenden Kosten das Aus (Belgien-Info berichtete).

Noch keine europäische Drehscheibe für Offshore-Windstrom

Bei dem Projekt in der Nordsee, 45 Kilometer vor Belgiens Küste gelegen, handelt es sich um die weltweit erste künstliche Energie-Insel. Sie soll Strom von Offshore-Windkraftanlagen bündeln und an Land transportieren. Auch Strom von anderen Windparks in der Nordsee soll über diese Insel nach Belgien und andere Nordsee-Anrainer geleitet werden. Ursprünglich sollte das Vorhaben Mitte 2026 abgeschlossen sein, jedoch stiegen im Laufe der Planungen die Kosten von ursprünglich 2,2 Milliarden auf zwischenzeitlich 3,6 Milliarden. Euro, weshalb die  belgische Föderalregierung im Juni 2025 die zweite Bauphase gestrichen hatte. Das gilt weiterhin: Weitere Bauarbeiten, darunter die Installation der Gleichstrominfrastruktur für den Anschluss eines dritten Windparks und eines neuen Hochspannungskabels nach Großbritannien, werden verschoben. Die erste Phase umfasst den Bau der künstlichen Insel selbst und den Anschluss an die ersten beiden Windparks im neuen Windturbinengebiet. Damit wird die Insel vorerst keine europäische Drehscheibe für Offshore-Windstrom.

Der Bau der Prinzessin-Elisabeth-Insel selbst verlaufe planmäßig, so Frederic Dunon, Vorstandschef von Elia Transmission Belgium. Die Senkkästen, die riesigen Betonbausteine, die der Insel ihre Form geben, seien  bereits platziert. Bis Ende Oktober werde die Insel mit Sand befüllt sein. Zwar sei das erneute Darlehen der EIB eine gute Nachricht. Das ändere aber nichts an der Diskussion über die Kosten, die letztendlich die Stromverbraucher zu tragen hätten. Ein Investitionsstopp wäre jedoch auch keine Lösung gewesen. Er hätte zu einer stärkeren Belastung des Stromnetzes, zu geringerem Wirtschaftswachstum und zu einer größeren Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen geführt. Belgiens Klimaminister Jean-Luc Crucke stimmte ihm zu: „Die Prinzessin-Elisabeth-Insel ist absolut notwendig. Sie ist ein unverzichtbares Bindeglied für unsere Energiezukunft.“

 

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