
Von Michael Stabenow
Es lag seit Tagen in der Luft. Die offizielle Bestätigung der Berufung von Mark van Bommel zum neuen Nationaltrainer der belgischen „Roten Teufel“ kam allerdings erst im Laufe des Freitags per Kommuniqué des belgischen Fußballbundes (URBSFA/KBVB). An Tatendurst mangelt es dem 49 Jahre alten Niederländer, der unter anderem beim FC Bayern München spielte, keineswegs. Belgien verfüge über „außerordentliche Spieler“ sowie ein „enormes Potential“, erklärte van Bommel und versprach, auch im Namen seiner Assistenten Boudewijn Zenden und Maarten Martens: „Wir werden alles geben, um diese Mannschaft tagtäglich zu verbessern und die Belgier stolz werden zu lassen.“
Dass die Zeit seines Vorgängers Rudi Garcia abgelaufen war, hatte sich trotz des respektablen Abschneidens der Roten Teufel bei der jüngsten Weltmeisterschaft seit längerem abgezeichnet. Mit dem Erreichen des Viertelfinales, bei dem es einen knappe 1:2-Niederlage gegen den späteren Weltmeister Spaniern gab, hatte Garcia zwar die Erwartungen der meisten Fachleute durchaus erfüllt. Es hatte jedoch, auch aus dem Kreis der Mannschaft, Gemurre über den Franzosen gegeben, weil er es an einer klaren Führung habe mangeln lassen und zudem durch nicht nur für Laien schwer nachzuvollziehende Ein- und Auswechslungen Zweifel geweckt hatte.
In belgischen Medien hieß es freilich, dass Sportdirektor Vincent Mannaert schon länger hinter den Kulissen an einer Ablösung des 62 Jahre alten Franzosen durch van Bommel gewerkelt habe. Kein Wunder, dass sich der ehemalige starke Mann beim FC Brügge am Freitag geradezu überschwänglich zur Nachfolgeregelung äußerte: „Ich bin wirklich zufrieden, dass Mark van Bommel und seine Assistenten bereit sind, unsere große Herausforderung anzunehmen. Sie verspüren viel Lust, sind ehrgeizig, und ich bin davon überzeugt, dass sie mit ihrer Erfahrung als Trainer und Spieler unsere Roten Teufel perfekt in die Lage versetzen können, sich zu verbessern, Ergebnisse zu erzielen und ihr Potential sowohl individuell als im Mannschaftsgefüge auszuschöpfen.
Van Bommel war als Mittelfeldstratege nicht nur in München, sondern auch beim FC Barcelona und dem AC Mailand einst ein gefeierter Star,. Dass er als Trainer des damaligen Bundesligavereins VfL Wolfsburg 2021 nach 13 Spielen mit nur vier Siegen seinen Hut nehmen musste, wird in Belgien durchaus erwähnt. In Erinnerung bleibt jedoch vor allem, wie van Bommel drei Jahre später dem Royal FC Antwerp, den Traditionsverein aus der Scheldestadt mit der belgischen Matrikelnummer 1, nach vielen dürren Jahren zum Gewinn von belgischer Landesmeisterschaft und Pokalsieg verholfen hat. Van Bommel zog nach dem Triumph freiwillig einen Schlussstrich unter seine Trainerlaufbahn in Antwerpen und schien seither auf eine neue reizvolle Aufgabe zu warten.
Ein Makel im mehrsprachigen Belgien ist, dass van Bommel neben seiner niederländischen Muttersprache zwar fließend Deutsch, Englisch, Spanisch und Italienisch spricht, aber sein Französisch derzeit noch reichlich zu wünschen übrig lässt. Kein Wunder, dass dies im südlichen, französischsprachigen Landesteil Belgiens in den vergangenen Tagen moniert wurde. Aber es wäre erstaunlich, sollte der spiel- und sprachbegabte van Bommel diese Scharte nicht in Kürze auswetzen.
Auf den neuen Cheftrainer kommt jetzt vor allem die Aufgabe zu, die Verjüngung der Nationalmannschaft voranzutreiben. Noch ist unklar, wie lange die alten Haudegen der sogenannten Goldenen Generation, die 2018 den dritten Platz bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Russland errangen, weiter für die Roten Teufel auflaufen werden. Dies gilt besonders für Torhüter Thibaut Courtois, Mittelfeldspieler Kevin De Bruyne und Mittelstürmer Romelu Lukaku.
Als Kopf (und nicht nur Kapitän) der Mannschaft gilt der jetzt von Aston Villa zu Manchester United wechselnde Youri Tielemans. Hohe Erwartungen werden insbesondere auch in den für Manchester City spielenden Linksaußen Jeremy Doku gesetzt, der allerdings bei der jüngsten WM meist seiner Form hinterherlief.
An Mark van Bommel, der als gewiefter Taktiker und Motivator gilt, wird es nun liegen, rasch ein spielstarkes belgisches Ensemble zu formen. Schon im Herbst, wenn in der Nations League Begegnungen gegen Italien, Frankreich und die Türkei anstehen, dürfte sich zeigen, ob der neue Nationaltrainer tatsächlich den hohen Erwartungen gerecht werden und dem Team der Roten Teufel neuen Schwung verleihen kann.








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