Belgien, Panorama

Rotkehlchen drohen bei Frost und Schnee zu erfrieren

 

Foto: Natagora Ostbelgien

Von Thomas A. Friedrich

Wussten Sie, dass Amseln, Drossel, Fink und Star eine Körpertemperatur von 38 bis 42 Grad aufweisen? Bei geschlossener und gefrorener Schneedecke droht unseren gefiederten Lieblingen der Kältetod. Denn zum Hochhalten ihrer Körpertemperatur verbrauchen die heimischen Singvögel enorme Energie, die sie bei der Nahrungssuche in gefrorenen Böden und Gehölzen nicht ausreichend finden. Durch Zusatz-Fütterung in Vogelhäuschen mit artgerechtem Körnerfutter und zum Beispiel fettreicher Erdnussbutter können wir im Garten und auf dem Balkon die in unseren Breiten überwinternden Arten in das Frühjahr retten.

Überleben sichern zusätzliches Futterangebot

Wer ein Vogelhaus hinstellt, sollte auch jeden Tag bis zum Ende des Winters füttern. Die Tiere verlassen sich dann auf das Zusatzangebot und würden ohne schnell verhungern“, betont Detlev Schneider vom Naturschutzbund  (Nabu) Thüringen. Wichtig laut Nabu Deutschland ist, das Angebot von Nahrungsergänzung vor Feuchtigkeit zu schützen.

Thermoregulation als Überlebensmethode für Singvögel

Mit 38 bis 42° Celsius liegt die Körpertemperatur der heimischen Vogelarten deutlich höher als bei Säugetieren und ist überdies starken Schwankungen unterworfen. Nicht-Migrationstiere – also Arten die nicht in wärmeren Regionen des Südens überwintern – weisen deutlich höhere Körper-Kerntemperaturen auf als Säugetiere. Überdies unterliegen sie nachts und tagsüber sowie sommers und winters starken Schwankungen. So variiert die Körpertemperatur z.B. beim Haussperling zwischen circa 39°C nachts und über 42°C in der Tagesmitte. Bei Frost und Schnee verbrauchen kleine und auch große Vögel sehr viel Energie für das Hochhalten der Körpertemperatur. Da kommt das Zusatzfutter gerade recht und ist angesichts des aktuellen strengen Winters in unseren Breiten überlebensnotwendig.

Federkleid als wirksame Kälteisolierung reicht allein nicht aus

Das variable Federkleid der Vögel fungiert als natürlicher Schutz und ist eine außerordentlich wirksame Kälteisolierung.  So gelingt es zum Beispiel einer Amsel im Winter im Garten mit einem kugelrund aufgeplusterten Federkleid den Körper mit einem dicken, unbeweglichen Luftpolster zu schützen.

Tiefe Frostnächte und langanhaltende klirrend kalte Winterwochen stellen die natürliche Thermoregulation der von uns über alle Jahreszeiten geliebten Singvögel aber auf eine lebensbedrohliche Probe. Die Wärmeregulation kann zwar in kalten Perioden den Energiebedarf zu einem gewissen Grad senken. Aber die tägliche Energiezufuhr muss befriedigt werden. Denn auch wenn das energiezehrende Fliegen in der Winterkälte tagsüber stark eingeschränkt wird, können Vögel nicht fasten, vor allem nicht im Winter. Sie müssen also in der dunklen Jahreszeit während der verkürzten hellen Tagesstunden ausreichend große und energiereiche Futtermengen aufnehmen, die ihnen über die langen und kalten Nächte das Überleben sichern.

Nur wenige Vogelarten legen im Herbst Vorräte für den Winter an

Einheimische Meisen wie Sumpfmeisen sowie Tannen- und Haubenmeisen legen in dichten Zweigen oder Rindenspalten an Bäumen Vorräte verstecken. Im Herbst kann man z.B. gelegentlich beobachten, wie ein einziges Pärchen Sumpfmeisen den großen Blütenkorb einer Sonnenblume im unermüdlichen Einsatz binnen kurzer Zeit leerpickt und als Winterreserve versteckt.

Kohl- und Blaumeisen legen hingegen keine Vorräte an. Sie sind im kalten  Winter mit Bodenfrost wie viele andere heimische Vogelarten auch auf das angewiesen, was ihnen die Natur im Winter noch als Nahrungsquelle  bietet. So bleiben oft nur die im Herbst gereiften Früchte und Beeren an Sträuchern sowie Wildkräutern beziehungsweise Nüsse und Eicheln sowie Sämereien zum Aufbau von Energiereserven die einzige Nahrungsreserven im Winter.

Fütterung frühzeitig beginnen und den ganzen Winter durch  

Auch Ornithologen halten daher eine unterstützende Fütterung derzeit für äußerst sinnvoll. Sie raten dazu, damit schon vor Wintereinbruch zu beginnen und unbedingt den ganzen Winter über bis in milde Witterungstage anhaltend das Futterangebot als Zusatz aufrecht zu erhalten.

Vogelhäuschen und Futterbehältnisse mit den Kindern basteln

Dabei können in der Familie gemeinsam mit den Kindern Futterhäuschen oder umgestülpte Blumentöpfe gebastelt und gezimmert werden. Wichtig ist, dass das angebotene Körnerfutter beziehungsweise in Fett eingeschmolzenes Müsli oder Flockenfutter vor Feuchtigkeit geschützt ist. Ebenso wichtig ist es, den Zugang zum Vogelhäuschen für größere (Greif-) Vögel zu begrenzen, um den kleineren Arten wie beispielsweise den besonders bedrohten Rotkehlchen das Überleben zu sichern.

Winterliche Vogelspurensuche in Ostbelgien

In Ostbelgien kümmert sich die Naturschutzorganisation „Natagora Ostbelgien“ um Artenschutz und naturkundliche Beobachtungen. So richten die Vogelkundler auch ein Augenmerk auf die Veränderungen in der Vogelwelt, hervorgerufen durch verstärkten Pflanzenschutz beziehungsweise Pestizid-Einsatz in der Landwirtschaft.

Am kommenden Sonntag, 18. Januar 2026 bietet die Naturschutzorganisation eine geführte Wanderung zum Entdecken von Wintervögeln an. Unter dem Titel: „Was fliegt denn da?“ begeben sich Tier- und Naturfreunde auf winterlicher Vogelspurensuche in Worriken. Unter Führung der Naturkennerin Sarah Pieper lernen die Teilnehmenden, gefiederte Wintergäste in der Region entdecken und bestimmen. Treffpunkt ist um 10:00 Uhr an der Schwimmhalle in Worriken. Die Tour dauert rund zweieinhalb Stunden. Wegen begrenzter Teilnehmerzahl ist Anmeldung erforderlich. 

Anmeldung und Infos bei Natagora Ostbelgien unter 0032 – 80 44 81 44 oder info@natagora-ostbelgien.be – Zur Webseite von Natagora-Ostbelgien geht es hier!

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Fotos: Thomas A. Friedrich

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