
Von Thomas A. Friedrich
Frust in der Euregio Rhein-Maas als Folge des Iran-Krieges: Seit dem Energiepreisboom Anfang März pendeln Autofahrer aus dem Aachener, Bonner und Kölner Raum ins Eupener Land. Ihr Ziel, noch vor der Osterferien-Reisewelle: Fahrten ins benachbarte Belgien, um von deutlich günstigeren Spritpreisen zu profitieren. Dies sorgt bei belgischen Nachbarn durchaus für einigen Unmut.
Während der Deutsche Bundestag am heutigen Donnerstag in Berlin ein Maßnahmenpaket gegen hohe Benzin- und Dieselpreise beschließen wollte, trafen in Brüssel die EU-Staats- und Regierungschefs zusammen, um Konsequenzen aus dem Iran-Krieg zu beraten. In kaum einem anderen europäischen Land sind die Preise an den Tankstellen derart massiv gestiegen wie in Deutschland.
Dies hat den Mineralölkonzernen den Vorwurf eingebracht, Übergewinne auf Kosten der Verbraucher einzustreichen. Die Befugnisse des Bundeskartellamtes sollen daher ausgeweitet und Preise an Tankstellen nur noch einmal am Tag erhöht werden dürfen.
Bundestag beschließt Gesetze um Preise runterzubringen
Der deutschen Opposition gehen die Pläne von Bundeswirtschaftsministerin Katharina Reiche (CDU) nicht weit genug. Grüne und Linke fordern eine Übergewinnsteuer sowie eine Absenkung des sogenannten Deutschlandtickets als Alternative zum Autofahren auf einen Monatspreis von neun Euro. Die AfD bringt eine Senkung der Benzinsteuern ins Gespräch.
Kurzfristig dürften die geplanten Maßnahmen kaum die Preise an den deutschen Tankstellen wieder nach unten bringen. Daher bleibt die Abstimmung der grenznahen deutschen Autofahrer mit den Füßen – sprich dem Bleifuß für einen Tankausflug ins benachbarte Belgien – weiter tägliche Praxis.
Schwarzweiße Nummernschilder sorgen für Unmut an Tankstellen
Weil der Sprit in Belgien derzeit bis zu 50 Cent pro Liter weniger kostet als auf deutscher Seite, zieht es Autofahrer mit schwarz-weißen Nummernschildern in großer Zahl über die deutsch-belgische Grenze.
So zeigt sich beispielsweise in diesen Tagen an der Raststätte in Eynatten an der Autobahn E 40, kurz hinter der Grenze, ein chaotisches Bild.
Besucher der Rastanlage finden kaum ungehindert zum Restaurant oder zum Shop, weil etliche Autos mit deutschen Kennzeichen sowohl die Einfahrt als auch die Ausfahrt blockieren. Zudem komme es öfter auf der Aachener Straße zu Beinahe-Unfällen, weil die rechte Spur von wartenden Fahrzeugen besetzt sei, meldet die Polizei.
Die Polizei ist seit Anfang März vor Ort im Einsatz und appelliert deshalb an alle Verkehrsteilnehmer, sich an die Verkehrsregeln rund um die Tankstellen zu halten. Rücksichtnahme unter den wartenden Kunden lasse dabei manchmal zu wünschen übrig, wie Tankstellenbesitzer im belgischen Fernsehen berichten.
Lange Staus und unübliche lange Wartezeiten in Stoßzeiten von bis zu einer halben Stunde vor den Zapfsäulen bringt das Blut vor allem der belgischen Autofahrer zum Kochen.
„Es ist momentan schon stressig“, sagt Andrea Niessen-Hüweler, Leiterin der TotalEnergies-Tankstelle in Eynatten, gegenüber dem Grenz-Echo. Das sonnige Wetter helfe aber dabei, derartiges Ungemach wegzustecken.
Zoll kontrolliert Tank-Touristen – Lohnt sich Tankstopp in Belgien?
Auch der Westdeutsche Rundfunk (WDR) widmet dem Tanktourismus eine umfangreiche Berichterstattung und informiert über das Nachbarland Belgien.
