8,2 Kilometer, gut zwei Stunden, mittelschwer, fast ausschließlich unbefestigt. Startpunkt: Parking 5, Kapittel 10, 1500 Halle
Von Michael Stabenow
Der Hallerbos im Sommer? Das passt irgendwie nicht zusammen. Im August hat der hiesige legendäre Blütenteppich blauer Hyazinthen bereits vor Monaten zwar nicht das Feld, aber so doch den Wald geräumt. Bei der in diesem Hitzesommer nicht ganz sinnlosen Suche nach einer schattigen Rundwanderung sind wir dann doch auf die dortige, etwas über acht Kilometer lange „Reebokwandeling“ gestoßen.
Welch ein Kontrast! Während der Hallerbos zur Osterzeit an Wochenenden von Hyazinthenfans aus Nah und Fern regelrecht gestürmt wird, haben wir jetzt keine Menschenmassen gesichtet. Die Sonne schien – wie konnte es anders im Sommer 2026 sein? Aber wir haben sie bis auf ein paar wenige Ausnahmen nur hinter mächtigen Baumkronen erahnen können.
Und das war an diesem natürlich wieder reichlich warmen Tag auch gut so! Denn auch im Schatten gerät man zumindest auf dem zweiten, reichlich auf und ab führenden Teil der Rundwanderung recht gut ins Schwitzen.
Der rund 550 Hektar große, östlich des Städtchens Halle gelegene Hallerbos befindet sich im westlichen Zipfel des „Nationaalpark Brabantse Wouden“. Das 2023 offiziell zum Nationalpark erklärte Gebiet umfasst gut 10.000 Hektar. Es erstreckt sich vom Hallerbos aus nach Osten, zunächst durch den vor den südlichen Toren Brüssels gelegenen Zoniënwoud/Forêt de Soignes, und schließlich bis zum Meerdaalwoud südlich von Löwen.
Heute ist der Hallerbos ein Mischwald, auch wenn, wie in den Wäldern weiter östlich, nach wie vor Buchenbestände dominierend sind. Das Gebiet umfasst Lehm- sowie Sandböden und wird durch mehrere Täler durchschnitten, was zu beträchtlichen Höhenunterschieden beiträgt. Der tiefste Punkt des Waldes befindet sich gerade einmal 40 Meter über dem Meeresspiegel, der „Gipfel“ auf über 120 Meter Seehöhe.
Davon spüren wir wenig auf dem ersten Teilstück unserer Wanderung, die am Parkplatz 5 an der Kreuzung von Hallerbosweg und Kapittel beginnt. Wir biegen dort zunächst rechts in südlicher Richtung auf einen leicht abwärts führenden asphaltierten schmalen Weg ein, der anfangs neben der – spätestens bei der Rückkehr – zu einem Besuch lockenden Gastwirtschaft „t´Kriekske“ verläuft.
Entscheidend wird in den kommenden zwei Stunden sein, die an Holzpfosten angebrachte gelbe Markierung im Auge zu halten. An mehreren Stellen sorgt auch die Abbildung eines gelb leuchtenden kleinen Rehbocks für Gewissheit, dass man sich nicht verlaufen hat. Aber keine Sorge! Alles in allem sind die oft beiderseits des Wegs angebrachten Markierungen problemlos zu erkennen.
Einige Minuten nach dem Aufbruch zum Rundweg weicht der Asphalt einem meist angenehmen, unbefestigten Untergrund. Erst im zweiten Teil der Wanderung können die zur Stabilisierung der in feuchten Zeiten leicht matschig werdenden Untergrunds großzügig verteilten Steinchen und Steine ein wenig nerven. Nach dem Abbiegen nach rechts an einem kleinen, im Hitzesommer grünlich leuchtenden kleinen Teich kommen wir auf einen noch schmaleren Wanderpfad.
