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Abgehört – Compro Oro, BÄÄN und …

Abgehört – Compro Oro, BÄÄN und

Von Ferdinand Dupuis-Panther

Compro Oro – Lamellomania, De W.E.R.F Records

Im vergangenen Jahr hat das in Gent anssäsige Musiker-Kollektiv an der Entstehung eines brandneuen Projekts gearbeitet, dessen Melodien und Rhythmen diesmal aus Kinshasa stammen. Das ist ganz wörtlich zu nehmen, denn Compro Oro hat den kongolesischen Likembé-Spieler, Sänger und Tänzer Bouton Kalanda als Gastmusiker eingeladen. Also auf nach Zentralafrika. Doch Moment, wer bei den ersten Takten von Track namens „Zola Maman“ an die bei uns eher bekannte Musik von Fela Kuti, Manu Dibango, oder Ali Farka Touré denkt, der muss umdenken, denn nicht das Saxofon oder die Gitarre steht im Fokus, sondern der Gesang und das Vibrafon bzw. ein afrikanisches Lamellofon wie Kalimba, so der Höreindruck. Zudem ist der Rhythmus aufrüttelnd, aber das ist in der Tat in der Musik vieler Regionen Afrikas nicht anders.

„Ki Kumini Pas“ steht auf dem Programm. Marimbafon oder Vibrafon – das ist die Frage, wenn man den Track hört und nicht nur auf die rockigen Intermezzos des Gitarristen achtet, sondern auf Wim Segers mit seinen Schlägeln, die über die Klangstäbe tanzen. Wer angesichts der Rhythmen noch ruhig in seinem Sessel sitzt, der sollte sich schnell erheben und das Tanzbein schwingen. Vor allem wenn der Gitarrist in rockigem Saitenspiel schwelgt. Dazu gibt es trockene Beats, die der Drummer verantwortet. Effekte gibt es als abschließende Zugabe. „Kukiedi“ lebt von kristallinen Klangpassagen, die der Vibrafonist zum melodischen Rahmen des Stücks beiträgt. Bouton Kalanda ist in diesem Stück auch zu hören., das nicht gänzlich auf elektronische Effekte verzichtet. Synth oder Rhodes?, fragt man sich beim Fortgang des Stücks, das sich sehr dynamisch entwickelt.

Weiter geht es mit „Bouton Siffle“ und elektronisch modulierten Klängen, die einem Lamellophon entspringen. Anfänglich meint man, man höre einen Handy-Telefonton und im Weiteren lauscht man menschlichem Gepfeife. Oder ist gar eine Vogelflöte oder Nasentröte im Einsatz? Und zum Schluss hören wir bei der musikalischen Zentralafrikaexkursion „Mpasi Zi Rata“. Mehr: https://compro-oro.bandcamp.com/album/lamellomania

BÄÄN – Club Set III, De W.E.R.F Records

BÄÄN ist ein belgisches Instrumental-Duo, bestehend aus Pascal N. Paulus (keyboards) und Jean-Philippe De Gheest (drums). Das Duo verbindet Ambient, Psychedelic Rock, Jazz und Rock zu einem musikalischen Gewand, in das man sich kleiden kann, um dann in verschiedene Universen zu driften. Im aktuellen Fall vertrauen die beiden Musiker voll und ganz auf die Diversität von Synth-Klängen.

Aus dem Album-Titel kann man entnehmen, dass das Duo bereits zuvor zwei Alben veröffentlicht hat, die auch Club Set heißen. Nunmehr liegt also die dritte „Variation“ vor. „Purple“ ist der erste Track des jüngsten Albums. Aus dem Off entwickeln sich Klangvibrationen, die an Intensität zunehmen. Man mag das Gehörte mit einer Nebelwand beschreiben, die sich lüftet. Verhalten ist das Drumming, das wohl an einer Drum Machine entwickelt wurde. Nach Waldhorn reloaded und elektronisch verfremdet klingt das, was sich im Hintergrund entwickelt, derweil sich rhythmische Strukturen entfalten.

