
Von Heide Newson
Endlich….Brüssel zeigte sich am Mittwoch von seiner glanzvollen Sonnenseite. Nach gefühlt monatelangem Regen, peitschendem Wind, dünnen Schneedecken, und diesem ganz speziellen „Brüsseler Grau“, sorgten die ersten so richtigen warmen Sonnenstrahlen für ein (Brüsseler) Aufatmen.
Kaum hatte das Thermometer in den frühen Morgenstunden die 12-Grad-Marke geknackt, schon verwandelten sich die Teiche von Ixelles in ein regelrechtes Open-Air-Wohnzimmer. Schon gegen 12 Uhr wurden Decken auf dem noch leicht feuchten Gras ausgebreitet, Winterjacken im Rucksack vergraben, Snacks bei guter Laune ausgepackt und genüsslich verzehrt. Es schien vor allem bei den jungen Leuten, meist Studenten, kein Halten mehr zu geben. Viele von ihnen hatten alles stehen und liegen, und einige Vorlesungen sausen lassen, und ihr Hauptquartier von der ULB nach draußen verlegt. Innerhalb weniger Stunden hatte sich das Stadtbild nicht nur an den Teichen von Ixelles, sondern von ganz Brüssel positiv verändert.
Die Place Flagey war rappelvoll. Alle befanden sich im Urlaubsmodus, schlenderten gemächlich durch die sonnenreiche Ixeller Idylle und fütterten die ägyptischen Gänse. Oder sie beobachteten die grünen Papageien, die in den Baumkronen ein lautstarkes Spektakel veranstalteten und den Lärmspiegel auf ein noch lauteres Level hoben. Im Bois de la Cambre, im Parc du Cinquantenaire, Parc de Bruxelles, Saint Gilles: Überall das gleiche Bild. Terrrassen, Restaurants, Bänke, Grünflächen platzten aus allen Nähten. Und wer einen Platz in der Sonne ergattert hatte, gab ihn so schnell nicht wieder her. Überall herrschte eine fröhliche Stimmung. Man trug nun wieder Sandalen, Sneaker statt Winterstiefel, und die Sonnenbrille war bei den coolen Outfits der jungen Leute das wichtigste Accessoire. In Bussen lachten sich die Menschen wieder an, legten das Handy zur Seite und genossen Brüssel „im Frühling“ mit diesem ganz besonderen Vibe.
Ich traf Studenten, die mit ihren Laptops im Schatten eines Baumes verschwanden, weil sie auf dem Display absolut nichts erkennen konnten. Fragte man sie im hippen Café Belga, warum sie sich so gerne rund um den Place Flagey aufhalten, so kam die Antwort prompt. „Es ist diese Mischung aus Multikulti-Flair und kreativem Chaos, das mir hier so gut gefällt,“ sagte Miguel, dessen Ankerpunkt das Café Belga ist. Wie seine Freunde bezeichnet er es als die perfekte Kulisse, um zu sehen und gesehen zu werden. „Wenn wir hier keinen Platz bekommen, so setzten wir uns wie heute einfach auf den Boden. Hier kann man bei gutem Wetter mit wenig Geld einen tollen Abend verbringen. In den Supermärkten ist das Bier billig, und die Fritten finde ich hier noch besser als an der Place Jourdan,“ so Elena, eine Studentin, die regelmäßig im Flagey Kulturzentrum jobbt. “Hier ist immer etwas los, der Flagey ist nicht unbedingt ein Ort, zu dem man geht, um etwas Bestimmtes zu tun. Man geht hier hin, um zu schauen, was so passiert. Hier trifft man Brüsseler Urgesteine wie junge Expats, Weltenbummler, und innerhalb von ein paar Minuten die unterschiedlichsten Kulturen. In diesem Umfeld fühle ich mich immer direkt wohl, und treffe Menschen ganz nach meinem Geschmack.“ „Endlich wieder Sonne, danach habe ich mich in den letzten Wochen gesehnt, hoffentlich hält das schöne Wetter noch ein wenig an,“ sagte Alex, der sich mit seinen Freunden und einigen Bierflaschen auf der Bordsteinkante an der Place Flagey niederließ, um dort den ganzen Abend zu verbringen.







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