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Herumhängen mit Schafen

Von Heide Newson

In Brüssel gibt es ein wunderbares und erstaunlich erfolgreiches Phänomen : Jugendliche, Pensionäre oder selbst Personen in Amt und Würden stehen freiwillig früh auf und hüten Schafe. So wie Patrick, ein typischer Teenager, der sich normalerweise am Wochenende nur schwerlich aus dem Bett bewegt und wenn, dann meist um mit seinen Freunden weltweit über WLAN zu chatten. Aber seit sich vor kurzer Zeit acht Schafe im Woluwe-Park angesiedelt haben, ist er an den Wochenenden früh auf den Beinen.

UMWELTFREUNDLICHE PARKANLAGE

Während eines Spaziergangs im Woluwe-Park entdeckte Patrick die neuen Bewohner: acht Schafe. Bei ihrem Anblick war es gleich Liebe auf den ersten Blick. Er folgte einem Aufruf der Gemeinde, die Ehrenamtliche zur Pflege der Schafe suchten. Und was weder Patricks Eltern noch seine Freunde je für möglich gehalten hätten – nach einer kurzen Einweisung in die Schafzucht mutierte der belgische Schüler an den Wochenenden zum urbanen Landwirt. Und auch meinem Sohn Michael haben es die Schafe im Woluwe-Park angetan. Seit die Schafe dort ein neues Zuhause gefunden haben, unterstützt er in seiner Freizeit ein Projekt, bei dem es darum geht, Grünflächen nachhaltig durch Beweidung zu pflegen. Die Schafe heißen nunmehr nicht mehr Lotte, Heidi oder Hans, sondern wurden von den Hobby Schafhirten nach ihren Lieblingsmusikern, Influencern oder Filmstars umgetauft. Und das Ergebnis ihres urbanen Einsatzes ist pure Unterhaltung, auch mit den vielen neugierigen Spaziergängern.

EIN WOHLVERDIENTER RUHESTAND

Die ehemaligen Milchschafe, die nun im Ruhestand sind, stammen aus der Farm „Du Chant des Caillies“ in Boitsfort und bleiben bis Mitte November im Woluwe-Park. Danach ziehen sie in andere Parks um, bevor sie den Winter in der Wärme eines Schafstalls verbringen dürfen.

Am Dienstag herrschte ein reges Treiben im Woluwe-Park. Die Sonne schien, Kinder fütterten die Schafe, und einige Spaziergänger waren von den neuen Bewohnern total begeistert. „Eine tolle Initiative, so sehen die Kinder mal etwas anderes als die Stadt. Und es ist einfach faszinierend wie geräuschlos man den Rasen mit den Schafen mähen und die Kinder an die Tiere heranführen kann“, so eine junge Mutter. Dennoch hatte sie einige Bedenken wegen der vielen Hunde, die ohne Leine im Park herumlaufen und die Schafe erschrecken. Und sie sollte mehr als Recht haben. Als mein Sohn gestern wieder als Schafhirt im Woluwe-Park im Einsatz war, stieß er auf ein totes Schaf, das nicht von einem Wolf gerissen, sondern von ein Pitbullterrier getötet worden war. Und nun ist die Trauer groß, auch die Wut, dass man den Hundebesitzer bislang noch nicht gefunden hat. Derweil sind die ehrenamtlichen Helfer damit beschäftigt, den Zaun zu befestigen, der die verbleibenden Schafe vor weiterem Unheil schützen soll.

Wenn man Patrick fragt, was ihn an den Schafen so gefällt, so sagt er lachend, dass sie ihn beruhigen und tief entspannen würden, wenn er sie beim Kauen beobachtet. Das Projekt beweist mir, dass man wirklich keine High-Tech-Lösungen braucht, weder für ein intaktes Ökosystem noch die mentale Gesundheit der Jugendlichen. Einige Schafe zum Hüten in einer schönen Parkanlage reichen völlig aus.

 

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