
Ein Partnerschaftsprojekt von Belgieninfo und der IDSB
Seit Jahren unterhalten Belgieninfo und die Internationale Deutsche Schule Brüssel (IDSB) eine Partnerschaft. Im März 2026 trafen sich vier Mitglieder von Belgieninfo zu einem gemeinsamen Journalismus-Workshop auf dem Schulgelände in Wezembeek-Oppem. Beteiligt waren von Seiten der IDSB Schülerinnen und Schüler Klassenstufen 9, 10 und 11 sowie zahlreiche Lehrkräfte.
Daraus entstanden ist das Projekt „Jugend recherchiert und schreibt”. Ziel ist es, den Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit zu eröffnen, journalistische Beiträge zu aktuellen Themen ihrer Wahl zu verfassen und zu veröffentlichen. Den Auftakt bilden sechs Beiträge von jungen Autorinnen und Autoren der IDSB.
Ihr Themenspektrum ist breit: vom Umgang mit “Erinnerungs-Stolpersteinen” über gewaltsame Übergriffe von Ordnungshütern im amerikanischen Minneapolis, eine Analyse der politischen Systems Belgiens, eine Stegreifreportage im Umfeld der Schule bis zu einer kritischen Bestandsaufnahme der Qualität von Radwegen
BEITRAG 1
“Nie wieder” gilt auch jetzt!
Von Anna, Hannah und Hannah (Klasse 10a)
Clara Kottow, Rose Schlösinger, Marin Poirier und Giuseppe Pagano sind nur ein paar Namen von Menschen, die ein ganz unterschiedliches Leben geführt haben, jedoch heute alle durch die sogenannten Stolpersteine gewürdigt werden.
Dementsprechend handelt es sich beim „Stolperstein“ um einen Pflasterstein mit einer Messingplatte, der vor dem letzten bekannten Wohnort eines Holocaust-Opfers in den Boden eingelassen wird. Diese Art von Erinnerung wurde von Gunter Demnig in Köln erfunden.
Es gibt eine große Vielfalt von Meinungen zu diesem Thema – natürlich auch Kritiker. So sagt Charlotte Knobloch, die Präsidentin der israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, es sei eine neuerliche Respektlosigkeit den Opfern gegenüber, weil die Menschen mit ihren Füssen auf die Steine träten.
An der Internationalen Deutschen Schule Brüssel (IDSB) wurde das Erinnerungskultur-Projekt unter Bezug auf die Stolpersteine eingeführt. Die Schüler und Schülerinnen bekamen die Aufgabe, einen Menschen, an den mit einem Stolperstein erinnert wird, als Individuum zu präsentieren und sein Leben nicht nur anhand von Nummern zu erzählen.
Alle Schüler hatten einen persönlichen Grund, weshalb sie ihre jeweilige Person ausgewählt haben – ob es aufgrund der Berufswahl der Person war oder ob es wegen des letzten bekannten Wohnortes war. Ziel ist es dabei, die Aufmerksamkeit auf öffentlich bisher unbekannte Geschichten zu lenken.
Die Schülerinnen und Schüler sind sich darin einig, dass das Stolperstein-Projekt von Bedeutung für die Schule ist, um Kindern die Schicksale von Menschen im Zweiten Weltkrieg näherzubringen. Außerdem ist es wichtig zu zeigen, wie man solche Tragödien richtig anerkennt und würdigt. Darauf sollte besonders in einer deutschen Schule im Ausland Wert gelegt werden. Kein Zweifel: Dieses Projekt hat uns vor Augen geführt, wie wichtig es ist, dass “Nie wieder!” auch jetzt gilt.
BEITRAG 2
Erinnerung im Alltag: die Bedeutung der Stolpersteine in Brüssel
Von Elisabeth, Pia, Anna ( Klasse 10a)
Am 27. Januar 2026 hat in Brüssel anlässlich des Holocaust-Gedenktages 81 Jahre nach der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz eine besondere Gedenkveranstaltung stattgefunden. Dabei wohnten Schülerinnen und Schüler gemeinsam mit weiteren Teilnehmern einer Stolpersteinverlegung bei. Dieser Tag war geprägt von stillen Momenten, eindrucksvollen Beobachtungen und vielen Reden, welche die Bedeutung des Erinnerns unterstrichen.
