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Brüssel atmet auf nach Abwahl Orbáns in Ungarn

Bricht jetzt ein neuer Frühling in Budapest an? Koch gewinnt als erste Deutsche Paris-Roubaix. Rückreisewelle verursacht kilometerlange Grenzstaus

Ausblick EU-Agenda und Wochen-Rückblick auf Belgien

Von Thomas A. Friedrich

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj gehörte zu den ersten Gratulanten am Sonntagabend, die dem ungarischen Herausforderer und Oppositionsführer Péter Magyar zu seinem “überwältigenden Sieg” bei der ungarischen Parlamentswahl auf der Plattform X beglückwünschte.

Auch in Brüssel überwog die Erleichterung nach dem Ende der 16-jährigen Regierungszeit von Viktor Orbán, der bis zuletzt finanzielle Hilfen von 90 Milliarden Euro an die vom russischen Angriffskrieg gebeutelte Ukraine im Kreis der EU-Staats- und Regierungschefs mit seinem Veto immer wieder blockiert hatte.

Freude und Erleichterung über den Wahlausgang in Ungarn daher auch bei EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen: “Ungarn hat Europa gewählt“, schrieb die CDU-Politikerin auf der Plattform X. Wohlwollende Zustimmung gab es auch aus dem EU-Parlament.

Grüne bejubeln Ende von “korruptem Mafia-Staat”

Der Chef des christdemokratischen Europäischen Volkspartei (EVP) im Europäischen Parlament, Manfred Weber (CSU), begrüßte ebenso den Wahlerfolg Magyars: “Das ist ein klarer Sieg für die Demokratie in Ungarn und für Europa.” Seine Botschaft an die Ungarn sei: “Willkommen zurück im Herzen Europas.”

Auch der Grünen-Europaabgeordnete Daniel Freund wertete den Wahlerfolg Magyars als  „das Ende von Orbáns korruptem Mafiastaat”.

Nach Auszählung von 93 Wahlbezirken zeichnete sich eine überwältigende Mehrheit für den 45-jährigen Herausforderer ab.

Magyars Partei verzeichnete 53,6 Prozent der Stimmen, während 37,8 Prozent der Wählerinnen und Wähler für Fidesz stimmten. Die Zweidrittelmehrheit an Mandaten gibt der neuen Regierung genügend Spielraum für wichtige Gesetzesänderungen und die Durchsetzung ihrer Politik. Die international vielbeachtete Richtungswahl verzeichnete eine Rekordbeteiligung von 77,8 Prozent.

Der nun abgewählte Regierungschef Viktor Orbán hatte zuletzt einen 90 Milliarden-Kredit der EU für die Ukraine blockiert. Er warf Kiew zudem vor, eine Wiederaufnahme des Betriebs der Druschba-Ölpipeline, über die Ungarn in der Vergangenheit russisches Gas bezog,  aus politischen Gründen zu verhindern.

Zustimmung zum Überraschungssieg in Ungarn kam auch aus Europas Hauptstädten. Bundeskanzler Friedrich Merz gratulierte Magyar zum Sieg bei der Parlamentswahl in Ungarn und bot ihm eine enge Zusammenarbeit an. “Ich freue mich auf die Zusammenarbeit für ein starkes, sicheres und vor allem geeintes Europa”, schrieb Merz am Sonntagabend im Onlinedienst X.

Ebenso beglückt über den Oppositions-Sieg in Ungarn zeigte sich der französische Staatspräsident Emmanuel Macron. Er sieht den Gezeitenwechsel nach 16 Jahren Orban-Regierung als “neue Hoffnung für die Europäische Union”.

Franziska Koch gewinnt als erste Deutsche Paris – Roubaix

Auf den französischen Straßen gleich hinter der belgischen Grenze feierte die deutsche Radsport-Meisterin Franziska Koch am Sonntag unverhofft und überglücklich den Sieg beim Radsport-Klassiker Paris – Roubaix.

