
Rund acht Kilometer, zwei Stunden, leicht, überwiegend unbefestigt.
Ausgangspunkt: Parkplatz im Ortskern an der Velpestraat, 3360 Opvelp (Bierbeek)
Wegmarkierung durch sechseckige weiße Schilder mit roter Aufschrift „Hollewegenwandeling“
Von Michael Stabenow
Die Region des Haspengouw (Niederländisch) oder Hesbaye (Französisch) – auf Deutsch Hespengau oder Haspengau – erstreckt sich östlich von Löwen bis in die Provinz Limburg sowie nach Süden bis hin zur Maas. Die Landschaft zählt mit ihren fruchtbaren Lössböden zu Belgiens Kornkammern. Sie hat aber auch Wanderern viel zu bieten.
Zuletzt konnten wir uns davon auf einem abwechslungsreichen Rundweg in Hoegaarden überzeugen. Auch diese gut acht Kilometer lange, im weiter westlich gelegenen Opvelp beginnende “Hollewegenwandeling” vermittelt einen guten Eindruck dieser fruchtbaren Gegend.
Die Ursprünge Opvelps reichen, wie wir auf einer Hinweistafel am Ausgangspunkt der Wanderung erfahren, bis in die Römerzeit zurück. Erstmals vermeldet wurde demnach der Name Opvelp im Jahr 1270 – ein Bezug auf den hier fließenden Bach “Velp” oder “Velpe”, dessen Bezeichnung auf die Anwesenheit von “Weiden” hindeuten soll. Später gehörten das heute etwas über 1000 Einwohner zählende, verwaltungsmäßig zur Gemeinde Bierbeek gehörende Dorf wie auch Hoegaarden und das benachbarte Meldert (mit der ebenfalls empfehlenswerten “Mene- en Jordaanwandeling”) als Enklaven im Herzogtum Brabant zum Fürstentum Lüttich.
Von einem imposanten, Ende des 18. Jahrhunderts im Zuge der Erhebung gegen die österreichische Herrschaft zerstörten Schloss sind nur noch ein paar Überreste geblieben. Nicht unerwähnt lassen – danke, Wikipedia! – wollen wir außerdem, dass der inzwischen 89 Jahre alte Gaston Roelants, Gewinner der Goldmedaille über 3000 Meter Hürden bei den Olympischen Spielen von 1964 in Tokio und später ein erfolgreicher Marathonläufer, in Opvelp zur Welt gekommen ist.
Unsere Aufmerksamkeit auf dieser Rundwanderung gilt, abgesehen von dem einem oder anderen imposanten Gehöft, weniger Bauwerken oder dem einen oder anderen unterwegs angetroffenen Jogger, sondern in erster Linie der Natur. Von dem Parkplatz südlich der Hauptstraße laufen wir zunächst in nördlicher Richtung und folgen der gut sichtbaren rot-weißen Beschilderung mit der Aufschrift “Hollewegenwandeling”. Dass der Bezug auf Hohlwege gut gewählt ist, erschließt sich uns vor allem im zweiten Teil der weitgehend unbefestigten und kaum größere Steigungen aufweisenden Route.
Kurz nach der Überquerung der Hauptstraße kommen wir aus dem Ortskern heraus. Rechts sehen wir den nordwärts fließenden kleinen Wasserlauf Velpe (oder Velp), dem Opvelp sowie der etwas niedriger gelegene Nachbarort Neervelp den Namen verdanken. Wir können aber auch hier beim Anblick von weiter westlich entstandenen Neubauten feststellen, dass es auch in diese ruhigen Ecke der Provinz Flämisch-Brabant immer mehr Menschen verschlägt. Die Städte Löwen und Tienen sind relativ schnell und ohne lästige Staus zu erreichen.
An ein, zwei Stellen des Rundwegs sind Kunstwerke sowie – für eine Ruhepause nicht zu vernachlässigen – Sitzbänke aufgestellt. Der Weg führt weitgehend flach durch Felder. In diesem heißen Sommer sind die Getreidefelder längst abgeerntet, während Mais und Zuckerrüben beim Reifeprozess offenbar der trockenen Witterung zu trotzen versuchen. An mehreren Stellen spenden insbesondere Eichen wohltuenden Schatten.
Linkerhand erblicken wir ein großes Gehöft, wie sie für diese Gegend Belgiens charakteristisch sind. Der Rundweg führt in einiger Entfernung davon vorbei, ehe wir in einem Bogen nach rechts gehen und in etwas welligeres Gelände gelangen. Nach einigen Minuten erreichen wir eine größere, zum Glück aber wenig befahrene Straße, an der wir nach links abbiegen. Weiter westlich liegt der Ortskern von Opvelp mit der ursprünglich im 16. Jahrhundert errichteten Dorfkirche Sint-Antonius Abtkerk.
Mehrere hundert Meter laufen wir auf einem Radweg in östlicher Richtung an der Straße entlang, ehe wir sie nach rechts überqueren und in ein bewaldetes Stück und einen von mehreren Hohlwegen einbiegen. Jetzt befinden wir uns in dem reizvolleren zweiten Teil unserer Rundwanderung. Das Gelände ist hügeliger und bewaldeter. Dennoch eröffnen sich an mehreren Stellen schöne Ausblicke sowohl nach Norden als auch nach Süden, wo aus dem flämischen Haspengouw die wallonische Hesbaye wird.
Am südlichsten Punkt der Route geht es nach rechts und dann in nördlicher Richtung zum Ausgangspunkt der Wanderung zurück. An einer Stelle erblicken wir eine Tannenschonung – auch in Opvelp versteht man sich offenbar auf das Geschäft mit Weihnachtsbäumen. Das letzte – asphaltierte – Stück unserer Rundwanderung führt durch eine neuere Wohnsiedlung, ist aber relativ kurz.
Wer auf dem Rückweg die Straße nach Bierbeek nimmt, kann rechterhand nach dem Ortsausgang von Opvelp neben Obstbaumplantagen einen Stopp in einem Hofladen einlegen. Neben der altehrwürdigen, teils noch im romanischen Stil geprägten Sint-Hilarius-Kirche im Ortskern von Bierbeek befindet sich die über einen Außenbereich verfügenden Gastwirtschaft “Estaminee In de Molen”, in der wir schon mehrfach eingekehrt sind.








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