Der Aufforderung, uns an einem Malwettbewerb für ein Gemälde der Heiligen Sint-Waltrudis zu beteiligen, die im Jahr 686 den Hallerbos der Abtei von Mons vermacht haben soll, widerstehen wir gerne. Angesichts unseres kläglichen malerischen Talents ist die Chance nämlich inexistent, dass wir den Hauptpreis gewinnen und ein Werk aus unserer Hand dereinst jene kleine, an einem Baum befestigte Holzkapelle schmücken könnte.
Ein kleines Kunstwerk sichten wir etwas später, als wir rechterhand auf einer Holztafel die bläuliche Abbildung einer „wilden Hyazinthe“ erkennen – ein einsames, künstliches Exemplar zu dieser Jahreszeit.
Lebendige Rehe haben wir auf der Reebokwandeling ebenfalls nicht bemerkt. Dafür entdecken wir aber etwas später, als wir uns schon eine Weile auf der lang gestreckten Rode Amerikaanse Eikendreef bewegt haben, gegenüber einem kleinen Gebäude aus Ziegelstein einen von mehreren Picknickplätzen auf dieser Rundwanderung.
Nachdem wir hinter einer Kreuzung, an der mehrere Wege zusammenkommen, weiter geradeaus gelaufen sind, geht es etwas später nach links ab. Kurz, wenn wir die Karte richtig gelesen haben, bewegen wir uns an der Grenze zur Wallonischen Region entlang und überqueren anschließend einen größeren Weg namens Dreef van Eigenbrakel.
Nun beginnt der abwechslungsreiche zweite Teil der Wanderung. Es geht zunächst an einem Talboden, in dem auch ein in dieser heißen und trockenen Jahreszeit etwas Wasser führender Bach verläuft, in eine Senke. Anschließend wird der Weg kurviger und führt auf und ab. An einer Kreuzung, an der rechterhand einer der zahlreichen Parkplätze des Hallerbos liegt, sehen wir links einen zu einer Ruhepause einladenden Pavillon.
Ein paar Schritte daneben entdecken wir eine an einem Holzpfosten angebrachte viersprachige Schrifttafel mit einem Text, dem wir, so wir uns nicht täuschen, vor einigen Jahren schon einmal an anderer Stelle begegnet sind. Begrüßt werden wir mit den Worten: „Achtung: Sie betreten ein Naturwaldreservat!“
Auch im Jahr 2026 heißt es anschließend, grammatikalisch nicht ganz sattelfest, aber weiter in der Sprache Goethes: „Bäume werden nicht umgehaut oder abgeräumt, abgesehen von den an den Pfad angrenzenden kranken oder toten Bäumen.“ Damit nicht genug in der dritten offiziellen Landessprache Belgiens. Wir erfahren nicht nur, dass das „Betreten des Waldes auf eigene Gefahr“ erfolgt, sondern auch: „Außerdem wird bei starkem Wind den Zugang zum ganzen Wald mit aller Entschiedenheit abgeraten.“
Zum Glück weht heute nur eine leichte, kühlende Brise. Im schattigen Gelände laufen wir weiter. Wir überqueren einen – in diesen trockenen Tagen erstaunlich viel Wasser führenden Bach und können etwas später, eine Ausnahme bei dieser Wanderung, einen schönen Blick auf freies Gelände mit ein paar Gebäuden am Horizont erheischen.
Wären wir weiter stoisch den gelben Wegmarkierungen gefolgt, hätten wir eigentlich etwas später nach links abbiegen können. Doch der kleine, derzeit grünlich schimmernde Teich erinnert uns daran, dass wir am Anfang unserer Rundwanderung genau an dieser Stelle, wenn auch aus der entgegengesetzten Richtung kommend, schon einmal abgebogen sind. Und so sehen wir, so sehr die Reebokwandeling nach unserem Geschmack ist, jetzt von einer zweiten Runde ab – nehmen uns aber vor, zur Zeit der Hyazinthenblüte im kommenden Frühling wieder hierher zurückzukehren. Kurz danach geht es nach links und dann leicht bergauf auf dem asphaltierten Weg zum Ausgangspunkt unserer schön schattigen Wanderung zurück.








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