Das Land, Wanderungen

Wanderungen rund um Brüssel: Parc de la Hulpe und Forêt de Soignes/Zoniënwoud

Von Michael Stabenow

Rund 10 Kilometer, zweieinhalb Stunden (reine Gehzeit), Ausgangspunkte: bei Anreise mit dem Auto Parkplatz am Ende der Drève de la Ramée, 1310 La Hulpe, bei Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln, Eingang an der Chaussée de Bruxelles (Haltestelle hinter dem ersten Kreisverkehr), 1310 La Hulpe

Der Park von La Hulpe – auch bekannt unter der offiziellen Bezeichnung „Domaine régional Solvay“ – ist ein beliebtes Ziel für Ausflügler aus nah und fern. Hauptattraktion ist die in einem ehemaligen Gehöft untergebrachte Sammlung der „Fondation Folon“. Sie beherbergt mehr als 30 beeindruckende Werke des 2005 verstorbenen Künstlers Jean-Michel Folon (La Hulpe: eine grüne Oase und das Werk von Jean-Michel Folon – Belgieninfo).

Die an den Südrand der Forêt de Soignes anschließende 227 Hektar große Anlage befand sich seit 1890 im Besitz der Familie des Industriellen Ernest Solvay, wurde aber 1968 dem Staat überlassen. Eigentümer ist heute die Wallonische Region. Der Park hat einiges zu bieten: nicht nur das Folon-Museum, sondern auch ein gemütliches Gasthaus („La Taverne de l´Homme bleu“), das im Stil der Neo-Renaissance Mitte des 19. Jahrhundert entstandene Schlossgebäude (im Regelfall nur von außen zu sehen) sowie eine Vielzahl mehr oder weniger exotischer Pflanzen. Auch Spaziergänger und etwas anspruchsvollere Wanderer können, wenn sie das Parkgelände verlassen, auf ihre Kosten kommen.

Für den klassischen Spaziergang am Sonntagnachmittag eignet sich ein rund fünf Kilometer langer Rundweg. Er führt am Schloss, an großen Teichen und Pferdekoppeln vorbei, mal durch Waldgebiet, mal durch offenes Gelände. Der Weg ist zwar nicht markiert, aber es genügt im Regelfall, dem Besucherstrom zu folgen – oder zum Beispiel dieser im Internet abrufbaren Beschreibung: Parcours marche – Balade audio-guidée – La hulpe (cirkwi.com).

Der hier beschriebene längere Rundweg ist rund 10 Kilometer lang. Er umfasst auch Teile des auf dem Gebiet der flämischen Gemeinde Hoeilaart und hier als „Zoniënwoud“ bezeichneten Waldes vor den südlichen Toren Brüssels. Wer mit dem Auto kommt, sollte den großzügig bemessenen Parkplatz am westlichen Ende des Areals nutzen. Er ist über die seit einer Generalüberholung im Sommer 2022 ihrer unzähligen Schlaglöcher entledigten Drève de la Ramée gut erreichbar.

Wer mit dem öffentlichen Nahverkehr (TEC-Buslinie 366) anreist, kann den an der Chaussée de Bruxelles am östlichen Ende des Park gelegenen Eingang nehmen. Nach einigen hundert Metern auf einem der beiden breiten Wege taucht rechterhand ein großer Teich auf. An dessen Ufer geben sich Enten sowie jüngere und ältere Entenfütterer gerne ein Stelldichein. Dort stößt man auf die größere Wanderroute und kann fortan der Beschreibung des Rundweges (siehe weiter unten) folgen.

Direkt hinter dem westlichen Eingang und dem rechterhand gelegenen Gebäude verlassen wir den Hauptweg und biegen nach links auf einen leicht bergab zwischen Rhododendronbüschen hindurchführenden schmaleren Pfad ab (Chemin Parmentier). Rechts erblicken wir einen großen Teich mit einer kleinen Insel, auf dem sich allerhand Federvieh, darunter auch oft Graureiher, tummelt. Wir nehmen die erste Abzweigung nach links, ehe der Weg wieder bergauf führt. Wir befinden uns jetzt bereits im Wald, obwohl wir die Grenze des Parks erst einige hundert Meter danach überschreiten.

Wer einen schmalen, nach rechts in die Höhe führenden Weg nimmt, wird sich kurz darauf am 36 Meter hohen, von einer stilisierten Sonne gekrönten Obelisken wiederfinden, der dort in den Jahren 1968/69 entstanden ist. Das auf Initiative von Ernest-John Solvay, einem Spross der Industriellenfamilie, errichtete Kunstwerk ist aber auch vom Vorplatz des Schlosses gut zu erkennen.

Der Rundweg führt auf zunächst ebenem Gelände in südwestlicher Richtung weiter, ehe er nach einer Rechtskurve in einen asphaltierten Weg (Drève Joséphine) einmündet. Nun geht es in einem Tal zwischen Bäumen in nordwestlicher Richtung weiter. Linkerhand befindet sich ein Reitweg. Da hier selten die Sonne scheint und der Weg häufig ziemlich matschig ist, muss man sich nicht darüber wundern, wenn einem Ross und Reiter auch auf dem befestigten Weg begegnen.

