
Von Thomas A. Friedrich
Holzwirtschaftsländer schlagen Alarm. Bayern, Österreich und spanische Provinzen melden Widerstand gegen die vierte Erneuerbare-Energien-Richtlinie (RED IV) an. Zwar ist die geplante Revision noch nicht ausformuliert. Doch schlagen durch gezielte Indiskretionen bekannt gewordene Ansichten der Europäischen Kommission bereits hohe Wellen. Das Verbrennen von Holz – auch als energetische Nutzung bezeichnet – soll noch stärker als bisher eingeschränkt werden.
Holzintensive Regionen fürchten weitere Einschränkungen aus Brüssel
Weitere Einschnitte zulasten der Holz-Biomasse-Förderung wollen Holzwirtschaftsregionen nicht tatenlos hinnehmen. In der Bayerischen Vertretung bei der EU in Brüssel formierte sich am Mittwochmittag eine Gemeinschaftsinitiative unter dem Namen „Wood Energy Region Network“ (WERN). Sie hat sich zum Ziel gesetzt, mit stichhaltigen Argumenten eine allzu rigide Beschränkung des Holzwirtschaftsmarktes zu verhindern.
Der Staatssekretär im Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft, Landentwicklung und Energie, Tobias Gotthardt, trug zu Beginn der Podiumsdiskussion Argumente vor: 6,5 Millionen Haushalte in Europa bauen auf Holzenergie als Wärmequelle. Ein Viertel der Haushalte Bayerns nutzen Holzenergie. Der Anteil an industrieller Nutzung europaweit liegt nach Aussagen der bayerischen Landesregierung bei rund elf Prozent.
„Die letzten Jahrzehnte und der jüngste Hitzesommer 2026 haben gezeigt, wie dringend und zwingend der Wald für uns alle ist“, sagte Staatssekretär Gotthardt. Eine Reduktion des Gasverbrauchs um zehn Prozent in Europa sei drin, wenn in Bayern die Holzenergienutzung um 30 Prozent erhöht werde. Dies sei eine klare Ansage. Mit der gemeinsamen Initiative WERN setzten die Partnerregionen auf das richtige Pferd, unterstrich der bayerische Staatssekretär, um die Holzenergie voranzubringen und die gesetzlichen Maßnahmen der EU und auch im Bund kritisch und konstruktiv zu begleiten.
Mit der Umsetzung der “RED III”-Richtlinie in deutsches Recht durch die Biomasseverordnung wurde bereits eine starke Einschränkung der Förderung für das direkte Verbrennen von hochwertigem Holz (für primäre Holzbiomasse) festgeschrieben.
Anrechenbarkeit von Biomasse für den Klimaschutz in der Diskussion
Ziel und Stoßrichtung der EU sei es nun, dass Holz nicht mehr ohne Einschränkungen im Kraftwerk verfeuert werden dürfe, sondern zuerst für langlebige Produkte (Möbel und Bauholz) genutzt werden solle. Die Maßnahmen, die mit “RED III” begonnen haben und sich durch “RED IV” voraussichtlich verschärfen, betreffen vor allem die finanzielle Förderung und Anrechenbarkeit von Holzenergie im Klimaschutz.
Künftige Richtschnur solle ein so genanntes verpflichtendes Kaskadenprinzip sein. Die stoffliche Nutzung solle dabei an erster Stelle und erst ganz am Ende die energetische Nutzung, also das Verbrennen von Holz, stehen.
Österreichische Region Steiermark will Holz-Biomasse eine starke Stimme geben
Widerspruch und Fragezeichen gegenüber den vorliegenden Brüsseler Plänen meldete auch Simone Schmiedtbauer an, die Landesrätin für Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Energie der Steiermärkischen Landesregierung. Mit dem Startschuss von WERN wollten die Partnerinnen und Partner ein klares Zeichen für wirtschaftliche Chancen und gegen wirtschaftliche Einschränkungen setzen.
Holzwirtschaft in der waldreichen Steiermark gibt 70.000 Menschen Beschäftigung
„Die Biomasse spielt in den waldreichen Regionen Europas eine besondere Rolle bei der Transformation unserer Energieversorgung. “Wir wollen die gemeinsamen Stärken potenzieren und dem nachhaltigen Einsatz von Biomasse eine ganz starke Stimme geben”, kündigte Schmiedtbauer an.
Biomasse sei für die Steiermark mehr als ein Energieträger, vor allem ein entscheidender Standortfaktor. Mit einem Anteil von 65 Prozent an allen erneuerbaren Energien sei sie das Rückgrat der nachhaltigen Energieversorgung. Die Holzwirtschaft stelle mit einer Wertschöpfung von zwölf Milliarden Euro pro Jahr und 70.000 Beschäftigten einen ganz herausragenden Wirtschaftsfaktor in der Steiermark als waldreichstem österreichischen Bundesland dar.