Während der Veranstaltung konnten die Anwesenden miterleben, wie bereits vorhandene Stolpersteine vorsichtig aus dem Boden genommen wurden. Diese wurden anschließend gründlich gereinigt und poliert, sodass die eingravierten Namen wieder gut sichtbar waren. Danach setzte man sie behutsam zurück an ihren ursprünglichen Platz. Gleichzeitig wurden auch neue Stolpersteine verlegt. Dafür wurde der Boden aufgeschnitten, um Platz für die kleinen Messingtafeln zu schaffen. Dieser Prozess macht deutlich, dass Erinnerung nicht selbstverständlich ist, sondern aktiv gepflegt werden muss.
Ein zentraler Bestandteil der Zeremonie waren die Ansprachen verschiedener Teilnehmer. Mehrere Redner, unter ihnen Philippe Close, der Bürgermeister von Brüssel, sowie Schüler verschiedener Schulen, richteten das Wort an die Anwesenden und betonten die Verantwortung, die Geschichte wachzuhalten. Auch Martin Kotthaus, der deutsche Botschafter in Belgien war anwesend. Er hob in seiner Rede hervor, wie wichtig solche Formen des Gedenkens gerade für junge Menschen seien. Zwischen den Reden gab es immer wieder ruhige, nachdenkliche Momente, in denen die Teilnehmenden innehalten konnten.
Ein besonders bewegender Augenblick war das Niederlegen der weißen Rosen. Jede Rose wurde vorsichtig neben einen Stolperstein gelegt und symbolisierte Respekt, Erinnerung und Frieden. Diese Geste verband alle Anwesenden miteinander und machte die Atmosphäre des Tages besonders eindrucksvoll.
Die Stolpersteine selbst sind Teil eines europaweiten Erinnerungsprojekts. Sie werden für Opfer des Nationalsozialismus verlegt und befinden sich meist vor ihren letzten freiwilligen Wohnorten. Ein wichtiger Aspekt dabei ist, dass die Verlegung oft durch Spenden ermöglicht wird. Häufig schließen sich Menschen zusammen, sammeln Geld und entscheiden sich bewusst für eine bestimmte Person, der sie mit einem Stolperstein gedenken möchten. Dazu recherchieren sie die Lebensgeschichte und sorgen dafür, dass ihr Schicksal nicht in Vergessenheit gerät. Auf diese Weise entsteht eine sehr persönliche Form des Erinnerns, die von Engagement und Verantwortung geprägt ist.
An der Veranstaltung nahmen nicht nur Schülerinnen und Schüler teil, sondern auch Menschen von außerhalb der Schule. Einige waren gezielt gekommen, andere wurden spontan aufmerksam. Diese Vielfalt zeigt, dass das Gedenken viele Menschen erreicht und verbindet. Für die Teilnehmenden war der Tag ein besonderes Erlebnis, das zum Nachdenken anregte und lange in Erinnerung bleiben wird.
Insgesamt war die Stolpersteinverlegung in Brüssel ein eindrucksvoller und würdevoller Gedenktag. Sie machte deutlich, wie wichtig es ist, die Vergangenheit sichtbar zu bewahren und den Opfern ihren Namen und ihre Geschichte zurückzugeben. Die Stolpersteine erinnern im Alltag daran, dass hinter jedem Namen ein Mensch stand – und dass es unsere Aufgabe ist, diese Erinnerung zu pflegen.
BEITRAG 3
Warum streiken Beschäftigte in Belgien so viel?
Arbeitskämpfe gehören traditionell im Land der Flamen und Wallonen zu einem häufig, oft auch erfolgreich genutzten Instrument der einflussreichen Gewerkschaften.
Von Mathias Noack Santos
Streiks ereignen sich mehrmals im Monat in Belgien. Dahinter steckt mehr als die oberflächliche Vermutung, dass die Protestierenden sich bessere Arbeitsbedingungen wünschen. Eher erklären sich die Proteste aus einer Kombination starker Gewerkschaften, dem Rechtsrahmen, der das Streiken vereinfacht, sowie die wirtschaftlichen Bedingungen des Landes.
