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Ein Ende der Dauerbaustelle am Brüsseler Rond-Point Schuman in Sicht

Von Heide Newson

Endlich mal eine gute Nachricht aus dem Europaviertel. Die nervenden, nicht enden wollenden Arbeiten am Rond-Point Schuman im Herzen des Brüsseler Europaviertels sollen nun endgültig im Herbst abgeschlossen sein. Dies hat der für die Förderung  der Rolle Brüssels als europäische Zentrale zuständige Minister Bernard Quintin  kürzlich im Rahmen zuständigen Ausschuss des föderalen Parlament mitgeteilt. Gleichzeitig bestätigte er, dass es die geplante ikonische Überdachung in der Mitte des Platzes letztlich doch nicht geben werde. Dabei war dieser Blickfang auf allen “Werbebildern” von Beliris zu sehen, der für föderale Bauvorhaben in der Hauptstadt zuständigen Behörde. Als Grund nannte Quintin knappe Kassen. Weitere zusätzliche 13 Millionen Euro wären schätzungsweise für dieses Projekt noch zusätzlich angefallen – einfach zu viel für solch eine Überdachung. Auch ein Bettelbrief an die EU-Institutionen im vergangenen Sommer hat nicht geholfen (Belgieninfo berichtete). Das Geld werde man nun in die Straßenverbesserungen stecken, so der Minister weiter.

Die Enttäuschung über die Streichung des Stahldachs war groß. Es sollte ein Ort der Begegnung für (gesellige) multikulturelle Treffen werden und zudem die Bürgernähe der EU in der Mitte des Platzes symbolisieren. Das schlagende Herz werde auf diesem Platz dann weiter fehlen, so Kritiker im umliegenden Wohnviertel, die die von der ohnehin riesigen Baustelle und jahrelangen Umleitungen genervt sind. Obwohl der Rond-Point Schuman jetzt ohne dieses imposante Element fertiggestellt wird, bleibt er eine weitläufige Fußgängerzone und wird vor allem zum Dorado und Verkehrsknotenpunkt für Radfahrer, was vielen Einwohnern auch nicht gerade behagt.

Zudem wird der Platz entgegen früherer Pläne nach seiner Fertigstellung nicht mehr für Busse der Verkehrsgesellschaft STIB befahrbar sein. Die aktuellen Umleitungen über die Metrostation Maelbeek werden dauerhaft beibehalten.

Verwandlung vom Kreisverkehr zum Boulevard

Lange Zeit war der Rond-Point Schuman vor allem eines: ein lautstarkes Verkehrschaos. Es war nicht nur EU-Kommissaren peinlich, dass das Herz Europas jahrzehntelang eine hässliche, laute Asphaltwüste für Autos war. Eine Neugestaltung war seit Jahrzehnten im Gespräch. Alles rund um die EU-Gebäude sollte grüner und menschlicher werden und vor allem eine Seele bekommen. Die Neugestaltung schaffe nun einen würdigen, repräsentativen Ort für die EU, so die Meinung der zuständigen EU-Vertreter und des belgischen Ministers. Jetzt gebe man den Menschen, die in dem Viertel leben, einen Platz zurück, der das Viertel lebenswerter und weniger grau mache. Und bei den vielen Gipfeltreffen und Demos sei eine Fußgängerzone deutlich einfacher zu sichern als ein unaufhörlich fließender Kreisverkehr.

Kritiker fürchten jedoch, dass sich der Stau einfach nur in die umliegenden Wohnviertel verlagern wird. Und von einem Platz, dem das prägende Wahrzeichen in seiner Mitte fehlt und nun wohl nicht zum geselligen Ort der Begegnungen wird, dürften sie auch nicht gerade begeistert sein. 

Die ursprüngliche Planung © Beliris

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