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Neues auf dem Plattenteller: Auster Loo und Julien Marga 4tet

Von Ferdinand Dupuis-Panther

Nachstehend werden zwei jüngst erschienene Alben vorgestellt. Dabei entführt uns das eine von Auster Loo vom Okzident in den Orient bis hin ins ferne Südindien, das andere des Julien Marga 4tet besticht durch feine Gitarrenklänge jenseits von Blues und Swing.

 

Auch eine musikalische Reise nach Rajajinagar

Simon Leleux (Doholla/Darbuka, Bendir/Rahmentrommel Nordafrikas) und Lydie Thonnard (Flutes, Vocals) vereint ihre Passion für Improvisationen, dabei geleitet von Inspirationen durch diverse Musikgenres und Musiker. Beide Musiker firmieren unter dem Band-Namen Auster Loo. Unter diesem liegt nun das jüngstes Album-Projekt der beide Musiker namens „Make it More“ vor.

Bereits bei dem ersten Stück namens „Naisance“ stellt sich die Frage, ob es nun Weltmusik oder Folklore ist, die uns zu Gehör gebracht wird. Kenner werden aufgrund der rhythmischen Struktur auch Parallelen zu indischer Musik ziehen, beispielsweise zu der vom Karnataka College of Music. Weiter geht es mit „Mononomo“ und einem sehr eingängigen schnellen Rhythmus sowie gedämpften Flötentönen.Kredenzt wird musikalisch „Mango juice for the monkeys“. Flirrende Flötentöne sind zu vernehmen. Bisweilen hat man allerdings auch den Eindruck, man höre das schwirrende Blättchen eines Holzbläsers. Explosivlaute, die man sonst von Saxofonisten her gewohnt ist, entlockt Lydie Thonnard ihrem Instrument.

In den Westen von Bangalore, ins luxuriöse Rajajinagar, begleiten uns die Musiker als Nächstes. Trommelschlag reiht sich an Trommelschlag. Lang gezogen sind die Flötenpassagen. Sie klingen so wie schwebende Klangwolken, mit leichtem stimmlichen Sirren und Schwirren. 1001 Nacht mit all seinen Klischees drängt sich auch auf. Man sieht anmutige Tänzerinnen vor seinem geistigen Auge, deren Handbewegungen genauestens choreografiert sind. Hell sind die Flötentöne, die in rascher Folge zu hören sind, als würden die Tanzenden sich immer schneller drehen und die Flötistin den Drehbewegungen folgen. Den Abschluss des Albums bildet der Track „Basics for queens“. Fazit: Weltmusik, Fusion, Folklore oder Ethno Jazz – muss es denn eine Kategorisierung geben oder reicht einfach die Kennzeichnung als gute Musik?!

Auster Loo – Make it More, Off Records – https://stilll-off.bandcamp.com/album/make-it-more

Cobalt kann auch eine musikalische Färbung haben

Aktuell präsentiert das Quartett um den französischen, in Belgien beheimaten Gitarristen Julien Marga das Album „Unausgesprochenes Land“(Original The Unspoken Land). Der Titel erscheint durchaus rätselhaft, weiß man doch nicht, was damit gemeint ist. Gewiss ist jedoch, dass Marga durch Bill Frisell, Gilad Hekselman und John Scofield in seiner Musik beeinflusst wird, lauscht man intensiv den überwiegend von Marga komponierten Stücken des Albums.

Besungen“ wird zu Beginn des Albums ein hartes, ferromagnetisches Übergangsmetall namens Kobalt, im Englischen, so wie auf dem Album aufgeführt: „Cobalt“. Zugleich muss man bei diesem Titel auch an Kobaltblau denken, oder? Der Pianist Geoffrey Fiorse entfaltet gemeinsam mit dem Gitarristen einen ausufernden klanglichen Perlenfluss. Eine gewisse romantische Anlehnung ist nicht zu überhören. Der eine oder andere mag beim Hören auch an Chopin denken, oder? Auf jeden Fall steht der melodische Wohlklang im Fokus. Weiter geht es mit „Unfolding as One/Le Rocher des Doms“. Auch diese Titel machen neugierig, könnte doch die Inspiration zu dieser zuletzt genannten Komposition von einem Felsvorsprung über der Rhône in Avignon stammen. Feinste „Tastenrinnsale“ sind im Verlauf der genannten Tracks auszumachen. Julien Marga lässt seine Gitarre teilweise wie einen E-Bass bzw. eine Bariton-Gitarre klingen, um dann durchaus auch in leicht rockige Sequenzen abzugleiten. Man denke dabei an den einen oder anderen Song von Peter Green und Fleetwood Mac zum Beispiel. Und vernehmen wir nicht schließlich auch Rhodes- bzw. Keyboard-Klanginterventionen?

Gestisch beginnt der Pianist in den ersten Takten von „The Unspoken Land“ , dabei auch die Basshand zur Geltung bringend. Danach ergießt sich ein ungehinderter Tastenfluss, um ein Bild zu bemühen. Dabei agiert der Pianist dann vornehmlich im Diskant. Und auch das Spiel des Bassisten Jordi Cassagne scheint hier und da durch. Wie in den Stücken zuvor stehen allerdings Gitarrist und Pianist im Fokus, teilweise in einer direkten Zwiesprache vereint. Im weiteren Verlauf dringen im Übrigen zudem sphärisch angehauchte Passagen an unser Ohr.

Kommen wir nun zu „Zwischenraum“ – eine sehr freie deutsche Übersetzung von „In Between“. Wie in anderen Stücken auch ist eine Spur Lyrik nicht zu überhören. Überhaupt durchzieht Poesie jeweils die Stücke des Quartetts. Im vorliegenden Stück des „Zwischenraums“ geschieht das dank der melodischen Linien, die der Pianist verantwortet. Mit „Folk Song“ beschließt das Quartett die musikalische Reise ins „Unausgesprochene Land“. Fazit: Das Album ist ein wahrer akustischer Leckerbissen und außerdem Balsam für die Seele.


JULIEN MARGA QUARTET – THE UNSPOKEN LAND, Herbes Folles Records – https://herbesfollesrecords.bandcamp.com

 

 

 

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