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Europa immer im Ohr – Hörfunkrat möchte in Brüssel in Verbindung kommen

Von Heide Newson

Unlängst tagte der Hörfunkrat von Deutschlandradio unter dem Motto „Europa immer im Ohr in Brüssel.“ Damit folgte das Aufsichtsgremium der Tradition, einmal in Jahr zu tagen, um sich mit anderen Gremien, Journalistinnen und Journalisten sowie Vertreterinnen der Medienpolitik auszutauschen. Diesmal wollte der Hörfunkrat mit Menschen in Brüssel ins Gespräch kommen.

Und optimal ins Gespräch kamen die unterschiedlichen Gesprächspartner in den Räumlichkeiten der Dienststelle der Evangelischen Kirche Deutschland (EKD) bei den Europäischen Institutionen in Brüssel. Charmante und kenntnisreiche Gastgeberin war Oberkirchenrätin Katrin Hatzinger, die die EKD- Vertretung bei den Europäischen Institutionen leitet und seit Anfang 2024 Vorsitzende des Hörfunkrates ist.

BEGRÜSSUNGSANSPRACHE

Ich freue mich, Sie heute Abend im Haus der EKD zum Empfang des Deutschlandradio Hörfunkrats begrüßen zu dürfen. Gestern Abend konnten einige von uns in „einer Stunde history“ viel über unser Gastland Belgien und die Geschichte der deutschsprachen Gemeinschaft erfahren,“ sagte die Oberkirchenrätin in ihrer Begrüßungsansprache. Und heute Nachmittag hätten nun alle Gelegenheit gehabt, die Deutschlandradio- Korrespondenten und ihren Blick auf die Europapolitik kennenzulernen. Heute Abend solle es jedoch im informellen Rahmen darum gehen, mit Europapolitikern, Medienschaffenden und Politikbegleitern in den Austausch zu treten. „Schön, dass sie alle da sind, “so Katrin Hatzinger.

Dann erklärte sie, wieso die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) bereits seit mehr als 30 Jahren in Brüssel mit einer eigenen Vertretung präsent ist. „Zunächst weil uns die EU-Gesetzgebung ganz unmittelbar in unserem Selbstverständnis, unserem grundgesetzlich garantierten Selbstbestimmungsrecht betrifft.“ Das war auch der Grund wieso das Büro im Jahr 1990 quasi als „Frühwarnsystem“ gegründet wurde.

Als evangelische Kirche sind wir hier aber auch vertreten, weil uns als Christinnen und Christen Europa etwas angeht,“ fuhr Katrin Hatzinger fort. Die europäischen Werte von Demokratie, Menschenwürde, Rechtstaatlichkeit entsprächen der christlichen Überzeugung der EKD. Und die großen Herausforderungen der aktuellen Zeit von Migration, über den Klimawandel, Digitalisierung bis hin zu Handel, Wettbewerbsfähigkeit, Sicherheit und Verteidigung ließen sich nur gemeinsam bewältigen. Zum Erhalt und zur Vertiefung dieser Gemeinschaft leiste die EKD im Rahmen ihres Öffentlichauftrags gemeinsam mit Partnern aus Politik und Zivilgesellschaft einen Beitrag.

OBERKIRCHENRÄTIN KATRIN HATZINGER

Katrin Hatzinger ist seit nunmehr 23 Jahren in Brüssel zu Hause und nach eigener Aussage noch immer dankbar über das Privileg, in der Haupstadt Europas arbeiten und leben zu dürfen. Die vielen Gespräche Begegnungen mit Menschen anderer Nationalität und die Zusammenarbeit mit einer Vielzahl interessanter Menschen mit ganz unterschiedlichen Hintergründen bezeichnete sie als große Bereicherung.

Keinen Zweifel ließ sie jedoch daran, dass Europa die Unterstützung aller brauche hier, vor Ort sowie in den Mitgliedstaaten. Genauso selbstverständlich wie das europäische und internationale Engagement der EKD sei den Kirchen ihr Eintreten für unabhängige und öffentlich- rechtliche Medien als tragende Säule der freiheitlich-demokratischen Grundordnung.

Mit dem Evangelischen Pressedient betreibt die EKD die älteste Nachrichtenagentur Deutschlands, die 1910 gegründet wurde. Vielfaltsicherung sei daher ein zentraler Auftrag, dem sich gerade die Kirchen verpflichtet fühlten. Von daher kommt es nicht von ungefähr, dass sich in den öffentlich-rechtlichen Aufsichtsgremien traditioneller Weise viele Kirchenvertreter als Vertreter/innen einer gesellschaftlich relevanten Gruppe engagieren, aber auch aus dem eigenen Selbstverständnis als Vertreter des Gemeinwohls. Es gebe viele Gemeinsamkeiten zwischen Kirchen und dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk, beide würden einen wichtigen Beitrag zur Daseinsvorsoge leisten, und hätten einen gesamt-gesellschaftlichen Auftrag, und beide brächten mit ihren Angeboten eine Vielzahl ganz unterschiedlich geprägter und politisch orientierter Menschen zusammen. Zudem stünden beide für die grenzüberschreitende Zusammenarbeit und die Stärkung des europäischen Gedankens, und beide stünden zunehmend unter Druck, so Katrin Hatzinger.

Bevor sie das Wort an den Deutschlandradio Intendanten Stefan Raue weitergab, wünschte sie ihren Gästen einen schönen Abend voller ertragreicher Begegnungen und guter Gespräche. Stefan Raue sprach u.a. über die Herausforderungen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks auf europäischer Ebene sowie die Aufgabe, europäische Themen an die Zuhörer zu bringen. Weitere inhaltliche Schwerpunkte der Sitzung und des anschließenden Empfangs bildeten die Medienvielfalt, Schutz vor Desinformation, die Bedeutung eines unabhängigen, öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Zeiten von Polarisierung und Fake News. Beim Austausch mit den Hörfunkratsmitgliedern und Fachleuten kamen auch die Rolle des Radios bei der Vermittlung europäischer Themen oder die Anpassungen des Deutschlandfunk-Programms angesichts eines veränderten Radionutzungsverhaltens zur Sprache.

 

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