Als erste Deutsche hat Franziska Koch (FDJ – United Suez) Paris-Roubaix Femmes gewonnen. Nach einem starken Auftritt erreichte die deutsche Meisterin gemeinsam mit der Niederländerin Marianne Vos und der französischen Vorjahressiegerin Pauline Ferrand-Prévot (beide Visma – Lease a Bike) die legendäre Radrennbahn in der ehemaligen Textilstadt Roubaix in direkter Nachbarschaft zur belgischen Grenze.

Koch bezwang nach insgesamt 143,1 Kilometern von Denain nach Roubaix die sprintstarke Vos mit knappem Vorsprung auf den letzten Metern und feierte damit den größten Erfolg ihrer Karriere. Ferrand-Prévot gelangte mit 16 Sekunden Rückstand als Dritte in Ziel.

Belgierin Lotte Kopecky erneut nur als Vierte im Ziel

Erneut auf dem unglücklichen vierten Platz – wie schon bei der Flandern-Rundfahrt – landete die Belgierin Lotte Kopecky (SD Worx – Protime), dicht gefolgt von Megan Jastrab (UAE ADQ) mit einem Rückstand von je 1:30 Minuten auf die Siegerin Koch.

Belgier Wout van Aert triumphiert bei Königin der Klassiker

Der belgische Radprofi Wout van Aert vom Team Visma – Lease a Bike sorgte für den Knaller bei Paris – Roubaix: Der Belgier gewann die von Turbulenzen und Unfällen geprägte hochdramatische 123. Auflage des Radklassikers. Im Zweiersprint besiegte der Belgier nach 258,3 Kilometern den als Topfavoriten gehandelten Slowenen Tadej Pogacar (UAE – Emirates – XRG) überraschend deutlich. Erstmals konnte der Belgier den ewigen Rivalen bei der als “Königin der Klassiker“ bezeichneten bei der Ankunft im im Departement Nord hinter sich lassen.

13 Sekunden hinter dem Duo, das sich 52 Kilometer vor dem Ziel abgesetzt hatte, erklomm der Belgier Jasper Stuyven (Soudal – Quick Step) das Podium auf Platz Drei.  

Kilometerlange Staus bei Rückreise von deutschen Touristen an der niederländisch-deutschen Grenze

Zu einer Geduldsprobe wurde für Tausende von der belgischen Küste kommenden deutschen Touristen zum Ende der Osterferien der niederländisch-deutsche Grenzübergang bei Aachen. Am Sonntagabend stauten sich Fahrzeuge bei der Einreise nach Deutschland mit Wartezeiten von bis zu 45 Minuten. Autofahrer, die den belgisch-deutschen Übergang von Lüttich kommend über die E 40 wählten, konnten dagegen, wie üblich, problemlos ohne Grenzkontrollen der deutschen Polizei nach Nordrhein-Westfalen einreisen.

EU-Institutionen und Landesvertretungen öffnen ihre Pforten nach Osterpause

Mit dem Ende der Osterferien in Deutschland und anderen EU-Mitgliedstaaten haben auch die EU-Institutionen in der belgischen Hauptstadt ihre Arbeit wieder aufgenommen. Die parlamentarische Woche des Europäischen Parlaments startet mit der Anreise der Abgeordneten und des 1000-köpfigen Mitarbeiter-Trosses am Montag in Richtung Elsass. Die Plenumswoche findet in Straßburg statt. Auf der Agenda unter anderem: EU-weites Unternehmensrecht, Versorgung mit Arzneimitteln, KI-Deepfakes, der Ukraine-Kredit. Am Mittwoch ist der spanische König zu Gast anlässlich des 40-jährigen EU-Beitritts seines Landes.

Arten- und Naturschutz Themen in den Vertretungen von NRW und Bayern

In Brüssel öffnen die Landesvertretungen der deutschen Bundesländer diesen Montag ebenso wieder ihre Pforten mit Diskussionsrunden und Informationsveranstaltungen:

Naturschutzfinanzierung im nächsten MFR ( NRW, 13.4.,18.30h);

EU-Wettbewerbsfähigkeit – Schlüsselrolle Handwerk (Bayern, 14.4., 18.30h); Wettbewerbsfähigkeit Luftverkehr (Hessen 14.4., 13h);

Special Olympics Saarland 2026, (Saarland, 14.4., 18.30 h);

Militärische KI (Hessen, 20.4., 13.30h).

 

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