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Brüssel verabschiedet sich von den Mietrollern

Foto Hanna Penzer

Von Reinhard Boest

Fotos: Hanna Penzer und Jürgen Klute

Anfang 2027 sollen die roten und grünen Elektroroller von Bolt und Dott aus dem Brüsseler Stadtbild verschwinden. Die Regionalregierung hat jetzt beschlossen, die Lizenzen für die beiden Anbieter nicht zu verlängern. Damit geht eine Episode der städtischen Mobilitätspolitik zu Ende, die über die vergangenen Jahre immer wieder für Aufregung und politischen Streit gesorgt hat (Belgieninfo hat regelmäßig berichtet).

Im Koalitionsvertrag der seit Februar 2026 – nach über 600 Tage andauernden Verhandlungen – amtierenden Regierung ist dieses Aus eigentlich nicht vorgesehen. In der Tat hat sich die anfangs chaotische Entwicklung dieses „sanften“ Verkehrsmittels zuletzt deutlich beruhigt. Waren vor drei Jahren noch 25.000 Exemplare von sieben Anbietern auf den Straßen (und oft auch Fußwegen) unterwegs, sind es seit 2024 nur noch 7.800 von den beiden Anbietern, die zuletzt noch eine Lizenz bekommen hatten. Diese deutliche Verringerung macht sich vor allem dadurch bemerkbar, dass die Roller nicht mehr wie früher mehr oder weniger überall herumstehen oder liegen, einer der wichtigsten Kritikpunkte. Die Abstellzonen („Drop zones“) werden weitgehend genutzt, schon deshalb, weil sonst die über GPS-Signale gesteuerte Mietzeit weiterläuft. Und im Gegensatz zu privaten Rollern müssen sie ein Kennzeichen tragen – auch wenn dieses wegen der mikroskopisch kleinen Schrift oft kaum zu entziffern ist.

Das Angebot wurde auch ausgiebig genutzt, nämlich, wie die Zeitung „Le Soir“ berichtet, im Jahr 2025 zehn Millionen Mal. Der Anbieter Dott sieht darin einen Beleg dafür, dass dieses Verkehrsmittel als Ergänzung des öffentlichen Personenverkehrs seine Daseinsberechtigung hat. Immerhin hatte Brüssel 2020 für sein alle Verkehrsmittel einbeziehendes Mobilitätskonzept einen europäischen Preis gewonnen.

Warum soll es also jetzt mit den Rollern zu Ende gehen? Schon vor drei Jahren, als das Durcheinander mit einer drastischen Reduktion der Anzahl zu einem ersten harten Einschnitt geführt hatte, kündigte die damalige und auch heutige regionale Verkehrsministerin Elke Van den Brandt (Groen) an, dass man die Roller ganz verbieten werde, wenn die Probleme anhielten. Offenbar ist die Regierung der Auffassung, dass die Mietroller weiterhin stören, die Straßen verstopfen und Ursache für schwere Verletzungen sind.

Im Jahr 2025 sind 666 Rollerfahrer bei Unfällen verletzt worden, vier kamen ums Leben. Das waren zwar deutlich mehr als 2024 (530), aber weniger als 2022 (697), als allerdings noch 20.000 Mietroller unterwegs waren. Betroffen waren dabei nicht nur Mietroller, sondern auch private. Und zum Vergleich: 2025 wurden im Straßenverkehrinsgesamt 4.370 Menschen in Brüssel Opfer von Verkehrsunfällen.

Ein wichtiges Motiv für die Entscheidung dürfte auch gewesen sein, das Mietroller im vergangenen Jahr 25 mal bei Schießereien im Zusammenhang mit organisierter Kriminalität und Drogenhandel eine Rolle gespielt haben. Das hebt die Partei des neuen Minisiterpräsidenten Boris Dilliès (MR) hervor, die es daher begrüßt, dass jetzt wieder „Ordnung einkehrt“.

Dilliès verweist darauf, dass die elektrischen Mietfahrräder weiterhin zur Verfügung stehen werden und „ein unverzichtbares Element einer modernen Mobilitätspolitik bleiben“. Allerdings ist hierfür die Nachfrage deutlich geringer, auch wenn es derzeit rund 7.500 Lizenzen gibt. Nach Meinung von Ministerin Van den Brandt verfügt Brüssel über genügend Alternativen, um schnell und effektiv sein Ziel zu erreichen. Für das Stadtrad „Villo“ ist nach dem Auslaufen der laufenden Lizenz für die Werbefirma JCDecaux im September 2028 ein neues Konzept mit festen Stellplätzen und elektrischen Fahrrädern geplant.

Auch der Verein „Waytogo“, der sich für Modelle geteilter Mobilität einsetzt, bedauert das Ende der Mietroller. Als Ergänzung zur Metro, Tram und Bus für die „letzte Meile“ seien sie ein attraktives Angebot. Zwar gebe es weiterhin Probleme mit unvorsichtigem Verhalten und mangelnder Rücksicht, aber im großen und ganzen funktioniere die seit 2023 verschärfte Regulierung. Ein völliges Verbot sei übertrieben, schließlich ziehe man das für andere Verkehrsmittel auch nicht in Betracht.

Zu berücksichtigen ist auch, dass private Elektroroller weiter zugelassen sind und es hier auch keine zahlenmäßige Beschränkung gibt. Und sie sind nicht über GPS kontrollierbar; daher kann auch ihre Geschwindigkeit etwa in Fußgängerzonen nicht automatisch begrenzt werden (was man auf dem Platz vor der Brüsseler Börse jeden Tag beobachten kann).

Ministerpräsident Dilliès kann sich jedenfalls über einen späten Erfolg freuen. Als Bürgermeister der Brüsseler Gemeinde Uccle/Ukkel hatte er sich nämlich bis zuletzt gegen die Zulassung der Roller in seiner Kommune gewehrt. Jetzt geht also Brüssel den Pariser Weg des Totalverbots, was Ministerin Van den Brandt mit der Verschärfung der Regeln 2023 eigentlich vermeiden wollte.

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