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Die BRAFA, eine Zeitreise durch Epochen und Kunstgalerien

Foto: Thomas A. Friedrich

Von Heide Newson

Wenn die kalten Wintertage Brüssel fest im Griff haben, öffnet eine der ältesten und renommiertesten Kunstmessen der Welt ihre Pforten, die vom 25. Januar bis 1. Februar 2026 in den Hallen der Brussels Expo stattfindet. Auch in diesem Jahr besticht die  Brussels Art Fair (BRAFA) durch ihre Eleganz, Herzlichkeit und Kundennähe, die man auf anderen großen Kunstmarktplätzen oft vergeblich sucht. Hier stehen keine Mauern zwischen den Epochen.

In einem Moment können die Besucher eine ägyptische Statue aus der Antike, im nächsten einem flämischen „Alten Meister“ und direkt daneben ein knalliges Pop-Art Gemälde oder ein modernes Designmöbel oder Schmuckstück bewundern oder kaufen. Was vielen Besuchern gefällt, ist die Tatsache, dass die Messe alljährlich Weltklasse-Niveau bietet, aber klein genug ist, um ihre exklusive familiäre Atmosphäre zu bewahren.

Die Highlights 2026

Auch in ihrer 71. Ausgabe bleibt die BRAFA ihrer erfolgreichen Linie treu. 147 Galerien aus 19 Ländern präsentieren einen fast unerschöpflichen Mix hochkarätiger Kunstwerke aus verschiedenen Epochen von höchster Qualität. Das Besondere an dem Event ist die Internationalität der Aussteller. So kommen etwa zwei Drittel von ihnen aus dem Ausland, und ein Drittel stammt aus Belgien. Die meisten Galerien sind aus Frankreich, Großbritannien, der Schweiz, Italien, Deutschland und den Niederlanden angereist, aber auch die Vereinigten Staaten sind dabei.

Bevor ein Objekt verkauft werden darf, wird es von über 80 internationalen Experten geprüft, was für das hohe Vertrauen der Sammler in diese Messe sorgt. Im Gegensatz zur eher geschäftsmäßigen TEFAF in Maastricht, ist das Publikum auf der BRAFA sehr gemischt. Man trifft dort sowohl den passionierten Millionär als auch junge Kunststudenten oder kunstinteressierte Ottonormalverbraucher.

Die König-Baudouin-Stiftung, die in diesem Jahr ihr 50-jähriges Bestehen feiert, ist Ehrengast auf der BRAFA. Die Stiftung, die beim Erhalt des belgischen Kulturerbes eine große Rolle spielt, brachte nicht nur bedeutende Kunstwerke mit. Sie sondern bereichert das Programm auch durch Kunsttalks und gibt Einblicke in ihre Arbeit als Brückenbauer zwischen Philanthropie und Kunst. „Die BRAFA ist für uns ein sehr wichtiges Ereignis und gibt uns die Gelegenheit, diese Kunstschätze mit allen Kunstliebhabern zu teilen, und unser Engagement im Erhalt des belgischen Kulturerbes zu unterstreichen”, sagte Melanie Coinse, Vorsitzende der Königin Baudouin-Stiftung auf einer Pressekonferenz.

Neunzehn neue Galerien zeugen vom Erfolg der Messe

Neunzehn neue Galerien, die vom Vorstand sorgfältig ausgewählt wurden und von denen die Hälfte aus Belgien stammt, zeugen davon, dass sich die Messe weiterhin im Aufwind befindet. Die anderen kommen aus Frankreich, den Niederlanden, Italien, dem Vereinigten Königreich sowie den Vereinigten Staaten.

Der Bereich Antiquitäten und alte Meister der BRAFA wird in diesem Jahr durch Vagabond Antiques (UK) bereichert, deren Gründer Joe Chaffer über eine reichhaltige Sammlung von Skulpturen, Gemälden und Objekten aus der Zeit vom 2. bis zum 19. Jahrhundert verfügt. Ebenfalls neu auf der Teilnehmerliste im Bereich antike Kunst, ist die aus Belgien stammende Galerie “Arte-Fact Fine Art“, die sich auf Gemälde alter Maler spezialisiert hat, sowie Pelgrims de Bigard – ebenfalls aus Belgien –, die für ihre Expertise in der flämischen Malerei des 15. bis 17. Jahrhundert bekannt ist.

