Spargel – mehr als ein Gemüse
Von Thomas A. Friedrich
An europäischen Höfen des 17. Jahrhunderts ließen sich Fürsten und Könige das edle Stangengemüse mit dem Prädikat „königlich“ auftischen. Der Sonnenkönig Ludwig XIV. erhob das Edel-Gemüse zum Statussymbol. Er ließ seine Leibspeise gar unter Gewächshäusern züchten, um ihn ganzjährig genießen zu können.
Aber lange bevor europäische gesalbte Häupter das saisonal begrenzte kulinarische Produkt auf Damast-Tischtuch brachten, hatten sowohl Römer als auch die alten Griechen das “weiße Gold” für ihren Speiseplan kultiviert. Der römische Kaiser Augustus lobte Spargel als „göttliche Speise“. Aber bereits die Griechen adelten den Spargel in lateinischer Sprache als „Asparagos“ und schufen somit den botanischen Gattungsbegriff.
In europäischen Küchen zunächst unter dem Landvolk, fand der Spargel erst mit der Industrialisierung im 19. Jahrhundert auch in den Küchen der Bourgeoise Einzug.
Im belgischen Königshaus – so wird laut heimischen Medien gemunkelt – schätze König Philipp Spargel sehr. Und es heißt weiter, dass er Spargel als Vorspeise in Kombination mit Erdbeeren, Burrata und Parmaschinken schätze.
Na, da kann ich mir als gebürtigen Rheinländer zugutehalten, dass ich als Spargel-Liebhaber mit dem belgischen Monarchen die Vorliebe von Schinken als – Akkompagnement- sprich Zusatz zum Edel-Gemüse teile.
Auch bei Erdbeeren bin ich nahe bei ihm. Aber ehrlich gesagt zählen die roten Früchte bei mir als hors d`oeuvre noch vor der Vorspeise zum fruchtigen Geschmack auf der Zunge beim Schluck aus dem Champagnerglas.
Wie auch immer, das Königsgemüse lässt sich in schier unendlichen Variationen auf dem Teller kombinieren. Bevor wir aber Tips zur Zubereitung und Verzehr verraten, zunächst facts & figures zum Spargelanbau in Belgien und Deutschland.
Der Spargelanbau in Belgien ist zwar im Vergleich zu anderen Gemüsearten ein Nischenprodukt, aber das auch hierzulande als „weißes Gold“ bezeichnete Edelprodukt erfreut sich steigender Beliebtheit.
Belgischer Spargelanbau macht gerade 15 % des heimischen Verzehrs aus
Traditionell finden sich in der Küche und auf den Speisekarten der Region Flandern zu Saisonbeginn je nach Witterungsbedingungen ab April bis Mitte Juni vielfältige Spargel-Gerichte im Angebot. Der Anbau konzentriert sich auf sandigen Böden vor allem in Flandern. Die heimische belgische Produktion des weißen Spargels deckt aber eben mal 15 Prozent des belgischen Spargelverbrauchs.
Deutscher Spargel von Brandenburg bis Bayern Güteklasse I als Exportschlager
Importe kommen vor allem aus dem benachbarten Deutschland, aber auch aus dem Unterglas-Anbau der Niederlande auf den belgischen Markt.
Das größte geschlossene Anbaugebiet Deutschlands findet sich in Brandenburg. Den berühmten Beelitzer Spargel, der aus einem geschützte Anbaugebiet stammt, durften ausgewählte Gäste in dieser Woche auf Einladung der EU-Vertretung des Landes auch in Brüssel genießen.
Es folgen Niedersachsen im Raum Nienburg, Schwetzinger Spargel aus Baden-Württemberg, nordrhein-westfälischer Spargel aus dem Meckenheimer Plateau. Und nicht zu vergessen fränkischer und bayerischer Anbau sowie rheinhessische und pfälzische Anbaugebiete.
Der Spargel-Anbau beansprucht mit einer Anbaufläche von 22.000 Hektar 18 Prozent der Ackerflächen und erbringt einen Ertrag von jährlich 110.000 Tonnen, wovon 20.000 Tonnen in meiner rheinischen Heimatregion meist von Zeitarbeitskräften aus osteuropäischen Ländern in mühsamer Arbeit aus den aufgeschichteten Sandreihen mit einem Spezialmesser „gestochen“ werden.
Zubereitung von Spargel keine Hexerei
So vielfältig die Beigaben auf dem Spargelteller sich präsentieren, so unterschiedlich kommt auch die Zubereitung in Belgien und Deutschland daher.
Spargel in Belgien wird als äußerst vielseitiges Gemüse geschätzt und entsprechend divers gekocht, gebacken oder – wenn wundert es – auch frittiert serviert.
Auch wenn Deutschlands royale Vergangenheit Geschichte ist, lieben es die Regionen entlang des Rheines weiter, ihre Königinnen zu krönen. Nicht nur Wein- oder Apfel-Königinnen in jedem Sommer, natürlich auch Spargel-Königinnen.
Elena I von Rheinhessen ist eine von vielen Spargelköniginnen 2026
Bei der offiziellen Eröffnung der Spargelsaison wurde diese Woche auch die Hessische Spargel-Königin Elena I von Ministerpräsident Boris Rhein gekürt mit den Worten: „Wer sich für den heimischen Spargel entscheidet, stärkt nicht nur die eigene Küche, sondern auch die Familien, Felder und Dörfer, die unser Land prägen“.
Lassen Sie sich es schmecken und sich von den in der Bilderschau in meiner heimischen rheinischen Küche aufbereiteten Lieblings-Sommer-Gemüse inspirieren.
Die Saison endet traditionell im Rheinischen am 21. Juni mit dem Johannisfest, zum Beispiel auf den Mainzer Domplätzen.
Fotos: Thomas A. Friedrich







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