Belgische Gewerkschaften sind ungewöhnlich stark. Durch das sogenannte Genter System verwalten Gewerkschaften das belgische Arbeitslosengeld. Somit zwingen sie Beschäftigte faktisch zur Mitgliedschaft. Außerdem liegt der gewerkschaftliche Organisationsgrad in Belgien bei etwa 50-55 Prozent. Im Vergleich liegt er in Deutschland nur bei ungefähr 17 Prozent. Es gibt in Belgien drei Dachverbände, nämlich die ACV/CSC (christlich), die ABVV/FGTB (sozialistisch) und die ACLVB/CGSLB (liberal). Belgische Arbeiter sind also größtenteils ideologisch ausgerichtet und finden Gleichdenkende bei Gewerkschaften.
Das belgische Arbeitsrecht vereinfacht Streiks ebenfalls. Im Gegensatz zu Ländern wie Großbritannien herrscht kein Streikverbot, wenn über einen Ausstand vorher nicht abgestimmt wird. Außerdem können spontane Arbeitsniederlegungen kaum legal gestoppt werden. Gewerkschaftsvertreter bei großen Unternehmen genießen zudem einen starken Kündigungsschutz. Dies bedeutet, dass sie schwer gefeuert werden können – und streiken können, ohne negative Konsequenzen befürchten zu müssen.
Der belgische Staat indexiert Löhne. Das heißt, dass Löhne und Gehälter automatisch an die Inflation angepasst werden. Liegt die Inflationsrate zum Beispiel bei zwei Prozent, steigen Löhne und Gehälter entsprechend um zwei Prozent. Die belgische Bundesregierung hat schon mehrmals versucht, diese Indexierung zu beenden, da sie dem Wirtschaftswachstum schade. Internationale Organisationen wie der Internationale Währungsfonds (IWF) und die Organisationen für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (OECD) haben aus den genannten Gründen Druck gemacht, um die Indexierung zu beenden. Beispielsweise hat die belgische Regierung unter Premierminister Bart De Wever beschlossen, die Indexierungsregeln in den Jahren 2026 und 2028 nicht in vollem Umfang anzuwenden. Demnach wird in diesen Jahren die übliche vollumfängliche Indexierung nur noch für monatliche Gehälter von bis zu 4000 Euro brutto vorgesehen. Solche Beschlüsse ernten Widerstand von Beschäftigten und Gewerkschaften.
Einer der zentralen Konflikte dreht sich um die Rentenreform. Wie die bis 2021 amtierende „Vivaldi-Koalition” unter dem liberalen Premierminister Alexander De Croo will auch De Wevers „Arizona-Koalition“ das Renteneintrittsalter von 65 auf 67 erhöhen. In der Praxis gehen Belgier mit ungefähr im Alter von 60 bis 61 Jahren in Rente, da man in Belgien nach 40 Jahren Arbeit sowieso in den Ruhestand treten darf. Die Beschäftigten wollen am bisher vorgesehenen Renteneintrittsalter festhalten. Sie wollen es nicht hinnehmen, dass der Staat das Renteneintrittsalter erhöht und den Sozialstaat schwächt. Viele Belgier glauben, sie erhielten keine Vorteile durch eine Erhöhung des Renteneintrittsalters. Diese Maßnahmen treffen daher auf Widerspruch der Gewerkschaften.
Zusätzlich gibt es noch die Dimension der Kaufkraft und Arbeitsbedingungen, vor allem in Brüssel. Ein Großteil von Streiks betrifft Brüssel und dort insbesondere den öffentlichen Verkehr: Busse, Metros und Trams der Brüsseler Verkehrsgesellschaft STIB/MIVB, Busse der flämischen Gesellschaft De Lijn sowie Regional- und Langstreckenzüge der belgischen Bahngesellschaft SNCB/NMBS. Da es bei diesen Unternehmen viel Personalmangel gibt, fühlen sich viele Beschäftigte zunehmend überlastet. Zudem kommt, dass in Brüssel die Lebenshaltungskosten viel höher ansteigen als die nominale Inflationsrate. Selbst mit der herkömmlichen Indexierung stagnieren die Reallöhne. Dies bedeutet, dass die Kaufkraft der belgischen Arbeitnehmer immer mehr sinkt – und das ist eine der Hauptquellen der Unzufriedenheit.
Zuletzt gibt es einen politisch-kulturellen Faktor. Streiken gilt in Belgien traditionell als legitimes Druckmittel, und nicht als letzter Ausweg. Gewerkschaften sind eng mit politischen Parteien vernetzt (vor allem mit den sozialistischen Parteien sowie den flämischen Christdemokraten und der französischsprachigen zentristischen Partei „Les Engagés“). Das heißt, dass Gewerkschaften und Beschäftigte oft als Waffe von Parteien benutzt werden, um die Regierung ins Visier zu nehmen. Arbeiter werden dann für politische Agenda ausgenutzt.
