
Von Thomas A. Friedrich
Kür für Kunstliebhaber: nach einer Woche Pflichtprogramm der bravourösen BRAFA-Messe in Heysel lockt an diesem Wochenende die Affordable Art Fair (AAF) im Tour&Taxis-Areal in Brüssel.
Überzeugte die BRAFA Art Fair 2026 mit einer Epochenschau durch die Jahrhunderte von Orginal-Gemälden, Skulpturen, Sakral-Objekten, Schmuck und antiken Möbeln von Weltrang, wartet die 17. Affordable Art Fair (AFF) mit einer kreativen Leichtigkeit zeitgenössischen Kunstschaffens auf.
Mit einer erfrischenden Vielfalt von Farben und Formen, die den grauen Himmel über Brüssel an diesem Wochenende vergessen lässt, besticht diese überschaubare Messe mit Augenmaß und Vielfalt moderner Kunst.
Die Affordable Art Fair kommt erfrischend, spielerisch leichtfüßig und erheiternd daher. Sie lockt mit Recht die ganze Familie, die vielfältigen Facetten zeitgenössischen künstlerisches Schaffens in farben- und formenreichen aus der ganzen Welt zu entdecken.
Ein gelungener Mix aus impressionistischen und expressionistischen sowie surreealistischen Œuvres macht die Schau zu einem besonderen Erlebnis. Denn der Rundgang unter der charakteristischen Stahldach-Konstruktion des historischen Post-Depots von Tour und Taxis lässt die Kunst-Gegenstände durch das Glasdach im Naturlicht erstrahlen.
Die Familien der Grafen de la Torre (Thurn) und Taxis gründeten im 15. Jahrhundert das moderne europäische Postwesen mit Hauptquartier in Brüssel, das in der Moderne am Brüsseler Industriehafen grandios zu neuem Glanz entwickelt wurde.
600 Kunstschaffende mit Tausenden Werken vertreten
91 Galerien präsentieren 600 Künstlerinnen und Künstler mit mehreren Tausenden ausgestellten Exponaten noch bis einschließlich Sonntag, 8. Februar 2026. 21 Galerien haben ihren ersten Auftritt auf der AFF 2026: Dies sind HU! und Sablon d`Art aus Brüssel, Buronzu Gallery aus Lüttich, die Lauren Van Middelem Gallery aus Knokke, Electron Libre aus Paris, Nagyházi Contemporary aus Budapest und Culto Gallery aus Bogotá.
Galeristen aus 18 Ländern sind vertreten – nicht nur aus Belgien, sondern auch aus Frankreich, den Niederlanden, Deutschland, Italien, Spanien, Litauen, Ungarn, Großbritannien, Kolumbien, Japan und Süd-Korea. Sie offerieren Werke nicht nur aus Europa, sondern auch aus Afrika, Australien, Amerika, Kanada und China.
Fanden sich auf der BRAFA Gemälde, die im schwindelerregenden sechsstelligen Bereich bis zu 750.000 Euro angeboten wurden, kommt die AAF mit einem anderen Preisschild daher.
Alle ausgestellten Exponate unter 10.000 Euro
Alle ausgestellten Gemälde, Skulpturen, Zeichnungen und Installationen sind mit einem Höchstpreis von 10.000 Euro erschwinglich – affordable eben! Und nicht nur für Investoren im Kunstgeschäft interessant, sondern auch dazu geeignet, das private Wohnzimmer oder Entrée des Hauses beziehungsweise den Garten zu bereichern.
Zwei kunstbegeisterte Frauen stellen Kunst für Jedermann auf die Beine
Das Konzept, jedes Ausstellungsstück mit Preisschild zu versehen, ist ein klares Konzept, dem sich die beiden Macherinnen und Fair-Konzeptionistinnen Atana Abrahimia und Annick Reibestein verpflichtet sehen.
Das Leitmotiv der diesjährigen Ausstellungsmesse lautet „Natur und Verbindung“. Damit soll ein besonderer Fokus auf das Verhältnis von Mensch und Natur in einer zunehmend digitalisierten virtuellen Welt angesichts Künstlicher Intelligenz reflektiert werden.
