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Edler Schaumwein aus Brabant

Ein Besuch mit Kostprobe im Weingut Chardonnay Meerdael

Von Heide Newson

Manchmal braucht es eine Überwindung, um sich bei einem tristen grauen regnerischem (Brüsseler) Himmel von einem komfortablen Sofa loszueisen, und sich in flämische Weinberge zu einer Weinprobe zu begeben . Als Steffi, ihr Mann Ralf und ich uns mitten im ungemütlichen Herbstregen zum Weingut Meerdael aufmachten, sah die Kulisse deutlich anders aus, als bei unserem ersten Besuch vor ein paar Monaten. Damals an einem sonnigen Nachmittag im Sommer schwappte spontane Abenteuerlust durch unsere Füße. Mit dem Reiseführer von Michael Stabenow in der Hand waren wir von der vorgezeichneten Route abgekommen, und zufällig auf ein Schild „Chardonnay Meerdael“ gestoßen. Und da dachten wir: Warum nicht kurz auf ein Glas Wein reinschauen?

Es sei noch viel zu früh, die Trauben brauchten noch Zeit zum Reifen, aber wir sollten unbedingt im September zur eigentlichen Weinprobe wiederkommen, so damals der freundliche Sohn des Weingutbesitzers, ein passionierter Winzer.

Gesagt, getan. Auch wenn der 13. September uns mit grauem Himmel und dickem Sprühregen auf dem Weingut empfing, war der zweite Anlauf ein Volltreffer.

WEINGUT „Chardonnay Meerdael“

Als wir auf dem Anwesen „Chardonnay Meerdael“ in Oud-Heverlee eintrafen, empfing uns eine idyllische Ruhe. Sanfte Hügel, akkurat gezogene Rebenreihen und das majestätische Hauptgebäude vermittelten sofort ein Gefühl französischer Weinkultur mitten in Flandern. Begrüßt und in Empfang genommen wurden wir von dem fachkundigen Sommelier Tom Dillemans, der uns durch die Weinberge führte. Während wir zwischen den sattgrünen Chardonnay-Reben spazierten, verwies er auf das besondere Mikroklima in dieser Gegend. Der mineralreiche Lehm-und Kalkboden verleihe dem Schaumwein seine spritzige Frische. Das Weingut Meerdael gehöre zu den bekanntesten Schaumwein-Herstellern Belgiens, erfuhren wir.

GESCHICHE UND GRÜNDUNG

Alles hatte im Jahr 1994 begonnen. Das Ehepaar Paul Vlemincks und An Vansen pflanzten damals die ersten 4 000 Rebstöcke auf einem Anwesen, das heute deren rund 60.000 auf etwa 10 Hektar Land umfasst. Im Gegensatz zu vielen anderen Weingütern in Belgien setzt Meerdael ausschließlich auf die weiße Rebsorte Chardonnay. Die Schaumweine, so erklärte uns Tom, würden nach dem klassischen Champagner-Verfahren hergestellt. Die Zweitgärung finde in der Flasche statt, gefolgt von einer mehrjährigen Reifezeit. Unser Sommelier nahm sich viel Zeit für die Führung, die zu unserem Erstaunen kostenlos angeboten wurde. Er erklärte uns die unterschiedlichen Verfahren, die im Reifekeller zur Herstellung dieser edlen Schaumweine angewendet werden. Beeindruckend war der Blick auf die schier endlosen Regale, in denen Tausende Flaschen ruhten. Unser Sommelier zeigte uns, wie das manuelle Rütteln auf den Holzpulten (Remuage) stattfindet, und erklärte präzise den Moment des Degorgierens, wenn die Hefe aus dem Flaschenhals entfernt wird.

IST WEINANBAU IN BELGIEN ERFOLREICH?

Ja, absolut, so Tom. Der Weinanbau in Belgien sei ein stark wachsender Nischenmarkt, wobei die Weine hauptsächlich im Inland konsumiert würden, aber sich im Aufwind befänden. Durch wärmere Sommer und mildere Temperaturen würden klassische Rebsorten, darunter Chardonnay, immer besser reifen. Und belgische Schaumweine sowohl aus Flandern als auch aus der Wallonie würden regelmäßig bei Blindverkostungen gegenüber namhaften Champagner-Häusern an internationaler Anerkennung gewinnen (siehe https://belgieninfo.net/bulles-belges-aus-quevy-preisgekroenter-belgischer-schaumwein/).

Der Weinanbau, so vernahmen wir, habe in Belgien übrigens bereits im Mittelalter begonnen. Erste Belege für Weinberge in Belgien stammen aus dem 9. Jahrhundert, während der belgische Wein seine erste Blütezeit im 14. und 15. Jahrhundert erlebte. Der Niedergang habe dann vom 16. bis 19. Jahrhundert durch den Wettbewerb französischer Weine stattgefunden, aber die Tradition feiere jetzt eine regelrechte Renaissance.

Es hatte dann fast etwas Magisches, nach der fachkundigen und interessanten Führung im Hof des Anwesens ein kleines Glas eines exzellenten Chardonnay zu heben, und zwar in dem Wissen, dass dieser edle Tropfen genau auf diesem Boden gewachsen ist, den wir schon vor Monaten betreten hatten. Und die Fachkenntnisse des Sommeliers, mit dem er uns den Wein mit seinen unterschiedlichen Aromen voller Leidenschaft präsentierte, machte einen regnerischen Brüsseler Sonntagnachmittag auf sehr genussvolle Art und Weise perfekt.

Chardonnay Meerdael, Monarkenweg 50, 3050 Oud-Heverlee. Besichtigung nach Absprache.

Website: www.chardonnaymeerdael.be ;  Tel. 016- 47 10 22; E-Mail: paul.vleminckx@skynet.be 

Fotos: Steffi und Ralf Heinke

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