Wer in Nordrhein-Westfalen nahe der belgischen Grenze wohnt, kann von den günstigeren Preisen an dortigen Tankstellen profitieren. So gab es in Eupen, das circa 22 Kilometer entfernt von Aachen liegt, Benzin für 1,64 Euro, Diesel war dort für 1,79 Euro zu haben (Stand: 08.03.26). Zum Vergleich: In Aachen mussten Dieselfahrer am selben Tag teils schon 2,12 Euro pro Liter berappen.
Ob sich die Ersparnis von rund 30 beziehungsweise bis zu 40 Cent pro Liter Sprit lohnt, hängt natürlich von der Länge der Fahrt zur Tankstelle ab. Und: Tanktouristen müssen unter Umständen viel Geduld mitbringen, denn die Schlangen an den belgischen Zapfsäulen können lang sein“, berichtete der Westdeutsche Rundfunk (WDR).
Wieviel Liter Sprit dürfen steuerfrei eingeführt werden?
Privatpersonen dürfen zwar Benzin oder Diesel in einem anderen Mitgliedstaat kaufen und steuerfrei nach Deutschland mitbringen, aber nur für den Eigenbedarf und nur eine bestimmte Menge. Gefüllte Reservekanister bis zu 20 Liter erlaubt der Zoll.
Der Zoll weist darauf hin, dass der Kraftstoff in dem betreffenden Mitgliedstaat bereits versteuert und an einer Tankstelle käuflich erworben worden sein müsse. Anders gesagt: Kraftstoff darf nur dann energiesteuerfrei aus einem EU-Mitgliedstaat eingeführt werden, wenn er sich im Tank des eigenen Fahrzeugs oder in mitgeführten Reservebehältern befindet. “Dabei wird eine Kraftstoffmenge von bis zu 20 Litern in den Reservebehältern nicht beanstandet”, heißt es seitens des Zolls. Für eventuelle Kontrollen sollten die Tankbelege gut aufbewahrt werden.
Dass Tank-Touristen neben dem Auffüllen des Autotanks gar noch bis zu 20 Liter in Reservekanistern mitnehmen dürfen, nervt die belgischen Autofahrer und Bürger enorm. Denn dies führt zu erheblichen Verzögerungen bei jedem einzelnen Tankvorgang.
Wie gefährlich ist ein gefüllter Benzinkanister im Auto?
Ungeachtet der rechtlichen Vorschriften empfiehlt der ADAC übrigens, aus Sicherheitsgründen generell nicht mehr als zehn Liter mitzunehmen.
Der Transport von Benzin oder Diesel in Kunststoffkanistern im Auto ist nämlich nicht ganz ungefährlich, da aus diesen Behältern Dämpfe entweichen können. Selbst der kleinste Funke reiche aus, um das Gas in der Luft und somit das gesamte Fahrzeug zu entzünden, heiße es auf den Seiten der R+V Versicherung, bemerkt der WDR.
In manchen Ländern drohen bei Reservekanistern sogar hohe Strafen – und auf vielen Fähren gilt sogar ein generelles Verbot, mahnt der WDR seine Hörer.

Auf Facebook brechen alte Ressentiments gegenüber Deutschen auf
Auf Facebook-Chatgruppen macht sich der Ärger von Belgiern gegenüber dem deutschen Tank-Tourismus Luft. Posts bedienen alte Ressentiments, die bei der lange währenden belgisch-deutschen Freundschaft schon vergessen zu sein schienen. Der Kampf an den grenznahen Tankstellen lässt nun alte Wunden wieder aufreißen.
Hier nur ein drastisches aber eher noch harmloseres Beispiel aus dem Netz: “Früher kamen sie mit dem Panzer, dann mit den Koffern, dann mit den Stop Tihange-Aufklebern und jetzt wird getankt. Aber weiterhin alles mies machen mit dem berüchtigten deutschen Zeigefinger, das geht zu jeder Zeit“.







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