KBC Bank als Partner der Affordable Art Fair
Die flämische Bank KBC mit Hauptsitz in Brüssel tritt als Sponsor für eine ausgewählte herausragende neue Galerien-Initiative aus dem Großraum Brüssel auf. Preisträger 2026 ist die im Juni 2024 in Ixelles eröffnete Galerie HU! KBC unterstützt mit dieser Initiative lokale Start-Ups in der belgischen Kultur- und Galerienszene.
Von der Kinder-Malecke bis zum Wall To Wall Service
Beim Presse-Rundgang treffe ich zunächst auf Nicolette De Decker, die für die PR-Agentur Sophie Carrée Überblick, Zugang und wertvolle Hinweise für die Entdeckungsreise durch die Kunstmesse bietet. Denn eine klassische Pressekonferenz gibt es nicht. Stattdessen die Aufforderung, mit Hallenplan ausgestattet dem Fair-Motto „Lose Yourself in Art“ Folge zu leisten und einzutauchen in eine individuelle Entdeckungsreise.
Nach den ersten beiden Gängen, wo die ausstellenden Galerien noch fleißig mit Vermessen und Aufhängen oder Platzieren von Gemälden und Objekten mit Wasserwage und Zentimetermaß beschäftigt sind, spricht man Deutsch.
France aus Kanada von Hamburger Galeristin ausgestellt
Ich treffe auf die Hamburger Galerie „Alex F.“ vom Duvenstedter Damm, hinter der sich der bürgerliche Name von Alex Frühling verbirgt. Eine junge, erst acht Jahre alte Galerie, die erstmals bei der Brüsseler Affordable Art Fair ausstellt. „Wir sind besonders stolz, mit Werken aus aller Welt – kann man sagen – vertreten zu sein. So zum Beispiel mit France Jodoin. Eine Künstlerin aus dem frankophonen Kanada”, erzählt Alex.
Die ausgestellten großformatigen Öl-auf-Leinwand gespachtelten Strand-Impressionen erinnern mich intuitiv an Wanderungen entlang der belgischen oder niederländischen Küste unter blau-grauem Licht. Auch amerikanische Künstler warten mit ihren farbenreichen, an Andy Warhol erinnernden Arbeiten in der Galerie Box A23 auf Liebhaber.
Besonders angetan haben es mir bei Alex F. zwei Goldjungen in Form von zwei gut 50 Zentimeter hohen Skulpturen in knall-orangefarben Badehosen. Der Eine eher “bon vivant” und der Zweite mit lässigem Jackett, Shorts und Sandalen aufgestellt. Die beiden Sonnenbrillenträger könnte ich mir nur zu gut im Garten vorstellen.
Wenige Schritte weiter treffe ich auf den Künstler Guillaume Desmarets im Stand der Brüsseler Galerie „Farm Prod“. Da geht es richtig knallig bunt expressiv, aber auch naturalistisch zu mit Blick in eine Straßenperspektive, die mir doch sehr belgisch wie Brüssel um die Ecke vorkommt.
From Farm to Live Painting Production
Aber auf welcher Kunst-Farm bin ich denn da angekommen, und was hat es mit dem Namen auf sich? „Wir sind ein Kollektiv von Künstlern und Malern. Wir kennen uns seit über 20 Jahren, vor allem von der Kunstschule Tournai. Dort haben wir seinerzeit auf dem Land den Trakt eines vernachlässigten Bauernhofes als Atelier angemietet“, erzählt Guillaume.
Heute in Brüssel beheimatet, habe das Kollektiv den Begriff „Farm“ zum Aushängeschild „Farm Prod“, gemacht als Produktionsstätte von derzeit fünf Kunstschaffenden, erklärt Guillaume.
Kitties made in China
Zwei Ausstellungsreihen weiter tauche ich aus der belgischen Idylle in eine ganz andere Welt ein. „Kitties in the Artist`s House“ sind Kohle-Zeichnungen – teilweise koloriert – die eine Beziehung zwischen den Dimensionen von Minimalismus und Weißen Raum im Hintergrund herstellen.