Ein älterer Mann sorgt für Furore

Doch es ist ein älterer Mann mit einem buschigen Bart und einem starren Blick (siehe Titelfoto: rechts neben der Autorin dieser Zeilen), der auf der BRAFA für Furore sorgt. Vor drei Jahren gelang es dem Brüsseler Galeristen Klaas Müller, ein Gemälde für weniger als 100000 Euro während einer Online-Auktion zu erstehen, das ihn an Werke von Peter Paul Rubens erinnerte. „Ich war mir nicht sicher, ob es sich um einen Rubens handelte, aber ich ging das Risiko ein und kaufte es”, so Klaas Müller.

Belgieninfo gegenüber sagte der Galerist, dass es sich tatsächlich um ein Rubens-Gemälde handele, was von Kunstexperten nach langer akribischer Überprüfung bestätigt worden sei. Auch der bekannte Galerist Jan Muller aus Gent hat keinerlei Zweifel, dass es sich bei dem Gemälde um einen echten Rubens handelt. „Heute wird ein Rubens mit mehr als mehr 400000 Euro gehandelt”, sagt er.

Ein Werk, das an seinem Stand sofort ins Auge fällt, ist ein Werk des bedeutenden Barockmalers Jakob Jordeans. „Ja es steht zum Verkauf, für 300000 Euro können Sie es erwerben”, sagt er im Gespräch mit Belgieninfo.

Die bekannte Florian Kolhammer Galerie aus Wien überrascht Kunstinteressierte nicht mit Gemälden von Gustav Klimt, sondern mit den Arbeiten seines Bruders Georg Klimt. An diesem Stand erfahren wir einiges über einen der führenden Metallbildhauer Wiens. Das Interesse sei groß an seinen Kupferarbeiten, erfahren wir, und wir finden die Arbeiten von Gustav Klimts Bruder tatsächlich außergewöhnlich und einzigartig.

Wie vielseitig der (Kunst-) Mix auf der BRAFA ist, wird durch den bekannten, am Grand Sablon ansässigen Taschen Buch Verlag verdeutlicht. Hier kann man für 4500 Euros ein von David Hockney persönlich signiertes gigantisches Buch mit all seinen Lieblingswerken erstehen und zu Hause sein privates (kleines) Hockney Museum kreieren.

Erfolgreicher Umzug von Tour & Taxis

Seit ihrem Umzug von Tour & Taxis im Jahr 2022 in die Expo Hallen hat sich die BRAFA auch platzmäßig vergrößert. Die Gänge sind nun breiter, was dem Besucherstrom zugute kommt. Zudem wurden die Leihgaben und Sonderschauen erhöht. Und da Brüssel als Hauptstadt des Jugendstils gilt, wurde sich dieser Bereich auf der BRAFA ausgebaut.

Exquisite Möbel aus wertvollen Hölzern, filigraner Schmuck und viele Glaskunstwerke sollen ein jüngeres Publikum ansprechen. Werke von Klassikern der Moderne wie Chagall, Picasso oder Magritte hängen in direkter Nachbarschaft zu brandaktuellen Skulpturen oder großformatigen Leinwänden zeitgenössischer Künstler.

Nicht umsonst nennt sich der Trend auf der BRAFA „Cross-Collection“. Denn viele Besucher kaufen heute nicht mehr nur in einer Epoche. „Es ist sehr modern geworden, eine puristische, zeitgenössische Skulptur auf einer prachtvollen Art-Déco Kommode zu platzieren, und diese Stile harmonieren optimal miteinander“, so eine Mitarbeiterin von Rodolphe Jannsen, einer der besonders angesagten und bekannten Brüsseler Galerien für internationale zeitgenössische Kunst.

Zusammenfassend kann man sagen, dass sich ein Besuch der BRAFA sowohl für erfahrene Sammler als auch für neugierige Kunstliebhaber lohnt. Auch in der 71. Ausgabe präsentiert sie sich hochkarätig, elegant, persönlich – mit vielen neuen Highlights und so gastfreundlich, wie man es von dieser weltweit renommierten Kunstmesse seit Jahrzehnten gewohnt ist.

Die folgende Gallerie mit Fotos von Thomas A. Friedrich und Heide Newson geben einen kleinen Einblick in die BRAFA. Detaillierte Eindrücken bietet die Webseite (in vier Sprachversionen: FR/NL/DE/EN) der BRAFA: hier (Startseite) und hier (Stände/Atmosphäre) und hier (Kunstwerke).

Fotogalerie

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