Auch spanische Waldregionen ziehen bei bayrisch-österreichischer Initiative mit
Auch für den spanischen Regionalminister für Umwelt von Castilla-La Mancha, José Almodovar Armes, stellen sich mit einem Waldanteil von 50 Prozent seiner Provinz die gleichen existentiellen Fragen. Grund genug, sich der von Bayern und Österreich angestoßenen Initiative zusammen mit der ebenso waldreichen spanischen Region Castillia y León anzuschließen.
Der Präsident von „Bioenergy Europe“, Christoph Pfemeter, zeigte in seinem Beitrag das Potential von Biomasse in Europa auf. Derzeit wird das Biomasse-Potential in der EU mit 143 Millionen Tonnen bilanziert. Schätzungen des Europäischen Statistikamtes Eurostat aus dem Jahr 2023 gehen von einem zukünftigen Potential von mindestens 169 Millionen Tonnen und bei entsprechender Förderung von bis zu 737 Millionen Tonnen pro Jahr aus.
Holzwirtschaft schlägt mit 5 Milliarden Euro Wertschöpfung zu Buche
Die Vorsitzende des Bundesverbands Bioenergie, Marlene Mortler, spiegelte die rechnerischen Potenziale mit den tatsächlichen aktuellen Werten. „Wenn wir die Potentiale anschauen, gilt für Deutschland, dass die Holzenergie zwei Drittel der Wärme aus erneuerbaren Energien darstellt und ein Viertel aller erneuerbaren Energien insgesamt ausmacht. Das ist schon eine Riesenhausnummer“, unterstrich die langjährige bayerische CSU-Europaabgeordnete.
Fürs Klima bedeute dies, dass sich 35 Millionen Tonnen Kohlendioxid (CO₂) jährlich durch diesen Biomasse-Einsatz einsparen ließen und die Holzenergiewirtschaft damit fünf Milliarden Euro Wertschöpfung erziele. Derzeit lasse sich die Bundesrepublik Deutschland den Einsatz von fossilen Energieträgern jährlich 80 Milliarden Euro kosten und somit viel Potenzial vor der eigenen Haustür liegen. Mortler appellierte an die europäischen Gesetzgeber, mit Augenmaß und auf die regionalen Besonderheiten zugeschnittene Nutzung von Holz-Biomasse durch “RED IV” keine Stolpersteine in den Weg zu legen.
Der Disput um den Einsatz von mehr Holzbiomasse oder mehr Beschränkungen ist somit noch nicht ausgefochten. Zunächst muss der Kommissionsvorschlag vorliegen, über dann die Mitgliedstaaten und das Europäische Parlament beraten.
Kommission will Holz der energetischen Nutzung weitgehend entziehen
Die politische Debatte über den Klimaschutz bringt Gesetzgeber und Stakeholder in den Widerstand. So argumentiert die EU-Kommission, dass Wälder als CO₂-Speicher erhalten bleiben müssen. Wenn Holz direkt verbrannt werde, setzte es sofort große Mengen von klimaschädlichen CO₂ frei. Es dauere Jahrzehnte, bis neue Bäume nachgewachsen seien, um dieses CO₂ wieder zu binden. Deshalb solle Holz, so argumentiert die Kommission, so lange wie möglich als Produkt in häuslichen Anwendungen wie Bauholz oder Einrichtungsgegenständen und Isoliermaterial in Häusern Nutzung finden und so CO₂ speichern, bevor es im Ofen lande und energetisch genutzt werde.
Die schon unter “RED III” beschlossenen Änderungen stoßen der Holzwirtschaft in europäischen Regionen bitter auf. So sind bestimmte Holzsortimente wie Sägerundholz, Furnierrundholz sowie Baumstümpfe und Wurzeln nicht mehr als Erneuerbare Energien förderfähigig. Dieses Holz soll nicht mehr einfach verbrannt, sondern vorrangig in der Industrie, wie zum Beispiel zur Möbelherstellung verwendet werden.
Industrie-Restholz kann hingegen weiterhin gefördert werden. Anlagen, die ausschließlich Strom erzeugen und forstwirtschaftliche Biomasse verwenden, sollen künftig aus der Förderung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) herausfallen. Ausnahmen sind lediglich für Anlagen vorgesehen, die innovative Technologien zur CO₂-Abscheidung von Biomasse oder CO₂-Speicherung einsetzen.
“RED IV” wird zum roten Tuch für Holzwirtschaft
Der Fachverband Holzenergie im Bundesverband Bioenergie e. V., der Deutsche Säge- und Holzindustrie Bundesverband e. V., die Familienbetriebe Land und Forst sowie die AGDW– Waldeigentümer kritisieren das Vorhaben scharf und fordern eine Korrektur: „Holz ist ein unverzichtbarer Pfeiler der Energiewende, und die energetische Nutzung muss auch in Zukunft vollumfänglich möglich bleiben,“ fordern sie in einer gemeinsamen Erklärung.
Das letzte Wort über eine Verschärfung oder Lockerung der “RED IV”- Regelungen aus Brüssel ist noch nicht gesprochen. Das Fingerhakeln, nicht nur zwischen bayerischen Interessen und Brüsseler Vorgaben, geht weiter.
Fotos: Thomas Friedrich








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