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Die Woche in Belgien: Rück- und Ausblick

Die Woche in Belgien: Rück- und Ausblick

Speiseeis-Weltmeister, Rote Teufel und “sinkende Titanic”

Von Thomas A. Friedrich

Alle reden vom Wetter – wir nicht. Belgien wartete in der zurückliegenden Woche mit veritablen „good news“ auf.  Die Rue Washington 152 in Ixelles gilt schon lange als das Mekka für Speise-Eis Gourmets in Brüssel.

 Dafür sorgt der belgische Glacier Christian Wu. Der im italienischen Padua mit den Insignien italienischer Gelato-Kunst ausgebildete 25jährige überzeugte

beim diesjährigen Welt-Speiseeis-Festival im US-amerikanischen Las Vegas. Für Furore sorgte er dort mit seiner Kreation „Il Bosco dei Cento Acri “, was man mit „Früchte aus 100 Wäldern“ übersetzen könnte. Das Parfum des Milcheises speist sich aus einer Melange von Honig, schottischen Pinien, Steinpilzen – abgeschmeckt mit italienischen Zitronen. Und damit ist der Belgier mit seinen Eis-Dielen in den Brüsseler Stadtteilen Ixelles und Jette bejubelter Weltmeister. Chapeau!

Der junge Brüsseler setzte sich in einem vierjährigen Concours mit 3.500 Teilnehmern unter den 24 Finalisten aus 18 Ländern als Sieger durch. Damit nicht genug. Sein belgischer Kollege aus Verviers, Fabio Marasti, reüssierte mit dem Preis des besten Nachwuchs-Gelatiers.

Wir sprechen aber nicht über Kalorien, sondern freuen uns nach der Sommerzeit-Umstellung auf baldiges Eisschlecken unter blauem Himmel.

Alkohol-Werbung im Visier

Der belgische föderale Gesundheitsminister Frank Vandenbroucke (Vooruit) hat am Freitag im Ministerrat Zustimmung für ein Werbeverbot von Alkohol für die Zielgruppe Minderjährige, vor allem auf sozialen Plattformen erhalten. Belgische heranwachsende Teenies sollen besser vor Alkohol-Stimulation und Exzessen geschützt werden.

Ob dann auch die belgische Fußball-Liga „Jupiler-League“ – was einmalig in Europa als Bier-Reklame daherkommt – umbenannt werden müsste, gilt es noch zu diskutieren.

Rote Teufel heizen Amis in Atlanta ein

Davon völlig unberührt  trumpften zweieinhalb Monate vor dem Start der Fußball-Weltmeisterschaft die belgischen Roten Teufel in den Vereinigten Staaten am Samstag bei einemFreundschaftsspielen gegen die einheimische Nationalmannschaft in Atlanta fulminant auf. Mit einem überzeugenden 5:2-Erfolg haben die Roten Teufel ein starkes Ausrufezeichen im Hinblick auf die kommende Weltmeisterschaft gesetzt. Vor allem der Wirbelwind Jérémy Doku (Manchester City) und der Joker Dodi Lukebakio (Benfica Lissabon) sorgten für den Testspielsieg. Nach holprigem Start in der ersten Halbzeit setzten sich die Roten Teufel m zweiten Durchgang  ohne Wenn und Aber durch.

Sportliche Erfolge auch für Belgiens Leichtathleten

Am Wochenende zuvor sorgten auch die belgischen Leichtathletinnen und Leichtathleten bei den Europäischen Hallenmeisterschaften für Furore.

Am ersten Tag der Leichtathletik-Hallen-Europameisterschaften im niederländischen Apeldoorn holte die belgische 4×400-Meter-Mixed-Staffel die Silbermedaille. Sie musste sich nur knapp dem niederländischen Quartett geschlagen geben. Die “Belgian Waffles” mit Christian Iguacel, Julien Watrin, Imke Vervaet lagen bis zum letzten Stabwechsel noch in Führung. Schlussläuferin Helena Ponette wurde im Finish von der niederländischen Ausnahmeathletin Femke Bol knapp noch knapp abgefangen.

“Ein Augenblick, den ich noch einmal erleben möchte.”

So reagierte die erst 19-jährige Nina Pinzarrone auf ihren bisher größten Erfolg. Die Eiskunstläuferin aus Brüssel gewann am Wochenende in Prag die Bronzemedaille bei den Weltmeisterschaften in Prag, und das mit ihrer bisher besten Punktzahl. Nur zwei Japanerinnen waren diesmal besser als sie: Kaori Sakamoto et Mone Chiba, die bei den Olympischen Spielen in Mailand und Cortina die Plätze zwei und vier belegt hatten (Pinzarrone wurde nur 13.). Nach den Bronzemedaillen bei den Europameisterschaften der beiden vergangenen Jahre verspricht der neueste Erfolg eine hoffnungsvolle Zukunft.

