
Ein Philosoph, ein Mediziner und eine Theologin gehen bei den Brüsseler „Emmausgesprächen“ der Frage nach: „Wird der Mensch zum Tech-Projekt?“
Von Jürgen Tiedje, Emmausgemeinde Brüssel
Am 21. Oktober 2026 hat es in der Brüsseler Deutschsprachigen Evangelischen Gemeinde Brüssel eine weitere Ausgabe der „Emmausgespräche“ gegeben. Zum Thema „Mensch und Maschine oder Maschine und Mensch: Wird der Mensch zum Tech-Projekt?“ diskutierten vor mehr als 50 Zuhörern ein Philosoph (Prof. Dr. Magnus Schlette von der Universität Heidelberg), eine Theologin (Pfarrerin Katja Baumann) sowie ein Mediziner (Dr. Otmar Kloiber, ehemals Generalsekretär des Weltärzteverbandes).
Friederike Ladenburger von der Kommission der Bischofskonferenzen der Europäischen Union (COMECE) wies als Moderatorin eingangs darauf hin, wie sehr einerseits Big Tech-Protagonisten (wie etwa Peter Thiel oder Sam Altman) auf Technologien setzen, die die Grenzen unseres Menschseins deutlich überschreiten könnten. Sie erinnerte umgekehrt an die päpstliche Enzyklika Magnifica humanitas, in der Papst Leo XIV. gemahnt hat, dass die rasanten Fortschritte beim Einsatz künstlicher Intelligenz (KI) nicht in einem „Turm von Babel“-Syndrom enden dürften.
Der Heidelberger Philosoph Schlette erinnerte in seinem Einführungsvortrag an die Ursprünge des Transhumanismus in der Renaissance (Giovanni Pico della Mirandola) wie auch an den Gedanken der „Selbstüberschreitung“ von Julian Huxley im 20. Jahrhundert. Die Geschichte um Dädalus und Ikarus war für ihn ein Kontrastbeispiel, das dem Grundgedanken des Transhumanismus im Streben um das langfristige Gemeinwohl der Menschheit deutlich widerspreche.
Pfarrerin Baumann von der Emmausgemeinde erinnerte an das durch Psalm 8 christlich geprägte Menschenbild in der Bibel und unterstützte ausdrücklich die päpstliche Enzyklika. Sie stellte klar, dass Projekte von Big Tech-Eliten im Gegensatz zum Selbstverständnis eines Christen, das auf dem Glauben auf ein Leben nach dem Tod beruht, stünden und es für die Menschheit dafür eigentlich keinen Bedarf gebe.
Aus ärztlicher Sicht ordnete Otmar Kloiber Bestrebungen, die Grenzen des Menschseins zu überschreiten, in die Kategorie der „Body enhancements“ ein (zum Beispiel Teile der Gesichtschirurgie); dem Arzt komme es vielmehr auf die medizinische Indikation an. Bei letzterer könne die KI in Teilen der Welt, die nicht über die Ärztedichte Europas verfügten, spürbare Verbesserungen der Patientenversorgung erreichen.
Katja Baumann schätzt die Verwendung von KI als eine Unterstützung in der kirchlichen Arbeit. Sie legte jedoch Wert darauf, dass KI nicht die Verkündung des Evangeliums als solche ersetzen könne. An die Darlegungen von Schlotte, Kloiber und Bauman schloss sich eine lebhafte Diskussion mit dem Publikum an.










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