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Bayern ohne Blasmusik unvorstellbar

Von Heide Newson

Wenn Ministerpräsident Markus Söder zum Aufstellen des Maibaums in die Landesvertretung in Brüssel einlädt, dann ist das kein normaler politischer Termin, sondern eine wundervolle bürgernahe Mischung aus bayerischem Staatsbesuch, Folklore, Lebensart, Brauchtum, Blasmusik und einer sehr selbstbewussten Ansage an die EU-Bürokratie.

Das Bayern-Gefühl im EU-Viertel

Am 5.Mai verwandelte sich der Innenhof der bayerischen Landesvertretung in eine weiß-blaue Enklave. Während draußen unweit der Rue Wiertz die Brüsseler Rush-Hour tobte, gab es drinnen und im Innenhof das volle Programm.

Markus Söder war mit dem gesamten Kabinett zu einem eintägigen Besuch nach Brüssel gereist und jagte von einem Termin zum anderen. So traf er sich unter anderem mit der Präsidentin des Europäischen Parlaments Roberta Metsola und dem EVP-Vorsitzenden Manfred Weber. Im Fokus standen wichtige europapolitische Themen, insbesondere die Verteidigungspolitik, die Stärkung europäischer Kompetenzen und die Forderung nach weniger Bürokratie. Söder nutzte seinen Besuch in Brüssel ebenso für einen Abstecher zum Atomium und wurde zudem vom belgischen König Philippe zu einer privaten Audienz auf Schloss Laeken empfangen. Es war das erste Treffen Söders mit dem Monarchen. Am Abend ließ er dann nicht nur den weiß-blau geringelten Maibaum aufstellen, sondern hielt die bayerische Tradition, den humorvollen Unterhaltungswert und bayerisches Lebensgefühl hoch.

Söders Rede in der Bayerischen Landesvertretung war die perfekte Mischung aus :“Wir lieben Europa, bekennen uns dazu, aber nehmt uns nicht den Diesel (Verbrennungsmotor) weg“. Söder nutzte die Brüsseler (Maibaum-) Tribüne, um eine Brücke zwischen bayerischer Tradition und harter europäischer Realpolitik zu schlagen. In seiner Rede sprach er über Bayerns Erfolgsgeschichte im Bereich Forschung und Innovation. “Wir sind nicht nur Zuschauer, sondern Gestalter, ein Leuchtturm für ganz Europa.“ In der Luft-und Raumfahrt sei man führend und habe eine ganz besondere Dynamik entwickelt. Weiter verwies er auf die historische Beziehung zu Belgien über Elisabeth von Wittelsbach, die mit König Albert I. von Belgien verheiratet war.

Maibaum-Tradition

Als Markus Söder noch Europaminister war, hatte er die Idee, die Maibaumtradition nach Brüssel zu exportieren. Mit dieser Entscheidung war er damals so gar nicht populär. Aber mittlerweile ist Bayern in Brüssel ohne Maibaum und Blasmusik unvorstellbar. Der Lap-Top und Lederhose mache Bayern aus, so Söder. Genau wie das Bierfass-Anzapfen, worin er ein Meister ist, und es (fast) als politischen Akt inszeniert. Den Anstich habe er jahrelang als Europaminister gemacht, jetzt sei Eric Beißwenger an der Reihe. Dabei beobachtete er genau, wie viele Schläge der bayerische Europaminister zum Anstich, der als Symbol für bayerische Effizienz gilt, brauchte. Aber Beißwenger machte seine Sache gut, und beide prosteten sich sodann mit ihren Maßkrügen zu.

Nach Söders Ansprache und der Feststellung, dass die Bayern die schönste Landesvertretung hätten, ging es in Begleitung von Blasmusik zur Aufstellung des Maibaums in den Innenhof. Und dabei zeigte sich Söder in bester Feierlaune. Eine extra aus Bayern angereiste Trachtenkapelle sorgte für die musikalische Untermalung und heizte die Stimmung so richtig an. Bei den traditionellen Tanzeinlagen wurden die Smartphones zum Fotografieren und Filmen gezückt. Der Maibaum selbt wurde traditionell von bayerischer Mannes- und Muskelkraft mit Stangen problemlos aufgestellt. Jetzt dominiert er als Symbol bayerischer Lebensfreude den Innenhof der schönen bayerischen Vertretung.

Und wie in den Vorjahren floss das bayerische Bier, während kulinarische Klassiker wie Brezen, Leberkäs, Händl oder Schäufele mit Klößen reißenden Absatz fanden. Ein zufriedener Söder nutze die gesellige Maibaumtradition, um den nationalen und internationalen Gästen zu zeigen, dass die Bayern das Leben genießen, und dass man in Bayern Politik auch mit ordentlich „Holz vor der Hütt` n“ , viel Humor und der nötigen optimistischen Lebensfreude machen kann.

 

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