Belgien ist ein föderaler Staat mit vielen regionalen Regierungen, die vergleichsweise viele Kompetenzen haben. Dagegen ist die belgische Bundesregierung verglichen mit Nachbarn wie Frankreich oder den Niederlanden eher schwach. Dies bedeutet, dass Reformen ewig dauern und Kompromisse praktisch der einzige Weg sind, Politik zu gestalten. Das macht das Streiken zu einer einfachen und vergleichsweise wirksamen Methode, um Konzessionen von Regierungen zu erreichen.
Zusammenfassend kann man sagen, dass das Streiken ein einfacher und spontaner Weg für belgische Arbeitnehmer ist, gegen soziale, wirtschaftliche und politische Entscheidungen zu protestieren. Der größte Widerstand richtet sich gegen Reformen der in Belgiens tief verwurzelten Kultur des Sozialstaats und des Arbeitsrechts. Kombiniert mit der Tatsache, dass Streiks sich legal sehr selten stoppen lassen, können in Belgien Arbeitnehmer dafür sorgen, dass Streiks und die dazugehörigen Probleme den Alltag aller Menschen im Land betreffen
Genutzte Quellen:
- Ghent system
- Prices are rising, and so is your salary. What you need to know about Belgian Indexation
BEITRAG 4
ICE zu „cool“ für die Beachtung von Regeln?
Von Madeleine, Nicole und Sara (Klasse10a)
Vor zwei Jahren hatte das Wort „ice“ eine ganz andere Bedeutung. Viele denken an das Dessert, andere an die Kälte. Die Wahrheit ist, dass der Begriff heutzutage eher eine – politische – Nebenbedeutung hat: United States Immigration and Customs Enforcement, kurz ICE
Es handelt sich um eine 2003 gegründete Behörde. Ihre Hauptaufgabe besteht darin, die Einwanderungs- und Sicherheitsgesetze innerhalb und außerhalb der Vereinigten Staaten von Amerika durchzusetzen. ICE gehört zum Department of Homeland Security, dem amerikanischen Heimatschutzministerium.
ICE sollte sich vor allem um Menschen kümmern, die ohne gültige Aufenthaltsgenehmigung (Green card) im Land sind und eine Bedrohung für nationale und öffentliche Sicherheit darstellen. In diesem Fall haben die ICE-Mitarbeiter das Recht, diese Personen festzunehmen und abzuschieben. Außerdem sollen sie sie auch gegen internationale Kriminalität, insbesondere Menschenhandel oder Drogenhandel, vorgehen.
Die ICE-Bediensteten dürfen jedoch nicht übermäßige Gewalt anwenden, vor allem gegen unschuldige Bürger oder wenn sie ohne rechtliche Basis vorgehen.
In den Nachrichten bekommt man seit Beginn der zweiten Amtszeit von Präsident Donald Trump Anfang 2025 allerdings häufig mit, wie ICE gegen diese Regeln verstößt. Es ist oft von Verletzung von Grundrechten, zum Beispiel beim Umgang mit friedlichen Demonstrierenden, von ungerechtfertigten Festnahmen sowie vom sogenannten Racial Profiling die Rede. Damit ist die Diskriminierung bei der Strafverfolgung von Menschen aufgrund ihrer Herkunft oder ihres Glaubens gemeint. Studien und Daten zeigen, dass ICE unverhältnismäßig viele Angehörige dieser Gruppen festnimmt.
Bemerkenswert daran ist jedoch, dass dieses Vorgehen anscheinend von der Regierung geduldet und sogar ermutigt wird. Präsident Trump und andere staatliche Vertreter drücken häufig ihre Unterstützung für die Behörde aus und loben ihre „Professionalität“.
Viele legale Immigranten, die ihr Zuhause in den Vereinigten Staaten gefunden haben, fürchten nun um ihre Sicherheit. Sie trauern um das Land der Freiheit und Hoffnung, in dem sie ihr Leben aufgebaut haben. Vergessen scheint das inoffizielle Motto der Vereinigten Staaten: e pluribus unum (aus Vielen Eines).
