Europa-Berichte

Europa ist in Brüssel „in“

Heide mit Freundinnen beim Europatag

Von Heide Newson.

Von wegen Frust, EU-Verdrossenheit, Desillusionierung, Europaskepsis – selten war Europa so „in“ wie am 6. Mai anlässlich des Europatags. Bereits in den frühen Morgenstunden machten sich mehr als 25.000 Besucher auf den Weg in Richtung Rond Point Schuman, um am Europatag teilzunehmen. „Ein Rekord, 7000 Personen mehr als im Vorjahr,“ freute sich Lieven Cosijn, belgischer Pressesprecher. Das gerade eröffnete nagelneue Haus der Europäischen Geschichte habe dabei mehr als 3.000 Interessierte angezogen.

Es war zum 25. Mal, dass Europas Institutionen für die breite Öffentlichkeit ihre Türen öffneten. Bei Brüsseler Kaiserwetter bot sich für Ottonormalverbraucher die Gelegenheit, die unterschiedlichen EU-Gebäude zu besuchen und zu erfahren, wie die EU-Institutionen arbeiten, was ihre Prioritäten sind, und was sie so eigentlich machen. Sie konnten sich u.a. über den Brexit, Römische Verträge, den Euro, CETA und TTIP informieren, und sogar an Debatten teilnehmen.

Vielleicht lag´s am Brüsseler Kaiserwetter, den vielen Ständen rund um den Rond Point Schuman, den unterschiedlichen Aktivitäten, der duften Musik, darunter Beethovens Ode an die Freude, den landestypischen Gerichten, dem Brotfest, der Bombenstimmung, oder allen Unkenrufen zum Trotz, ganz einfach dem Enthusiasmus für Europa…. Auf jeden Fall standen Europas Bürger Schlange, um das Berlaymont, den Ministerrat, das Europaparlament, den Europäischen Auswärtigen Dienst, das Charlemagnegebäude oder das imposante „Ei“ in Augenschein zu nehmen.

Trotz der langen Wartezeiten und Sicherheitschecks, strenger als am Brüsseler Flughafen, waren alle in einer überbordenden Feierlaune. Im Beisein vom deutschen EU-Kommissar Günther Oettinger zelebrierten sie Europa. Dem Chor, der Beethovens Neunte intonierte, zollten sie tosenden Beifall, während das „neue“ Europa den kleinen Hoffnungsträgern durch Zeichentrickfilme erklärt wurde.

Einigkeit und Harmonie standen auf dem Programm, dabei wurden positive (EU) Emotionen freigesetzt. Von Ausschreitungen, Demos gegen Austeritätsprogramme, Globalisierung, übertriebene EU-Bürokratie absolut keine Spur. Die ungewohnte Einigkeit und optimistische Stimmung der vielen EU-Enthusiasten, ließ selbst einige Europaskeptiker nicht unberührt. Wären Europas Beamte und Politiker doch stets so locker, gelassen und bürgernah wie heute, dann hätten wir alle weniger Probleme.

Es sind diese lernresistenten Eliten, die Europa spalten, nicht Europas Bürger, die ohne das endlose EU-Geschwafel, das keinen weiterbringt, viel besser klarkommen, so Philippe Vandeneyken. „Ich glaube an Europa, nicht wegen seiner Politiker, sondern wegen seiner Bürger, die ein Auseinanderdriften Europas, trotz der oft spaltenden Politik ihrer Heimatländer verhindern werden.“

One Comment

  1. Alfons Van Compernolle

    Europa sollte nicht nur in Bruessel “in” sein, sondern in unser aller Kopefe. Franz J. Strauss hat Recht, wenn er gesagt hat “Europa ist unsere Zukunft”!!!! Leider wird dieses immer wieder oder noch besser immer noch, durch alte den eigenem Bedeutungs.- & Machterhalt dienenden Politikergarden vielfach verhindert ! WAS und WER waeren diese alten dem dem Nationalstaat behafteten Politikergarden dann noch, wenn wir eine Europaeische-Zusammengehoerigkeits-
    Mentailiatet (Bewusstsein) entwickeln? Antwort: ” politische Rentner” deren Namen bald in Vergessenheit geraten. Das eine “Europaeische-Zusammengehoerigkeits-Mentalitaet” von der wir real noch sehr weit entfernt sind, auch ganz nebenbei immer noch moegliche Kriege etc verhindert und somit sehr erhebliche Steuergelder fuer immer neue Waffensysteme etc ueberfluessig machen, die dann zur Finanzierung des Sozialhaushalts eingesetzt werden koennen, ist ein sehr nennenswerter Nebeneffekt!
    Und was unterscheidet dann unsere “alten Politik-Rentner” von uns einfachen Buergern, einzig und alleine die von eben diesen alten politischen Garden monatlich bezogen Rente, die um einiges hoeher sein duerften, als das was man uns Rentnern heute zugesteht!

Leave a Comment

Ihre E-Mail-Adresse wird veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.