Beinahe hypnotisch mutet die übrige Musik an. Und auch der wiederkehrende Rhythmus verführt zu Jaktationen, wie wir sie aus den Sufi-Zeremonien kennen. Doch wir hören keine Sufi-Musik und sind auch nicht in Konya, sondern in Westeuropa mit den eigenen „Gesetzen“ von Ambient. Dabei geht es um die Entwicklung von Klanglandschaften, erzeugt durch Synthklänge, die sich wellenförmig ausbreiten und kaum Klangspitzen aufweisen. Nur das kurzgetaktete Drumming reißt uns ab und an aus dem „Trance“. Ansonsten kann man sich fallen lassen, Tagträumen nachgehen und an vorbeiziehende Schäfchenwolken denken, wenn man der Musik folgt. Club-Musik ist es gewiss, auch anzusiedeln zwischen Rave und Goa, abgesehen von den oben zu lesenden Beschreibungen. Man kann sich die Musik auch als Begleitung einer sogenannten Love Parade in urbanem Umfeld vorstellen. An „Purpur“, so der Tracktitel, dürften die wenigsten Zuhörer denken, insbesondere dann nicht, wenn der Klangschwall sich hebt und senkt, es zeitweilig brodelt, rauscht, ein Malstrom sich entwickelt oder starke Winde wehen. Mehr: https://baanmusic.bandcamp.com

 

Manuel Hermia / Diogo Alexandre / Théo Zipper, Common Ipseity, Igloo Records

„Das vorliegende Album ist das Ergebnis einer einzigartigen Begegnung zwischen dem Flötisten und Saxofonisten Manuel Hermia, einer Symbolfigur des belgischen Jazz, dem französischen Bassisten Théo Zipper und dem portugiesischen Schlagzeuger Diogo Alexandre, zwei aufstrebenden Talenten der aktuellen Musikszene.“ So liest sich die Albumbeschreibung, die Igloo Records veröffentlicht hat. Über den Albumtitel wird kein Wort verloren. Alltägliches Selbstsein oder auch allgemeine Identität sind sinnvolle Übertragungen des Titels, ohne dass sich durch diese der musikalische Inhalt und Duktus des Album wirklich erschließt.

Mit „Sea Of Uncertainties“ beginnt das Album. Man vernimmt Glöckchenklang und scheppernde Bleche, hört schrägen Synthklang, hört intensives Vibrieren eines kleinen Beckens; und im Hintergrund scheint ein modulierter Harmonium-Kang aufzuscheinen, der als Klanglandschaft entfaltet wird. Und dann ja, dann erklingt das Sopransaxofon von Manu Hermia, gleichsam der einsame Rufer, der das Ich beschwört, wenn man mal den Albumtitel einbezieht. Schnarren und Flirren begleiten den Wohlklang des Saxofons. Ist da nicht auch der E-Bass präsent, im Hintergrund, derweil der Saxofonist im Fokus steht? Im weiteren Verlauf des Stücks drängt sich der Eindruck auf, dass Hermia unter Umständen auch Altsaxofon spielt, dem er das Soprano abringt, oder? Industrial Noise flammt auf. Manu Hermia setzt dazu Intervention, derweil Théo Zipper am Schlagwerk brilliert. Hören wir da nicht den Ruf „Alarm! Alarm!“?

Anschließend geht es musikalisch durch den Nebel: „Through the Mist“. Synthklänge vereinen sich mit Rhythmischem, das sich im Off befindet. Klangmodule ähnlich wie im Space Rock haben Verwendung gefunden. Heftig ist das Schwirren der Becken. Kurz ist der Schlag der Trommelstöcke gegeneinander. Tenorsaxofon oder Altsaxofon – das erhebt sich als Frage, wenn Manuel Hermia sich ins Geschehen einmischt. Lang gezogen sind einzelne Saxofonklänge, die so schnell wie sie aufblitzen auch wieder im Nichts, im Nebel verschwinden, bezieht man den Titel in die Betrachtung ein. Gitarrenjaulen ist auszumachen. In seiner eigenen musikalischen Umlaufbahn bewegt sich der Saxofonist. Der E-Bassist lässt die Saiten schwirren und flirren, jenseits klassischer Basslinien.

Den Schlussakkord bildet „Tormented Kinship“: Klappengeräusche des Saxofons, so der Höreindruck, treffen auf Pling und Plong. Weichzeichnungen sind dem Saxofonisten ebenso zu verdanken wie ein aufgewecktes Spiel. Klingen da im Hintergrund angerissene Basssaiten? Auf- und Abbewegungen inszeniert der Saxofonist. Im Hintergrund röhrt der Bassist, oder? Gongs werden eingesetzt; Beckenrausch wird zelebriert. Aufbrausend und aufgeregt zeigt sich der Saxofonist. „Gequälte Verwandtschaft“ gilt es in Klangbildern einzufangen. Manuel Hermia und seine Mitmusiker bemühen sich darum nach Kräften, mit gequälten Saxofonklängen, mit intensivem Getrommel und hektischem Saitenspiel. Mehr: https://manuelhermia.bandcamp.com/album/common-ispeity

© ferdinand dupuis-panther 2026

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