Bücher, Bücher, Bücher

Wenn das April-Wetter im März nicht einlädt zum Lesen, wann sonst. Mit der Büchermesse „Foire du Livre 2026“ fächerte die französischsprachige Publikations- und Literaturszene ihre reichhaltigen Neuerscheinungen für den Sommer des Jahres vom 26. bis 29.März in der ansprechenden Kulisse von Tour & Taxis auf. Auch ein Stand mit deutschsprachiger Literatur war mit von der Partie.

Die Drei von der Würseler Buchhandlung

Tags vor Eröffnung der Buchmese am Donnerstag, schlug ein langjähriger europäischer Brüsseler Akteur mit seinen beiden Brüdern bei einer Buchvorstellung im Eupener IKOB-Museum für Zeitgenössische Kunst auf.

Das unverhoffte Glück des Hari Hünerbein“ erzählt die Geschichte eines jungen Mannes, der Ende des 19. Jahrhunderts Eupen verließ und sein Glück im Rheinland suchte. Verfasst hat dies Kölner Walter Schulz, ein Nachfahre des Protagonisten.

Unterstützung und Lob erhielt der Autor von seinen beiden Brüdern Erwin und Martin. Letzterer ist der langjähriger Präsident des Europäischen Parlaments. Bevor Martin Schulz in der Politik Karriere machte, war er als Buchhändler in Würselen vor den Toren von Aachen tätig.

Premierminister wirft sich für Ostbelgien in die Bresche

Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Ein besonderer Wortwechsel und Schlagabtausch ereignete sich unter der Woche in der Kammer.

Das Grenz-Echo hält folgende Posse fest: „Sind die Deutschsprachigen Wallonen? Ja, erklärte der – Brüsseler- Abgeordnete François De Smet (DéFI) in der Kammer, schließlich liegen ihre Gemeinden in der Wallonischen Region. „Das ist beinahe Kolonialismus“, entgegnete Premierminister Bart De Wever von der Neu-Flämischen Allianz (N-VA).

Was war der Anlass für die belgische föderale Heimatkunde-Diskussion und über belgische Identitätsfragen?

De Wever erklärte laut Grenz-Echo, eine zeitliche Begrenzung des Arbeitslosengeldes wäre gut für Wallonen, Flamen und – wie er auf Deutsch hinzufügte – auch für die Deutschsprachigen.

Der DéFI-Abgeordnete De Smet konterte daraufhin: „Herr De Wever, die Deutschsprachigen sind auch Wallonen.“

Dies wollte der deutschsprachige Abgeordnete Luc Frank (CSP/Les Engagés) nicht unkommentiert stehenlassen. Gegenüber der Brüsseler Tageszeitung „Le Soir“ äußerte er sich „sichtlich irritiert“.

Bart De Wever sagte, schlagfertig an die Adresse von De Smet gerichtet: „Jetzt sind die Deutschsprachigen also Wallonen! Das ist kulturelle Aneignung, Herr De Smet! Die alte FDF (Vorgängerpartei von DéFI, A.d.R.) ist zurück!“ Und er fügte mit Blick auf das zu Flandern gehörende Brüsseler Umland hinzu: „In dem Fall kann ich auch sagen, dass die Frankophonen aus der Peripherie Flamen sind.“ (Heiterkeit auf den Rängen vermeldet das Parlamentsprotokoll).

Keine Entwarnung an der Tanke 

Wir schließen den Wochenrückblick und wagen einen Ausblick auf die Karwoche mit sonniger Wetter-Prognose zumindest für Ostermontag. Der andauernde Krieg im Iran lässt nunmehr auch an den belgischen Tankstellen die Ziffern für Sprit-Literpreise nach oben klettern. Positiv ist zu vermerken, dass der Tanktourismus deutscher Autofahrer über die belgische Grenze daher moderat abnimmt.  Aber für belgische Autofahrer ist dennoch keine Energie- und Spritpreis-Entlastung in Sicht.

Der Premierminister brachte es unverblümt mit der ihm eigenen Fähigkeit zur allegorischen Sprachschöpfung auf den Punkt.

Nach dem jüngsten Bericht des Monitoringkomitees zur Haushaltslage wächst der Druck auf das nationale belgische Budget weiter dramatisch. Bis zum Ende der Legislaturperiode im Jahr 2029 droht ein deutlich höheres Milliarden-Defizit als bislang erwartet.

Daher sei an eine Absenkung der staatlichen Mineralölsteuer nicht im Traum zu denken, machte De Wever in der Sitzung des Innenausschusses deutlich. „Es gibt keinen Spielraum für Maßnahmen, die die hohen Energiepreise für Bürger und Unternehmen abmildern könnten“, so De Wever. Der Premier weiter ungeschminkt: „Unser Haushalt ist eine sinkende Titanic.”

Na dann frohe Ostern und einen schönen Oster-Spaziergang! Gönnen Sie dabei auch Ihrem Auto in der Garage oder auf dem Stellplatz ganz einfach einige geruhsame Feiertage.

Die Illustration ist KI-generiert.

 

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