
Von Michael Stabenow
Die Zahlen des belgischen Instituts für Verkehrssicherheit (Vias) sprechen für sich: Im vergangenen Jahr forderten Unfälle mit elektrischen Rollern auf den Straßen des Landes 13 Menschenleben sowie eine Vielzahl von Verletzten. Verkehrsminister Jean-Luc Crucke von der Zentrumspartei „Les Engages“ setzt jetzt auf eine Helmpflicht, um die Fans der kleinen elektrisch angetriebenen Flitzer künftig besser vor Unheil bewahren. Von September an, so berichtete jetzt die Tageszeitung „La Libre“, soll für alle Nutzer von Rollern, die schneller als 20 Stundenkilometer fahren können, eine generelle Helmpflicht gelten. Ausgenommen von den Vorschriften sind Mietroller, soweit sie auf eine Höchstgeschwindigkeit von 20 Kilometern pro Stunde begrenzt sind. Das ist für Mietroller in Brüssel vorgeschrieben, aber nicht in anderen belgischen Städten, wie Benoit Godard von Vias betont. Eine Gefahr stellten vor allem frei verkäufliche E-Roller aus chinesischer Produktion dar, “die leicht 60 Stundenkilometer und schneller fahren können.” Auch Mediziner sprechen sich für eine Helmpflicht aus. Bei 65 Prozent der in die Notaufnahme eingelieferten Unfallopfer werde ein Schädeltrauma diagnostiziert – und nur vier Prozent hätten eine Helm getragen.
Wer auf den Straßen Brüssels und anderer belgischer Städte das Treiben der Mietroller und ihrer Fahrer beobachtet, dürfte sich fragen, ob es nicht zuweilen schneller als erlaubt zugeht. Eine kürzlich im Auftrag von Verbraucherminister Rob Beenders angefertigte Studie ergab, dass von 40 kontrollierten elektrischen Rollern gerade einmal fünf den gesetzlichen Anforderungen genügten. Moniert wurden dabei allerdings vor allem fehlende Warnhinweise oder Bescheinigungen der Importeure, dass das Produkt im Einklang mit den Bestimmungen steht. Es gehe nicht um Kleinigkeiten, zitierte der Sender RTBF den Minister, der klarstellte: „Es geht um Grundregeln, die garantieren, dass die Leute ein Produkt in aller Sicherheit nutzen können.“
Unter traditionellen Radfahrerinnen und -fahrern, vor allem der jüngsten Generation scheint der Helm inzwischen weiter verbreitet zu sein. Auch wenn das Rennradparadies Belgien schon vor Jahrzehnten und vor den Nachbarländern bei Straßenrennen das Tragen von Helmen vorgeschrieben hatte, ist das Thema einer generellen Helmpflicht tabu.
Pikant ist dabei, dass selbst die Vereinigung Avello, die sich die Interessen der Zweiradbenutzer in Brüssel und Wallonien auf die Fahnen geschrieben hat, die jüngste Ankündigung von Verkehrsminister Crucke nuanciert beurteilt. Natürlich sei die Vereinigung, so zitierte der Brüsseler Regionalsender BX1 Avella-Direktorin Larence Lawalle, für das Tragen von Helmen. Auf die Frage , warum sie gegen eine Helmpflicht sei, antwortete Lawalle: „Weil man feststellt, dass bei einer Verpflichtung die Leute sich nicht aufs Fahrrad setzen.“ Statt um Zwangsmaßnahmen müsse es darum gehen, die Menschen auf sanfte Weise für die Zweiradnutzung zu gewinnen. Aber wenn die Helmpflicht für Roller kommt, wird sicher auch die Diskussion von Neuem beginnen, ob das nicht auch für Radfahrer gelten muss.







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