
Von Anne Kotzan
Seien wir ehrlich, wem ergeht es nicht so, man hat von einer Ausstellung, einem Event gelesen oder gehört, sich interessiert, aber schiebt den Besuch wegen dies und das immer weiter hinaus, bis es dann zu spät ist.
Deshalb hier noch der Reminder, denn mit seinen über 50 Ausstellungen in Museen, Galerien und Institutionen setzt das Festival durchaus eine Meilenstein, was die Fotografie in all ihren unterschiedlichen Genres angeht. Es feiert nun seinen zehnten Geburtstag, und die große Zahl an teilnehmenden Ausstellern mit mehr als 100 Künstlern bezeugt, dass sich das Festival als überzeugend etabliert hat. Neben namhaften Namen wie Michael Ackerman, Robert Mapplethorpe, Ruud Van Empel, Alexandre Christiaens, Daniel & Geo Fuchs und Scarlett Hooft Graafland (Titelbild des Flyers) gibt es viel zu entdecken.
Zentrum bildet der Hangar am nun verkehrsberuhigten Place du Chȃtelain, wo man Übersichtspläne der teilnehmenden Aussteller erhält. So kann man leicht Spaziergänge zusammenstellen, die einen zwischen den Ausstellungen auch mit dem stillen Charme von Brüssel vertraut machen.
Außerdem erwarten einen im Hangar bereits einige Fotokünstler mit ihren Arbeiten. Herausragend wie aufwendig ist die bis zum 17. Mai zu sehende Show „The House“ im Erdgeschoss von Lee Shulman. Sie konzipiert aus gefundenen Fotografien anonymer Menschen, die in den 1950er und 1960er Jahren ihre Liebsten und besondere Momente im Leben fotografisch festhielten, was damals auch eine Kostenfrage darstellte. Also man drückte nicht wie heute ständig zum Spass auf den Auslöser, sondern meistens wohl überlegt, was die Bilder auch zeigen. Interessant, dass sich verschiedene Kulturen im Grunde wenig unterschieden, in dem was und wie sie es fotografisch aufnahmen. Eine begehbare Ausstellung in nachgestellten Interieurs wie Küche, Wohn- und Schlafzimmer, aber auch mit Caravan. Man kann eintauchen in den Zeitgeist, für die einen Erinnerungen, für die Jüngeren eine Erfahrung jenseits von GSM, wo der Fernseher noch der große Fortschritt war.
Unter dem Namen Hangar, einer privaten Stiftung, verbirgt sich ein 2016 gegründetes Fotokunstzentrum mit angeschlossenem Buchladen. Es ist eine Plattform sowohl für international anerkannte Fotokunst sowie für die Entdeckung neuer Talente. Gleichzeitig fungiert es auch als eine Art Galerie, sodass Arbeiten auch erworben werden können. Hangar sieht sich somit auch als Mittler zwischen Künstler und Sammler. Zum Programm gehören aber auch Workshops und Lesungen. Also für Fotografieliebhaber eine exzellente Adresse auch außerhalb des Monats der Fotografie.
https://www.photobrusselsfestival.com/







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