Aktuell, Kultur

Abgehört: Off Record präsentiert

Von Ferdinand Dupuis-Panther

Cappi/Mascolo: Varv

Minimalistisch ist die Besetzung: Andrea Cappi (Keyboards, Compostions) und Francesco Mascolo (Drums). Sie haben das Album „Varv“ eingespielt. Der Eröffnungstrack hat den Titel „Bright“. Ein satter Klangteppich und dazu dunkle Klangtropfen, die der Keyboarder aneinander setzt, so wie Jackson Pollock seine berühmten Drippings. Schlagwerkschläge werden gesetzt, zu den Modulationen des Klangteppichs. „Wormhole“ lässt im Klangbild an den Klang eines Harmoniums denken. Zudem erleben wir Morseklänge und „Klanggeschiebe“. Orgel oder doch nicht? – das ist im Weiteren die Frage, wenn das Stück durchaus in Richtung Jazz-Rock tendiert. Statt von jaulenden und „weinenden“ E-Gitarren erzeugt der Pianist gleichlautende bzw. artverwandte Klänge auf dem Rhodes, so hat es den Eindruck. Nach „Place to disgress“ folgt „Vice“. Und auch hier legt das Duo Klangebene über Klangebene, breitet Klangflächen aus, durchaus auch mit Sinn für Tieftönigkeit und Melodica-Adaptationen. Anleihen an Space Rock sind ebenso zu entdecken wie Sphärisches. Da wabern und vibrieren Klänge, da meint man, eine E-Gitarre zu vernehmen. Unterwasserwelten öffnen sich, so könnte man angesichts der Klangvarianten denken, die wir hören. „Drifter’s deals“ bildet dann den Abschluss eines Albums, das Klangsedimente präsentiert und sich wie bei diesem Titel in Richtung instrumentalem Rap und Ambient entwickelt. Mehr: https://www.off-recordlabel.blogspot.com/.

 

Leleux/Thonnard: Auster Loo

Simon Leleux (Doholla/Darbuka, Bendir/Rahmentrommel Nordafrikas) und Lydie Thonnard (Flutes, Vocals) vereint ihre Passion für Improvisationen, dabei geleitet von Inspirationen durch diverse Musikgenres und Musiker.

Bereits bei dem ersten Stück namens „Naissance“ stellt sich die Frage, ob es nun Weltmusik oder Folklore ist, die uns zu Gehör gebracht wird. Kenner werden aufgrund der rhythmischen Struktur auch Parallelen zu indischer Musik ziehen, beispielsweise zu der vom Karnataka College of Music. Weiter geht es mit „Mononomo“ und einem sehr eingängigen schnellen Rhythmus sowie gedämpften Flötentönen. Während man im Eingangsstück durchaus eine Querflöte identifizieren kann, fragt man sich nun, ob hier nicht eine Bambus-Rohrflöte mit im Spiel ist. Die Flötistin ist verhalten in ihren Spielbögen, derweil der Perkussionist die Finger auf die Doholla, auf eine orientalischen bzw. nordafrikanischen Trommel, schnell niederfahren lässt.

Kredenzt wird musikalisch „Mango juice for the monkeys“. Flirrende Flötentöne sind zu vernehmen. Bisweilen hat man allerdings auch den Eindruck, man höre das schwirrende Blättchen eines Holzbläsers. Explosivlaute, die man sonst von Saxofonisten her gewohnt ist, entlockt Lydie Thonnard ihrem Instrument. Zugleich hört man auch „Lautmalereien“, Dank an einen besonderen Ansatz für das Gebläse auf der Querflöte. Mit viel Poesie versehen ist „Ethio“. Man gewinnt den Eindruck, die Musiker würden einen durch eine Kasbah geleiten, würden auf einem Suq vorbeischauen, würden uns Weihrauch und Myrrhe musikalisch einatmen lassen.

In den Westen von Bangalore, ins luxuriöse Rajajinagar, begleiten uns die Musiker als Nächstes. Trommelschlag reiht sich an Trommelschlag. Lang gezogen sind die Flötenpassagen. Sie klingen so wie schwebende Klangwolken, mit leichtem stimmlichen Sirren und Schwirren. 1001 Nacht mit all seinen Klischees drängt sich auch auf. Den Abschluss des Albums bildet der Track „Basics for queens“. Fazit: Weltmusik, Fusion, Folklore oder Ethno Jazz – muss es denn eine Kategorisierung geben oder reicht einfach die Kennzeichnung als gute Musik!? Mehr: https://stilll-off.bandcamp.com/album/make-it-more.

 

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