Wir bleiben auf dem noch asphaltierten Stück, der nun bergauf führt und einen von Spaziergängern und Radfahrern sowie Fahrzeugen der Forstverwaltung gleichermaßen gerne benutzten Weg kreuzt. Er trägt die Bezeichnung „Drève de la Meute/Meutedreef“. Hieran, aber auch daran, dass die Drève Joséphine jetzt Josephinedreef heißt, erkennen wir, dass wir die Grenze zwischen Wallonien und Flandern überschritten haben und uns jetzt auf dem Gebiet der Gemeinde Hoeilaart befinden.

Ansonsten ist jedoch für Zwei- und Vierbeiner alles unverändert. Zwischen hohen Bäumen – zumeist die im Forêt de Soignes/Zoniënwoud bisher bevorzugt angepflanzten Buchen – geht es einige hundert Meter weiter in nordwestlicher Richtung. Dann stoßen wir auf den in Süd-Nordrichtung verlaufenden Zevenschachtenweg. Erkennbar ist, dass die Josephinedreef hier einst weiter nach Nordwesten führte – der nicht zu übersehene, Tag und Nacht lärmende vierspurige Brüsseler Ring hat dem jedoch ein Ende gesetzt.

Die Ringstraße sorgt für die nächsten Minuten für eine nicht sehr harmonische Begleitmusik – wobei die Intensität von der Windrichtung abhängt. Wir gehen dennoch unbeirrt in nördlicher Richtung weiter, ehe wir an der dritten Abzweigung rechterhand in östlicher Richtung den Genoveva van Brabantweg nehmen. Er ist benannt nach einer angeblichen Tochter des Herzogs von Brabant, die im 8. Jahrhundert gelebt haben soll – oder auch nicht.

Wir machen uns aber weniger Gedanken über die Heilige Genoveva, sondern erfreuen uns der Ruhe, die nun im Wald herrscht. Die erste Abzweigung führt uns jetzt einige hundert Meter auf dem Koudedelleweg in südwestlicher Richtung. Hier ist gut zu beobachten, dass die Stürme der vergangenen Jahre ihren Tribut gefordert haben.

An der nächsten Weggabelung halten wir uns links und kommen ein paar Schritte später an die Langestaartdreef. Sie führte nach Norden einst bis zur Brüsseler Stadtgrenze, ehe der Ring und die seit längerem verwaiste Pferderennbahn von Groenendaal sie zerstückelt haben. Wir biegen auf die Langestaartdreef nach links ein und überqueren nach ein paar Minuten wieder die Drève de la Meute/Meutedreef und damit die Grenze nach Wallonien. Der Weg heißt nun „Chemin de Longe Queue“ und führt fast schnurgrade zurück in den Park von La Hulpe und sein Schloss.

Am einen oder anderen exotischen Nadelgewächs erkennen wir, dass wir die Forêt de Soignes inzwischen verlassen und die Parkanlage wieder betreten haben. Während rechts wieder Rhododendrongewächse auftauchen, weitet sich der Blick nach links über Wiesen, auf denen oft Kühe und – weiter südlich – Pferde grasen. Über den inzwischen gut befestigten Weg, der einst oft voller Matsch war, gelangen wir zum Schlossvorplatz und können. In der vom Hauptgebäude abgewandten Richtung können wir in der Ferne den Obelisken erkennen.

Jetzt gehen wir ein paar Schritte zurück auf den in einer Rechtskurve leicht bergab wieder in den Wald hineinführenden breiten Weg. Nach einigen Minuten sehen wir zunächst rechts einen Teich und anschließend – linkerhand – eine große Wiese. Wir nehmen jetzt den Weg nach rechts, der am stets breiter werden Teich (Etang Solvay) entlang führt und schließlich auf einen breiten Weg (Clos des Campanules) einmündet. Linkerhand liegt einige hundert Meter entfernt der östliche Eingang der Parkanlage.

Wir gehen in westlicher Richtung weiter und nehmen die nächste, schräg links abgehende Abzweigung und folgen der linkerhand von Pferdekoppeln gesäumten Weg Clos des Campanules. Rechts eröffnet sich ein Blick auf das oberhalb liegende Schloss von La Hulpe. Über eine Kuppe, vorbei an einem Reitstall, geht es auf Kopfsteinpflaster wieder bergab. Nun erreichen wir den vom Flair des 19. Jahrhunderts geprägten Gebäudekomplex, in dem die Folon-Sammlung und die Gaststätte „La Taverne de l´Homme bleu“ untergebracht sind. Nach einer – oder ohne eine – Pause gehen wir wieder leicht bergauf durch jetzt offeneres Gelände mit einem großen Teich rechterhand und kehren zum Ausgangspunkt unserer Rundwanderung zurück.


Fotogalerie

Fotos: Michael Stabenow

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