
8,1 Kilometer, zwei Stunden, mittelschwer, etwas über die Hälfte unbefestigt.
Ausgangspunkt: Herman Teirlinckplein, 1650 Beersel
Wegmarkierung durch sechseckige weiße Schilder mit der roten Aufschrift „Keesterbeekwandeling“ oder „Keesterbeekwandelpad“.
Anfahrt ÖPNV: De Lijn Line R54 vom U-Bahnhof La Roue (Metrolinie 5) bis Beersel Centrum, rund 25 Minuten (wochentags alle 30 Minuten, am Wochenende stündlich).
Von Michael Stabenow
Beersel, südwestlich von Brüssel gelegen, ist vor allem wegen seines auf das 15. Jahrhundert zurückgehenden und seither mehrfach renovierten Wasserschlosses bekannt. Der rund 6000 Einwohner und über dem Tal der Zenne thronende Ort hat aber für Wanderer einiges zu bieten. Die Kesterbeekwandeling beginnt und endet am Herman Teirlinckplein in der Ortsmitte. Dass auf einem Rundweg von rund acht Kilometern fast 200 Höhenmeter zu erklimmen sind, sorgt auch bei kühleren Temperaturen für manche Schweißtropfen. Entschädigt wird man durch einen weitgehend verkehrsfreien Rundgang sowie, an mehreren Stellen, durch reizvolle Ausblicke auf das westlich des Zennetals gelegene Pajottenland sowie – in nördlicher Richtung – auf die Ausläufer Brüssels.
An dem Ausganspunkt unserer Wanderung, nach dem bekannten und bis zu seinem Tod jahrzehntelang in Beersel wohnenden Schriftsteller Herman Teirlinck benannt, befindet sich die St.Lambertus-Kirche. Sie wurde ursprünglich Ende des 15. Jahrhundert erbaut. Sie musste aber im 16. Jahrhundert dem Bildersturm Tribut zollen und wurde im Jahr 1730 nach einem Blitzeinschlag schwer beschädigt. Das heutige Erscheinungsbild geht auf das frühe 20. Jahrhundert zurück. Lediglich der aus Kalksandstein erbaute Kirchturm blieb in der ursprünglichen Form erhalten.
Wir verlassen zunächst den Herman Teirlinckplein in südwestlicher Richtung auf der bergab führenden Kopfsteinpflasterstraße Beukenlandschap und folgen den sechseckigen weißen Schildern mit der roten Beschilderung „Kesterbeekwandelpad“. Schon nach wenigen Metern biegen wir nach links auf einen unbefestigten Pfad ein. Rechts unterhalb befindet sich sumpfiges Gelände. Dann erblicken wir einige blühende Apfelbäume sowie hier und dort ein paar grasende Pferde und Schafe. Wie insbesondere in Flandern üblich, sind in das auf den ersten Blick naturbelassene Gebiet immer wieder Wohnhäuser eingesprenkelt.
Etwas später müssen wir nach rechts abbiegen und ein Stück entlang an einer ziemlich befahrenen Straße laufen. An der Seitenfassade eines roten Gebäudes sehen wir ein buntes Gemälde, das einen Rennradfahrer im roten Trikot mit mehreren Mitstreitern in vollem Tempo zeigt. Es erinnert uns daran, dass auch Beersel eine Hochburg des Nationalsports auf zwei Rädern ist und hier der Halbklassiker Brabante Pijl öfter, auch am kommenden 17. April, entlangführt.
Zu Belgien als Land des Surrealismus – Sport und Alkohol lassen sich hier oft mühelos unter einen Hut bringen – gehört auch, dass das rote Gebäude „Bierhuis“ heißt. Das Etablissement ist vor wenigen Jahren wieder eröffnet worden und bietet an Wochenenden nicht nur die einheimischen traditionellen Bierspezialitäten Lambik, Geuze oder Kriek an.
