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Das Brüsseler Oktoberfest, ein voller Erfolg

“The best party since 10 years“, so das Verdikt von Politico.

Von Heide Newson

Fotos von Thomas A. Friedrich und Heide Newson

Im weiß- blauen Zelt im Brüsseler Jubelpark herrschen absolute Feierstimmung und ein akustischer Ausnahmezustand immer dann, wenn die bayerische Blaskapelle einsetzt. Und dieser Ausnahmezustand herrscht seit dem 14. Oktober, als die EU-Vertretung des Freistaates Bayern etwa 1.500 Gäste eingeladen hatte, um im Festzelt im Cinquantenaire-Park das Brüsseler Oktoberfest zu eröffnen. Seitdem gilt dort das ungeschriebene Gesetz der bayerischen Gemütlichkeit sowie der traditionelle Anstich-Ruf „O‘zapft is“.

 

 

FASSANSTICH

Unter den Augen von Vertretern aus Politik, Wirtschaft, EU und Nato schritt die bayerische Politik-Prominenz zum traditionellen Festanstich. Dabei brannte den Gästen die Frage unter den Nägeln: „kommt ‚der Söder‘ heute noch oder eher nicht?“ Selbst am Pressetisch waren wir gespannt, ob der bayerische Landesvater, wie eigentlich vorgesehen, vielleicht mit einem zünftigen Trachtenjanker durch den Zelt Eingang marschieren würde, um das Oktoberfest zu öffnen. Aber er kam nicht. Statt dessen schickte Markus Söder, der einen prall gefüllten politischen Terminkalender hatte, hochrangige Vertretung. Bayerns Staatskanzlei-Chef Florian Hermann übernahm die offizielle Eröffnung an der Seite der Präsidentin des Europäischen Parlaments Roberta Metsola sowie Prinz Albert-Henri und Prinzessin Marie-Christine von Merode. Und als der erlösende Ruf durch das proppenvolle Festzelt hallte „O`zapft is“, gab´s kein Halten mehr.

Glücklicherweise saß der Zapfhahn perfekt, und das bayerische Spaten-Festbier floss nach dem Anstich in Strömen. Die allererste Maß gebührte gemäß Protokoll der Prominenz. Für das optische Highlight sorgten die mitgereisten bayerischen Gebirgsschützen, ein Meer aus hübschen Mädels in Dirndl und Münchner Urgesteinen in Lederhosen, während die Bedienung mehr als sechs gefüllte Maßkrüge durch die dicht gedrängte Menge balancierte. Mit jedem Prosit auf die Gemütlichkeit schmolzen die Berührungsängste. Man hakte sich ein, grölte mit der Blaskapelle um die Wette und tanzte nach dem Essen auf den Bänken. Und viele der begeisterten Gäste waren am nächsten Tag ganz schön heiser wie ich. Aber das nahmen sie gerne in Kauf. Das Verdikt meines Kollegen von Politico: „Oktoberfest, ich liebe dich, die beste Party, die ich seit zehn Jahren in Brüssel besucht habe.“ Und dem kann ich nur beipflichten.

FRÜHSCHOPPEN AM SONNTAG MIT DER GANZEN FAMILIE

Wenn so einige glauben, dass das Oktoberfest nur auf der Münchner Theresienwiese toll und international ist, hat die Rechnung ohne die Belgier gemacht. In einem Land, wo es angeblich die besten Biersorten gibt, ist die bayerische Oktoberfest-Gaudi im Jubelpark längst zu einem gigantischen internationalen Schunkel-Event geworden. So geschehen am Sonntag. Ganz nach dem Motto „Je mehr, desto besser“, rückten die Belgier am Sonntag gegen 12 Uhr auf der “Brüsseler Wiesn“ mit der gesamten Familie und Freunden an. Den Kindern hatte eine Familie auf der Place Jourdan zuvor eine Tüte knusprige belgische Fritten mit Mayonnaise in die Hand gedrückt. „Das haben wir gemacht, da wir nicht wissen, ob sie Weißwürste oder Schweinebraten mit Knödel mögen, worauf wir uns aber alle freuen,“ so eine Flämin aus Halle, die mit fröhlichen Familienmitgliedern einen Tisch ganz in der Nähe der Blasmusik reserviert hatte. Das Ergebnis: Überglückliche Kinder, die schon bald vergnügt zur Blasmusik tanzten, während die Eltern „Oans, zwoa gsuffa“, und ein Prosit auf die Gemütlichkeit intonierten. Das Beste am Brüsseler Oktoberfest sei die einzigartige Stimmung, das gute Festbier, und dass man nicht bis nach München fahren müsse, um in solch einer authentischen Atmosphäre so zünftig feiern zu können.

Unter den weiß-blauen Rautenbändern herrschte ein fröhlicher Lärm aus klirrenden Maßkrügen und ausgelassenem Stimmengewirr. Mitten in dieser einzigartigen Stimmung fand sich eine feierfreudige chinesische Gruppe. Deren Teilnehmer schienen weder Englisch noch eine sonstige europäische Sprache zu beherrschen, dagegen perfekt die bayerischen Traditionen. Zum Anstoßen stemmten sie ihren Maßkrug gekonnt in die Höhe und schienen dabei geübt und ungewöhnlich trinkfest zu sein. Und mit einem kühlen Spatenfestbier im großen Maßkrug mit allen möglichen Leuten anzustoßen, schien für sie das ultimative Oktoberfesterlebnis zu sein, wozu man keine Sprachkenntnisse braucht. Die Klöße schmeckten ihnen so gut wie ihre sonst geliebten „Dumplings.“

Gegen 15 Uhr lagen sich Belgier, Chinesen, Deutsche und weitere Gäste aus unterschiedlichen Ländern in den Armen, schunkelten und stießen auf die bayerische Gemütlichkeit an. Das Oktoberfest in Brüssel ist zwar ein anders als das Münchner Original – aber garantiert genauso süffig, herrlich bunt, unvergesslich, und hat dazu seinen eigenen unvergleichlichen Charme.

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