
Von Thomas A. Friedrich
Der wirtschaftliche Abschwung in Belgien dauert an. So ist die Zahl der Konkurse im vergangenen Frühjahr in die Höhe geschnellt. Lag die Ziffer der registrierten Konkurse im Mai 2026 bei 859 Unternehmen, so registrierten die Gerichte im Juni 2026 insgesamt 1.184 Firmenpleiten. Dies entspricht einem Anstieg von 37,8 Prozent binnen Monatsfrist.
Dies meldete Ende Juli das belgische Statistikamt STATBEL. Demnach ist die Anzahl der registrierten Konkurse zwar geringfügig niedriger als im Vergleichsmonat des Vorjahres Juni 2025 (-0,3 %), aber um 8,8 Prozent höher als im Juni 2024.
Damit hat die Zahl der Unternehmenspleiten in Belgien im ersten Halbjahr 2026 einen neuen Höchststand erreicht. Nach Angaben der Daten-Dienstleister „GraydonCreditsafe“ meldeten zwischen Januar und Ende Juni insgesamt 6.267 Unternehmen Insolvenz an. „So viele wie noch nie in einem ersten Halbjahr“, stellte die Redaktion der deutschsprachigen Zeitung Grenzecho jetzt besorgt fest.
In allen Regionen Belgiens bilanziert das Statistikamt steigende Konkurszahlen. Vor allem in der Wallonie und in der Brüsseler Hauptstadtregion kletterten die Konkurszahlen im Frühjahr dieses Jahres und erfuhren auch im Vergleich zum Vorjahresmonat Juni deutliche Aufwüchse.
In der Wallonischen Region verzeichneten die Unternehmensgerichte die höchste Zahl der Konkurs seit 2014 mit 315 Firmenzusammenbrüchen im Juni 2026. Den höchsten Wert in der Region Brüssel-Hauptstadt ermittelten die Statistiker im Juni 2022 mit 228 Konkursen. Im Juni 2026 wurden 212 gezählt.
Wirtschaftsstarke Flämische Region kommt zunehmend unter Druck
Aber auch in der an sich wirtschaftlich prosperierenden Flämischen Region wachsen die Bäume nicht mehr in den Himmel. Seit Anfang des Jahres wurden 3.760 Konkurse gerichtlich erfasst. Die stellt eine Steigerung von 5,4 Prozent zum entsprechenden Vorjahreszeitraum mit damals 3.566 Fällen dar. Die Zahl der Insolvenzen im ersten Halbjahr belief sich insgesamt in Belgien auf einen Rekordwert von 6.200.
Die Binnennachfrage litt demnach unter einem schwachen Sommerschlussverkauf (SSV). So bewerteten 80 Prozent der Händler den Geschäftsverlauf als „unbefriedigend“. Als Ursachen der schwachen Bilanzen werden die Hitzewelle und das Online-Geschäft genannt.
Von der negativen Entwicklung in der ersten Jahreshälfte waren insbesondere vier Wirtschaftszweige überdurchschnittlich betroffen, wie STATBEL auflistet.
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- Das Gastgewerbe verzeichnete mit 220 Konkursen im Juni 2026 die höchste Anzahl von Unternehmensaufgaben. Dies bedeutet einen Anstieg gegenüber dem Vergleichsmonat des Vorjahres (Juni 2024: 208).
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- Besonders stark von Konkursen war der Dienstleistungssektor im Juni 2026 mit 205 Pleiten betroffen. Ein höherer Wert wurde zuletzt im Juni 2022 mit 209 Unternehmensaufgaben verzeichnet.
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- Ebenso wuchs die Zahl der Firmenpleiten in den Wirtschaftszweigen Verkehr, Spedition und Lagerei sowie Logistik. Betroffen war vor allem die Güterverkehrs-Branche mit 100 Konkursen im Juni (Juni 2022: 78).
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- Schlechte Nachrichten kommen auch aus der Zukunftsbranche Informations- und Kommunikationstechniken. Im Juni 2026 gingen dort 39 Firmen pleite. Ein höherer monatlicher Wert wurde bisher nur im Juni 2017 mit 40 Firmenzusammenbrüchen registriert.
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- Im Segment freiberufliche Tätigkeiten, wissenschaftliche und technische Dienstleistungen wurden 491 Konkurse im Juni 2026 gemeldet. Dies entspricht einem Anstieg um 11,5 Prozent gegenüber dem bisherigen Rekordwert aus dem Jahr 2014.
Mit Konkursen sind auch Arbeitsplatzverluste zu beklagen
Die Zahl der Arbeitsplatzverluste infolge von Konkursen belief sich nach Erhebungen von STATBEL im Juni 2026 auf 3.124. Dies entspricht einem Anstieg um exorbitante 87,6 Prozent im Vergleich zum Vormonat Mai, als 1.665 Arbeitsplätze verloren gegangen sind. Zieht man den Vergleichsmonat des Vorjahres heran, dann beträgt der Zuwachs 14,3 Prozentpunkte.
Lichtblicke bei Unternehmensgründungen, Auftragsbüchern und Umsatzzahlen
Der steigenden Zahl von Firmenpleiten steht allerdings auch eine Zunahme bei den Neugründungen gegenüber. So meldet STATBEL für Mai 2026 7.903 Neugründungen und 1.081 neue Eintragungen bei 5.422 Firmenschließungen. Die Zahl der Unternehmen in Belgien stieg damit gegenüber April 2026 um 0,3 Prozent auf gut 1,2 Millionen (1,1 Prozent mehr als im Mai 2025). Davon sind knapp 84 Prozent Einzelunternehmen, weitere 10 Prozent haben zwischen einem und vier Angestellten.
Grund zu Hoffnung und Optimismus gewährt auch der Blick auf Umsatzzahlen und Auftragsbücher. So verzeichneten die belgischen Unternehmen insgesamt im ersten Quartal 2026 gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum einen leichten Umsatzanstieg um 0,6 Prozent auf 407 Milliarden Euro. Einbußen gab es hingegen in der Landwirtschaft und dem Finanzsektor. Die belgische Landwirtschaft hat – wie in vielen Breiten Europas – nach anfänglich guten Ernteergebnissen während des ersten Halbjahres nun mit Hitze und Trockenheit zu kämpfen.
Am Finanzmarkt und im Finanzsektor schwächte sich die Geschäftstätigkeit wegen der globalen Krisenherde und des Drucks auf dem Energiesektor ab. Hier wird mit Spannung nach dem Ende der Sommerpause im September die Positionierung der Föderalregierung zur Übernahme der belgischen Kernkraftwerke und die Auswirkungen auf den Ausbau von erneuerbaren Energien erwartet.








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