Ich bin als Katzenliebhaber von den Aktzeichnungen weiblicher Rundungen im Zusammenspiel mit Katzen in den Bann genommen. Den aus der Mongolei stammende Künstler Jin Cheng mit der ausgestellten Serie „The Cat Blue and White“ treffe ich leider nicht am Stand an.
Die Werke des international bekannten Künstlers finden sich nicht nur im National Art Museum of China, sondern auch auf Ausstellungen in Athen, Basel, Madrid, Angoulème in Frankreich sowie in den japanischen Städten Osaka und Kobe.
Frauen und Katzen in figürlicher Harmonie
Aber nicht nur die grazilen Bewegungen und Silhouetten von Frauen und Katzen inspirieren den im chinesischen Guangzhou lebenden Maler. Der von der Devise „less is more“ geprägte Kunstschaffende lässt sich leiten vom dualen Konzept des „ätherischen Fließens und entspannter Spontaneität“, wie der Kunstprofessor Cao Xue, Chief Designer der Winterspiele von Peking 2022, Jin Cheng`s Arbeiten einordnet.
Belgische und chinesische Comics treffen aufeinander
Die Galeristen, die ihn in Brüssel darbieten, kommen aus den Niederlanden und wissen mehr über Jin Cheng zu berichten. Und da erfahre ich vom belgisch-chinesischen Kontext. Comics made in China and Belgium.
Schon 1983 tauchte der Künstlername Jin Cheng auf der Titelseite und mit einer Cover Story des „Comic Art Magazine“ mit seiner Darstellung des „Ming Girl“ erstmals auf der internationalen Kunstszene auf. Diese unter dem Label „Minimalist Girls“ geschaffene Serie wurde 2019 in der Ausstellung „Panorama of Chines Comics Strips Exhibition im Brüsseler Comic Center gezeigt.
Und als ob der chinesische Künstler nicht auch sehr weltlichen Dingen zugewandt wäre… seit 2025 widmet er seine Kreativität als Designer für die italienische Edel-Fahrzeugmarke Lamborghini.
Kunst zum Kaufen und Einpacken
Nach zweistündigem Flanieren entlang an zwei Meter aufragenden grazilen Bronze-Statuen, Natur-Installationen und ein Feuerwerk der Emotionen entfachenden farbigen Exponaten in Kleinformat und Litfaß-Säulen-Dimensionen treffe ich im Restaurant in einer Ecke Sun. Unter dem Transparent „Wall to Wall“ findet sich der wahre Verpackungs-Künstler der Art-Messe.
Hinter zwei voluminösen Plastikfolien-Rollen, genauer gesagt Noppen-Rollen, macht der Niederländer Sun sein Geschäft. Anstatt rote Punkte als „verkauft“ neben die ausgestellten Werken zu kleben, können die Käufer ihre erworbenen Lieblinge gleich zum Einpacken in die Hände von Sun geben. Aber der Start-up-Unternehmer bietet einen ganz besonderen Service. Er verpackt nicht nur die Kunstwerke perfekt, sondern bietet seinen Klienten auch Transport und das Aufhängen der Kunstobjekte in den eigenen vier Wänden.
Kinder kommen mit Malstiften und Blumentöpfen nicht zu kurz
Bleibt nur noch die Malecke für Kinder auf der anderen Seite des Restaurant-Bereichs zu erwähnen. Einfach hingehen, staunen und sich in der Kunst verlieren. Gibt es etwas Schöneres?
Beim „Art Adviser“-Service können unerfahrene Kunst-Einkäufer und Einsteiger in der Szene von Experten Ratschläge bekommen. So bietet etwa die Brüsseler Kunst-Expertin Amandine Ickx kostenlos maßgeschneiderte Beratung vor einem Ankauf an.
Die Affordable Art Fair ist noch am Samstag von 12 bis18 Uhr und am Sonntag von 12 bis 16 Uhr geöffnet.
Informationen: https://affordableartfair.com/de/fairs/brussels/







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