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Belgier erhält für Aufspüren von Geisterteilchen im All den Nobelpreis für Physik

Francis Halzen Foto: DESY

Von Thomas A. Friedrich

Der Nobelpreis für Physik geht in diesem Jahr an den in Tienen in Flämisch-Brabant geborenen Belgier Francis Halzen. Mit einer unter Wissenschaftlern zunächst als verrückt eingestuften Versuchsanordnung in der Antarktis schreibt der 82-Jährige Belgier, der an der amerikanischen Universität Wisconsin Madison lehrt, in der Neutrinos-Forschung Wissenschaftsgeschichte.

Mit einem großen Eiswürfel (Ice Cube) von rund einem Kilometer Kantenlänge baute Halzen ab 1988 mit seinem Team ein riesiges Observatorium unter dem antarktischen Eis – auf der Jagd nach den kleinsten Teilchen des Universums.

Mit dieser Versuchsanordnung im ewigen Eis gelang Francis Halzen der Nachweis von Neutrinos, die auch als “Geisterteilchen” aus dem All bezeichnet werden. Dafür ließ er zweieinhalb Kilometer tiefe Löcher in das Gletschereis am Südpol bohren.

So kam der Wissenschaftler mit Messgeräten im Eis den Neutrinos auf die Spur, und es gelang ihm, Teilchen aus den extremsten Regionen des Universums zu verfolgen.

“Francis Halzen hat ein internationales Team von Forschern und Ingenieuren angeleitet, die uns ein fantastisches Instrument an die Hand gegeben haben. Seine Beharrlichkeit und wissenschaftliche Vision haben den Weg für für eine neue Art von Astronomie geebnet“, heißt es in der Begründung des Nobel-Kommittees.

Am Anfang stand eine höchst ausgefallene Idee

Im Telefon-Interview während der Bekanntgabe des ihm verliehenen Nobelpreises erzählt Halzen, wie verrückt seine Idee seinerzeit aufgenommen wurde: “Das sollte ich eigentlich gar nicht sagen, aber kein respektabler, konservativer Physiker hätte sich mir am Anfang angeschlossen, ein riesiges Observatorium mit einem Würfel mit etwa einem Kilometer Kantenlänge und mehr als ein Kilometer unter dem antarktischen Eis bauen zu wollen.“

Dankbar sei er aber vor allem den vielen talentierten Leuten, die an diese Idee glaubten, und sie Wirklichkeit werden ließen: Seit 2013 detektiert das “IceCube” getaufte Observatorium in der Antarktis.

Neutrinos sind Teilchen ohne elektrische Ladung und mit fast keiner Masse. Sie reagieren kaum mit anderer Materie und rasen ungehindert durch Sterne und Planeten. Sie nachzuweisen ist extrem schwierig. 

Jubel an belgischen Universitäten über Stockholmer Auszeichnung

Halzen hat 1969 in Löwen, kurz vor der Aufspaltung der Universität in eine niederländischsprachige (KU Leuven) und eine französischsprachige (UCL Louvain-la-Neuve) Hochschule, sein Physikstudium mit der Promotion abgeschlossen. Kein Wunder, dass beiderseits der Sprachgrenze die Freude groß war: Im vergangenen Jahr hatte man noch vergeblich auf einen Nobelpreis für Halzen gehofft.

Belgische Wissenschaftskollegen äußerten sich voller Anerkennung über den Nobelpreisträger. „Es ist ein absolut verdienter Nobelpreis für jemanden, der Großes bewirkt und uns eine neue Sichtweise auf das Universum vermittelt hat“, sagte Dirk Ryckbosch, emeritierter Professor für Physik an der Universität Gent.

„Er verfügt über ein immenses Verständnis seines Fachgebiets, kann sich die Dinge anschaulich vorstellen und Menschen für etwas begeistern, das so verrückt klingt wie ein Teleskop, das einen Kilometer tief im Eis vergraben ist“, schwärmt Ryckbosch im Interview mit Belga.

Verkündet hat die Entscheidung die Belgierin Ellen Moons, seit Jahresbeginn Generalsekretärin der Schwedischen Akademie der Wissenschaften. Der Preis ist mit rund einer Million Euro dotiert.

Zum zweiten Mal geht der Physik-Nobelpreis an einen belgischen Forscher

Nach François Englert, der im vergangenen Juni im Alter von 93 Jahren verstorben ist, ist Halsen der zweite Belgier, der den Nobelpreis für Physik erhält. Der theoretische Physiker Englert erhielt den Nobelpreis für Physik im Jahr 2013. Er wurde gemeinsam mit dem Briten Peter Higgs für die theoretische Vorhersage des Higgs-Bosons (oft als „Gottesteilchen“ oder „Higgs“-Teilchen bezeichnet) ausgezeichnet.

Wissenschaftsministerin: „Enormer Stolz für unser Land“

Die für Wissenschaftspolitik zuständige Föderalministerin Vanessa Matz (Les Engagés) sprach angesichts der Verleihung des Nobelpreises an Halzen „von einem Grund für enormen Stolz für unser Land“. Die Ministerin erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur Belga, die Auszeichnung würdige „Francis Halzens außergewöhnliche Laufbahn“ und unterstreiche zugleich „die langjährige Unterstützung Belgiens für die Grundlagenforschung“.

Laut Matz habe auch die föderale Wissenschaftspolitik, insbesondere durch das Programm „Interuniversity Attraction Poles“ sowie durch die Forschungsstiftung Flandern (FWO) und ihr französischsprachiges Pendant, den Fonds für wissenschaftliche Forschung (FNRS), „zu diesem wissenschaftlichen Abenteuer beigetragen“

„Diese Anerkennung des Nobelpreiskomitees unterstreiche die Bedeutung der Forschungsförderung durch die Einrichtung Belspo, die es Belgien ermögliche, „sich an bedeutenden internationalen wissenschaftlichen Kooperationen zu beteiligen.“

Deutschland wichtiger Partner bei IceCube Projekt

IceCube ist ein internationales Projekt. Nach den USA ist Deutschland der zweitgrößte Geldgeber und spielt auch wissenschaftlich eine zentrale Rolle. Neben dem Forschungszentrum DESY in Zeuthen sind mehrere deutsche Universitäten beteiligt, darunter Wuppertal, Berlin, Aachen und das KIT in Karlsruhe.

Deutsche Gruppen entwickeln und testen einen großen Teil der hochempfindlichen Lichtsensoren. So tragen sie entscheidend dazu bei, detektierte IceCube Neutrinos sicher erkennen und auswerten zu können.

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