Von Heide Newson
Wer kennt es nicht, oder war schon einmal in einer ähnlichen Situation? Man rennt in letzter Sekunde auf den Bahnsteig, die Türen des Zuges schließen sich, und mit einem erleichterten Seufzer lässt man sich in den Sitz fallen. „Das Ticket kaufe ich einfach beim Schaffner,“ dachte ich früher oft. Okay, gegen einen kleinen Aufpreis, aber was soll´s? Diese Möglichkeit ist bald vorbei. Die belgische Eisenbahn (SNCB/NMBS) hat entschieden, den Verkauf von Fahrkarten im Zug ab dem 1. Juli komplett einzustellen.
EIN SCHRITT FÜR MEHR EFFIZIENZ
Was früher eine kulante Lösung für Spätentschlossene oder Personen war, die den Zug auf den letzten Drücker noch erreichen wollten, wird heute als Sicherheitsrisiko und Effizienzhürde gesehen. Die Logik dahinter ist einfach. Der Zugchef soll sich um die Sicherheit der Passagiere und die Abfahrt des Zuges kümmern, statt Wechselgeld zu zählen oder sich mit technischen Problemen der Kartenterminals herumzuschlagen.
VOM AUFPREIS ZUR „SANKTION“
Die größte Umstellung für Reisende wird gewöhnungsbedürftig sein. Früher war der Kauf im Zug eine legitime, wenngleich leicht teurere Option. Ab dem 1. Juli wird das Einsteigen ohne gültigen Fahrschein als Reisen ohne Fahrkarte gewertet. Wer ohne ein Ticket erwischt wird, bezahlt nicht nur einem kleinen Aufschlag, sondern sieht sich mit einer direkten Strafe von 90 Euro konfrontiert. Da sollte man doch lieber zuvor noch kurz einen Sprint zu den Automaten machen – oder seine Fahrkarte online buchen.
ALLES WIRD DIGITAL
Belgien setzt mit dieser Maßnahme voll auf die digitale Strategie. Die Bahnhöfe seien flächendeckend mit modernen Automaten ausgestattet, und die SNCB-App sei ein optimaler Reisebegleiter, heißt es. Der Vorteil: Die App sucht automatisch nach den günstigsten Tarifen, so etwa für Wochenenden oder junge Reisende. Für Touristen, Gelegenheitsfahrer oder Fahrer in Eile, die mit dem neuen System nicht vertraut sind, kann die Umstellung zunächst für Frust sorgen. Aber Belgien folgt mit dieser Entscheidung dem Vorbild anderer europäischer Länder, in denen man schon längst keine Fahrkarten mehr im Zug kaufen kann.








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