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Ein Niederländer an der Spitze des größten belgischen Hafens

Dirk De fauw, Bürgermeiser von Brügge, Rob Smeets, Johan Klaps, Hafenschöffe von Antwerpen © Port of Antwerp-Bruges

Rob Smeets soll den Hafen Antwerpen-Brügge besser für die Herausforderungen durch die Konkurrenz und den Klimawandel wappnen.

Von Michael Stabenow

Es ist keine Überraschung, aber doch ein Einschnitt in der Geschichte von Europas zweitgrößtem Hafen. Mit Rob Smeets erhält der offiziell als Port of Antwerp-Bruges firmierende belgische Hafen erstmals einen niederländischen Vorstandsvorsitzenden. Der 56 Jahre alte Smeets, der nach der Ankündigung des Ausscheidens bisherigen Vorstandschefs Jacques Vandermeiren im April bereits geschäftsführend dessen Amtsgeschäfte übernommen hatte, arbeitet seit knapp zwei Jahrzehnten für die Hafengesellschaft und war seit 2019 Leiter des operativen Geschäfts (COO).

Für die Nachfolge Vandermeirens sollen rund 50 Bewerbungen eingegangen sein – der Niederländer Smeets war aber offenbar der einzige Anwärter, der bereits für den Hafen tätig war. In einer nach der Ernennung von Smeets verbreiteten Pressemitteilung heißt es: „Der Verwaltungsrat ist überzeugt, dass er das Hafenunternehmen in einer Zeit begleiten kann, die von bedeutenden Investitionen, einem sich wandelnden geopolitischen Kontext und Herausforderungen für die europäische Industrie geprägt ist.“

Wie die meisten Konkurrenzen befindet sich der Hafen Antwerpen-Brügge, so genannt nach der 2022 vollzogenen Fusion mit dem insbesondere auf den Transport von Automobilen spezialisierten Nordseehafen in Zeebrugge, im Umbruch. Die geostrategischen Spannungen, die Konkurrenz mit überseeischen Häfen und nicht zuletzt die für 2050 angestrebte Klimaneutralität stellen Antwerpen vor große Herausforderungen. So war der Güterumschlag im vergangenen Jahr um 4,1 Prozent auf 266,5 Millionen Tonnen gesunken (“Ein eher enttäuschendes Jahr” – Der Hafen Antwerpen-Brügge präsentiert seinen Jahresbericht – Belgieninfo).

Antwerpen blieb damit weiter hinter dem hinter dem Marktführer Rotterdam (428,5 Millionen Tonnen) zurück, lag aber unverändert deutlich vor dem drittplatzierten Hamburger Hafen (114,6 Millionen Tonnen). Dennoch hat Antwerpen, das sich in jüngster Zeit intensiv um engere Bande mit dem Konkurrenten Rotterdam sowie mit dem Bundesland Nordrhein-Westfalen und anderen deutschen Partnern bemüht, unverändert eine Schlüsselstellung für Belgien inne. Auf den Hafen mit seinen 1400 Unternehmen mit insgesamt 162000 Mitarbeitern entfallen 4,5 Prozent der Wirtschaftsleistung.

Auf Smeets kommen insbesondere zwei Herausforderungen zu: die Sicherung der Stellung des Hafens als herausragender Chemiestandort im Zeichen zunehmender umweltpolitischer Zwänge sowie den Ausbau der Kapazitäten für den Containertransport. Zu diesem Zweck soll jenseits des linken Scheldeufers das Hafengebiet in den kommenden Jahren deutlich anwachsen.

Mit einer gewissen Sorge wird die Entwicklung der zunehmend im Wettbewerb mit überseeischen, insbesondere asiatischen Konkurrenten stehenden Chemiebranche gesehen. So plant nach Medienberichten das in Antwerpen alteingesessene deutsche Unternehmen BASF bis 2028 ein Sechstel seiner zuletzt rund 3600 Arbeitsplätze zu streichen.

Große Hoffnungen werden nach wie vor in das Vorhaben „Project ONE“ des britischen Chemiekonzerns Ineos gesetzt. So soll spätestens Anfang kommenden Jahres eine Anlage („Cracker“) in Betrieb gehen, welche die Verwendung von grünem Wasserstoff zur Herstellung chemischer Grundstoffe in Antwerpen ermöglichen soll – ein wichtiger Baustein auf dem Weg zur angestrebten Klimaneutralität. Ein Wermutstropfen ist jedoch dabei, dass die Kosten des Prestigeprojekts deutlich höher als die zunächst veranschlagten drei Milliarden Euro ausfallen dürften.

 

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