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Belgiens Bevölkerungszahl nähert sich 12 Millionen

Foto Hanna Penzer

Aber immer mehr Menschen verlassen inzwischen das teure Pflaster der Hauptstadt Brüssel

Von Michael Stabenow – Fotos von Hanna Penzer

Neuf Millions“ – so lautete der Titel eines in den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts vom französischsprachigen Fernsehsender RTB ausgestrahlten Magazinsendung. Die neun Millionen bezogen sich auf die damalige Bevölkerungszahl Belgiens. Die Zeiten haben sich geändert: Aus der RTB wurde im 1977 die heutige RTBF. Und die Zahl der Bewohner des Königreichs ist inzwischen – Stand 1. Januar 2026 – auf exakt 11.867.634 angewachsen, wie das belgische Statistikamt Statbel jetzt mitgeteilt hat. Im Jahr 2020 lebten in Belgien knapp 11,5 Millionen Menschen.

Hinter der nackten Statistik mit einem Bevölkerungswachstum um 42083 Einwohner (plus 0,36 Prozent) gegenüber dem Vorjahr verbirgt sich manch – nicht nur regional – gegenläufige Entwicklung. Zum vierten Mal in Folge verzeichnete Belgien 2025 mehr Sterbefälle (112.923) als Geburten (108.033). Nur dadurch, dass 47.562 Menschen mehr nach Belgien zogen als das Land verließen, blieb unter dem Strich ein geringfügiges Bevölkerungswachstum.

Zuletzt verzeichnete Belgien eine – niedrige – Geburtenrate (die Anzahl Kinder, die eine Frau statistisch betrachtet im Laufe ihres Lebens zur Welt bringt) von 1,43. Im Durchschnitt waren Mütter bei der Geburt des ersten Kindes 31,5 Jahre, die Väter (oder weibliche Miteltern) dagegen 34,3 Jahre alt. Während sich 2025 die Geburtenrate bei Frauen mit belgischer Staatsangehörigkeit auf 1,33 belief, lag sie bei Ausländerinnen bei 1,89.

Dies verstärkt auch den seit Jahrzehnten zu beobachtenden Trend zu einem wachsenden Anteil der in Belgien wohnhaften Menschen ausländischen Ursprungs. So verfügen ungefähr 7,5 Millionen oder gut zwei Drittel der Bewohner Belgiens über einheimische Wurzeln. Etwas mehr als ein Fünftel stammt aus dem Ausland, hat aber die belgische Staatsangehörigkeit angenommen, während gut jeder achte Bewohner des Landes keinen belgischen Pass besitzt.

Zwischen den drei Regionen des Landes ergeben sich jedoch beträchtliche Unterschiede. In Flandern beträgt der Anteil der Menschen mit belgischen Wurzeln 71,1 Prozent, in Flandern 63,1 Prozent, in der Hauptstadtregion Brüssel dagegen nur 21,5 Prozent. Dort liegt der Anteil der Belgier ausländischen Ursprungs bei 41,8 Prozent. Dagegen haben 36,7 Prozent der Brüsseler Bevölkerung keinen belgischen Pass. In Flandern und Wallonen beträgt der entsprechende Anteil nur jeweils elf Prozent.

Der Bevölkerungszuwachs Belgiens war – wie in vielen Nachbarländern – in den vergangenen Jahren durch verschiedene Faktoren beeinflusst worden. Dazu gehören die internationalen Flüchtlingsbewegungen (nicht zuletzt aus der Ukraine), aber auch die Nachfrage nach ausländischen Arbeitskräften infolge der demographischen Entwicklung. Der Anteil der in Belgien lebenden, über 65 Jahre alte Menschen ist innerhalb von drei Jahrzehnten von 16,03 auf 20,67 Prozent gestiegen. Auf 100 erwerbsfähige Menschen im Alter zwischen 20 und 64 Jahren kamen 1996 noch 26,73 Seniorinnen und Senioren, zuletzt waren es 35,94.

Schaut man auf die Regionen, dann ergeben sich auf den ersten Blick nur wenig Verschiebungen. Flandern zählte bei einem Bevölkerungswachstum um 0,49 Prozent zuletzt exakt 6.898.350 Einwohner (58,1 Prozent der Landesbevölkerung). Wallonien kam auf 3.713.450 Einwohner (rund 31,3 Prozent) und Brüssel auf 1.255.834 Einwohner (10,6 Prozent).

Beim näheren Hinsehen ist jedoch festzustellen, dass Brüssel unter dem Strich im Jahresvergleich einen Bevölkerungszuwachs um gerade einmal 39 Menschen aufwies. Das ist insofern bemerkenswert, als die Bevölkerungszahl der Hauptstadt, die in den neunziger Jahren, auch durch den Umzug vieler Brüsseler in die Umlandgemeinden, auf unter eine Million gesunken war, in den vergangenen Jahrzehnten, nicht zuletzt durch die Zuwanderung aus allen Ecken der Welt sowie die Anwesenheit internationaler Institutionen, aber auch durch vergleichsweise hohe Geburtenraten rasant angestiegen war.

Die Hauptstadtregion wies 2025 im Gegensatz zu Flandern und Wallonien mehr – rund 5000 – Geburten als Sterbefälle auf. Insgesamt zogen zudem knapp 14000 Menschen mehr aus dem Ausland nach Brüssel als sie die Stadt über die Landesgrenzen hinaus in umgekehrter Richtung verließen. Durch die Wanderungsbewegungen zwischen den belgischen Regionen verzeichnete Brüssel ein Bevölkerungsminus um rund 18500 Menschen – vorwiegend zugunsten Flanderns. Dazu beigetragen haben dürften nicht zuletzt das hohe Mietniveau und die teuren Kaufpreise für Immobilien in der Hauptstadt.

Foto: Hanna Penzer

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