BEITRAG 5
„Es reicht nicht – wir brauchen noch mehr Streiks!“
Die Arbeitsniederlegungen bei Brüsseler Verkehrsgesellschaft finden überwiegend Zustimmung, stoßen zuweilen aber auch auf Unverständnis
Von Alexia Luisa Lehmann und Ines Ananda Schuldes
Acht Uhr morgens. Ein Schüler steht an der Straßenbahnhaltestelle. Seit 30 Minuten tut sich nichts. Er wundert sich. Er schaut auf die Anzeigetafel der Station. Dort steht, nun in englischer Sprache: „Due to a national strike, the STIB-MIVB will be severely disrupted on 12 March 2026. “Fluchend ruft der Schüler: „Merde! “ Wegen der Störungen im öffentlichen Verkehr wird er mal wieder zu spät kommen.
Diese Situation scheint in Brüssel oft aufzutreten. Sobald so etwas passiert, stellt sich natürlich die Frage, warum gestreikt wird. Mit ihrem Spruch ,,Wir sind keine Zitronen“, drücken die Menschen ihren Frust über die geplanten Rentenreformen aus, bei der das Rentenniveau sinken, aber gleichzeitig die Einzahlzeit verlängert würde. Auch dieses Mal führte der Streik zu den unterschiedlichsten Reaktionen. Während einige Verständnis für die Tram- und Busfahrer zeigen, sind viele anderer Meinung.
Die 15-jährige Maëlle und die 17-jährige Jordan verstehen die Streikenden. Sie berichten dennoch, dass sie aufgrund der Streiks oft zu spät zur Schule kommen. Beide nehmen normalerweise den Bus, doch oft kommen ihnen die Streiks spontan vor. Daher ist ihnen dann unbekannt, welche Busse fahren und welche nicht. Viele in ihrem Alter teilen diese Meinung.
Auch auf Leute, die nicht persönlich vom Streik betroffen sind, hat er einen Einfluss. Elise und Florian,13 und 16 Jahre alt, werden von ihren Eltern in die Schule gefahren und sind im Gegensatz zu anderen weniger betroffen. Gleichzeitig drücken sie ihre Sorgen für Mitschüler und Freunde aus, die einen längeren Schulweg haben. Eine 25-jährige Frau, die in einem Schokoladenladen arbeitet, teilt uns mit, dass sie zwar selber jeden Tag mit dem Auto zur Arbeit fahre, aber dennoch einen Unterschied spüre, wenn gestreikt werde. Sie habe weniger Kundschaft und würde demnach auch weniger Gewinn machen. Dennoch unterstützt sie den Streik sehr und betont: „Es gibt nie genug Streiks“.
Pierre Derrick, ein Geschäftsführer, hat eine ähnliche Meinung. Zur Arbeit fährt er mit seinem Auto, ab und zu arbeitet er jedoch von zuhause aus. Probleme im Bus- und Bahnverkehr betreffen ihn deshalb nicht persönlich. Trotzdem beeinflussen diese Situationen seine Kundschaft – genau wie im Fall der Mitarbeiterin des Schokoladengeschäfts. Insgesamt zeigt Pierre Derrick Verständnis für die Arbeiter. Er hält die Proteste für notwendig, um Rechte durchzusetzen.
Die 45-jährige Katia ist im Brüsseler Saint-Luc-Krankenhaus tätig und findet es ebenfalls gut, wie die Straßenbahn- und Busfahrer ihre Widersprüche ausdrücken. Sie beharrt auf einer besseren Altersversorgung, da ihr Beruf auch sehr anspruchsvoll sei.
Während sich die meisten Arbeitnehmer und auch einige Schüler einsichtig zeigen, gibt es auch Menschen, die die gegenteilige Meinung vertreten. Die 18-jährigen Hervé, Louis und Sébastien, Schüler der Mater, nehmen normalerweise die Straßenbahn oder den Bus zur Schule. Sie haben sich nicht wirklich über die Gründe des Streiks informiert. Sie vermuten, dass die Straßenbahnfahrer einfach keine Lust zu arbeiten hätten. Ihrer Meinung nach gibt es viel zu oft Streiks. Sie sollten einfach arbeiten, statt zu streiken, finden die drei Schüler. Diese Aussage lässt vermuten, dass vor allem junge Menschen zu wenig über Streiks informiert und durch ihre Häufigkeit genervt sind.