Wir erliegen, auch wenn wir an einem Wochenende unterwegs sind, nicht den Reizen des „Bierhuis“, sondern passieren auf einem Kopfsteinpflastersträßchen den Ortsausgang von Beersel. Etwas später sehen wir rechterhand das unterhalb gelegene Sumpfgebiet Keesterbergmoeras mit seiner Vielfalt an Fauna und Flora. Wir gehen weiter in südlich Richtung und erblicken hinter einer zu einer Plauder- und Trinkpause einladenden Holzbank namens „Babbelbank“ im Garten eines blau und rot bemalten Hauses ein skurril anmutendes Ensemble aus Skulpturen. Interessenten, die einen näheren Blick darauf werfen wollen, müssen sich bis zum 24. August gedulden. Geöffnet ist die Ausstellung an den Wochenenden zwischen 13 und 18 Uhr – bis zum 14. September.
Wir lassen die Anlage rechts liegen und laufen weiter durch das jetzt eindeutig von der Farbe Grün beherrschte Gelände. Links erkennen wir waldiges Gelände. Rechts erahnen wir, was jenseits der Zenne liegt. Nach einer Weile gelangen wir auf ein Plateau und laufen auf einer schmalen Kopfsteinpflasterstraße in Richtung eines Waldes. Sie mündet auf einer etwa größeren Straße, die wir kurz darauf nach links verlassen.
Nach wenigen Schritten befinden wir uns im 28 Hektar großen Begijnenbos. Der überwiegend mit Buchen bestandene Wald gehört zu dem seit 2023 offiziell bestehenden „Nationaal Park Brabantse Wouden“. Er liegt zwischen dem weiter östlich – und südlich von Brüssel – gelegenen Zoniënwoud/ Forêt de Soignes sowie dem weiter westlichen und für seine prächtige Hyazinthenblüte im Frühjahr berühmten Hallerbos.
Freunde der kleinen blauen Blumen, aber auch von weißen Anemonen kommen aber auch im Begijnenbos durchaus auf ihre Kosten. Auch im Frühling sollte man freilich aufmerksam auf den Weg achten. Wo es in eine Senke geht, hat man zwischen einem eher nach links und einem geradeaus bergab führenden Weg die Wahl – aber das rote Wegzeichen fehlt an dieser Stelle. Wer geradeaus bergab geht, wird nach einigen hundert Metern wieder das vertraute sechseckige Schild sehen und wissen, dass er auf dem richtigen Weg ist.
Noch ein weiteres Mal ist kurzes Zögern angesagt. Nachdem wir an den Waldesrand gekommen und auf einer Kopfsteinpflasterstraße wieder bergauf gegangen sind, stehen wir etwas ratlos an einer Wegkreuzung, wo die Begijnenbosstraat und die Kersenstraat zusammenkommen. Statt nach links oder nach rechts geht es einfach geradeaus – das sechseckige Schild ist nicht auf den ersten Blick zu erkennen – auf einen von einem alten Baum gesäumten Feldweg weiter.
Wir gehen ein längeres Stück zwischen Feldern und Wiesen geradeaus leicht bergab und genießen die schönen Ausblicke – und etwas weniger den hier deutlich zu vernehmenden Lärm der nahegelegenen Autobahn. Nun gelangen wir in ein Wohnviertel und kurz in den Beerseler Ortsteil Lot. Danach biegen wir nach rechts und laufen an einer ziemlich befahrenen Straße entlang bis zum nächsten Kreisverkehr.
Dort gehen wir auf einen Fußweg, der uns wieder, allmählich bergauf, in unbebautes Gelände führt. Hier hat man, jenseits einer weißen Scheune, einen Blick auf das Zennetal mit einem Kraftwerk sowie ein paar Brüsseler Hochhäuser. Nach einigen Minuten finden wir uns auf einer Kopfsteinpflasterstraße wieder, die uns kurz darauf wieder an den Herman Teirlinckplein zurückbringt.







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