Am Ende zeigt sich, dass die Meinungen über den Streik sehr unterschiedlich sind. Viele Menschen haben Verständnis für die Beschäftigten und deren Forderungen, auch wenn sie selbst davon nicht unmittelbar betroffen sind. Andere hingegen sind genervt und finden, dass es zu oft Streiks gibt. Vor allem einige Schüler wissen nicht genau, warum überhaupt gestreikt wird.
Trotzdem wird klar, dass der Streik nicht nur Probleme im Alltag verursacht, sondern auch ein wichtiges Mittel ist, um auf Missstände aufmerksam zu machen. Auch wenn viele Menschen dadurch zu spät kommen oder Nachteile haben, sehen andere darin eine notwendige Möglichkeit, um etwas zu verändern.
BEITRAG 6
Wie steht es um die Sicherheit der Radwege in Belgien? Wir haben nachgefragt
Von Cecilia Ciumenei und Annika Bartsch
Belgien ist ein Land, in dem das Fahrrad ein wichtiges Fortbewegungsmittel ist. Ob zur Arbeit, in die Schule oder einfach in der Freizeit. Wir haben uns erkundigt,
warum das so ist und wie die Menschen mit den Verkehrswegen zufrieden sind. Denn sie sind, wie wir alle wissen, nicht ungefährlich. Es hat bereits zu viele Unfälle im Straßenverkehr gegeben.
„Die Fahrradwege in Belgien sind im Vergleich zu Deutschland sehr sicher“, sagt uns ein Bürger aus Sterrebeek. Er erläutert: „Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass die Fahrradwege sehr fahrradfreundlich gestaltet sind.“
Radfahrer müssen natürlich aufmerksam unterwegs sein. Dazu zählt das Tragen eines Helms, Beleuchtung am Fahrrad und die Rücksicht auf die schwächeren
Verkehrsteilnehmer, insbesondere die Fußgänger.
Unfälle lassen sich so häufig vermeiden. Autofahrer müssen ebenfalls sehr vorsichtig sein, wenn sich Fahrradfahrer auf der Straße befinden. Besonders gefährlich kann es werden, wenn plötzlich eine Autotür aufgeht.
Eine Bewohnerin von Wezembeek-Oppem berichtet uns von einem Fahrradunfall wegen mangelnder Rücksicht eines Autofahrers: „Ich war auf meinem Fahrrad auf dem Weg zur Arbeit, fünf Minuten von meinem Haus entfernt. Da öffnete ein Autofahrer, ohne zu schauen, seine Tür. Da ich nicht mehr ausweichen konnte, fuhr ich in die Autotür hinein“, erzählt die Frau. Später habe sie ins Krankenhaus gemusst. Mahnend erklärt sie uns jetzt: „So ein Unfall kann jederzeit passieren, auch hundert Meter von dem eigenen Haus entfernt.“
Jeder fünfte Verkehrsunfall mit tödlichen Folgen betrifft Fahrradfahrer – und meistens sind dafür unaufmerksame Autofahrer verantwortlich. Eine Mitschülerin unserer Schule sagt, dass sie zwar ein Fahrrad besitze, sich aber nicht sicher genug fühle, es in Belgien im Straßenverkehr zu benutzen. Sie schlägt vor, Radwege in möglichst sicherer Entfernung von befahrenen Straßen anzulegen, damit solche Unfälle nicht mehr vorkommen können.
Belgien hat bereits sehr gute Fahrradwege, wenn man sie mit anderen Ländern vergleicht. Mit dem Rad kann man so gut wie überall hinfahren. Autofahrerinnen und -fahrer müssen vorsichtig sein, aber die Radfahrer müssen auch selbst auf sich achten, zum Beispiel durch den Schutz eines Helmes oder durch Beleuchtung am Rad. Dadurch lassen sich schwere Verletzungen vermeiden.
Die Wege könnten noch besser gestaltet werden durch zusätzliche Fahrradampeln.Und sie könnten breiter gemacht werden. Nach Ansicht der Befragten wäre es auch gut, wenn die Wege Abstand von den parkenden Autos haben, damit Unfälle wegen geöffneter Autotüren nicht mehr vorkommen. Insgesamt zeigten sich aber viele der Befragten sehr zufrieden mit der aktuellen Situation der Radwege in Belgien.








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