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Die Nacht der Dunkelheit im Hohen Venn

Foto: J. Klute

Von Jürgen Klute

In der deutschen Sprachversion klingt der Titel dieser Veranstaltung „Die Nacht der Dunkelheit“ (Französisch: La Nuit de l’Obscurité) beim ersten Hören nach einem Pleonasmus. Doch dem würde die Kommunikationsbeauftragte des Naturparks Hohes Venn-Eifel Sarah Guillaume so nicht zustimmen. Denn so dunkel sind unsere Nächte – zumindest in den urbanen Ballungsgebieten und an den Haupt-Verkehrsadern gar nicht: Lichtverschmutzung ist das Stichwort.

Gegenüber Belgieninfo erläuterte Guillaume: „Die Nacht der Dunkelheit ist in erster Linie eine Sensibilisierungsveranstaltung zum Thema Lichtverschmutzung, zur nächtlichen Biodiversität und zur Entdeckung des Sternenhimmels.“ Die Veranstaltung fand am 10. Oktober auf dem Gelände des Naturparkzentrums Botrange statt, das von dem verheerenden Brand im Sommer dieses Jahres nicht betroffen war. Natürlich, so Guillaume weiter, seien bei der Organisation die aktuellen Bedingungen sowie die Brandschutz-Vorgaben der zuständigen Behörden berücksichtigt worden. Die Brandkatatstrophe verleihe den Fragen des Schutzes natürlicher Lebensräume und unseres Verhältnisses zur Umwelt zudem eine besondere Bedeutung. Die Nacht der Dunkelheit böte die Möglichkeit, die Öffentlichkeit für einige dieser Themen zu sensibilisieren, auch wenn der Klimawandel nicht im Mittelpunkt der der Nacht der Dunkelheit stehe, ergänzte die Pressesprecherin.

Obgleich das Naturparkzentrum Botrange nicht unmittelbar von dem Brand betroffen war, konnte man auf dem Weg dorthin im Herzen des Hohen Venn an einigen Stellen aus dem Auto heraus die Spuren dieses Brandes sehen. Abstellen konnte man sein Gefährt an der Route de Botrange am Signal de Botrange, einem Aussichtspunkt mit einer Gaststätte, das zur Gemeinde Waimes gehört.

Das vom Signal de Botrange etwa ein Kilometer entfernt liegende Naturparkzentrum konnte man bequem per Pferdewagen-Shuttle oder zu Fuß erreichen. Der Fußweg war mit kleinen Leuchten gekennzeichnet, so das man auch nach Einbruch der Dunkelheit sicher sein Ziel erreichen konnte.

Die Nacht der Dunkelheit findet seit 2021 jährlich statt. In diesem Jahr war es demzufolge die sechste Ausgabe. Ob es auch 2027 eine Nacht der Dunkelheit geben wird, konnte Sarah Guillaume noch nicht bestätigen.

Im Jahr 2025 waren laut Guillaume rund 500 Besucherinnen und Besucher – darunter auch viele Kinder – der Einladung gefolgt. Wie viele es in diesem Jahr sein werden, lässt sich natürlich erst nach dem Ende und nach der Auswertung der Veranstaltung sagen.

Die Besucher erwartete zwischen 17 und 23 Uhr ein buntes Programm. Im Angebot waren mehrere geführte Wanderungen durch das Naturschutzgebiet in der näheren Umgebung des Naturzentrums. In Zelten mit gedämpftem Licht, die vor dem Zentrum aufgebaut waren, konnten sich die Besucher über das eigentliche Thema der Veranstaltung, die Lichtverschmutzung und ihre Folgen, sachkundig machen. Für Kinder gab es zudem zwei Märchenveranstaltungen. Und für die Erwachsenen sorgte die Gruppe „Elle est où, Anne?“ mit Klezmermusik und das Duo „Obertones“ mit Pop- und Rockmusik für Unterhaltung rund um ein offenes Kaminfeuer im Foyer des Naturparkzentrums. Auch für Essen und Trinken war gesorgt. Die Veranstaltung war ingesamt kostenfrei und fand teils in französischer und teils in deutscher Sprache statt. Abgesehen von den bereits herbstlich kühlen nächtlichen Temperaturen war es ein ebenso stimmungsvoller wie informativer Abend.

Ursprünglich wurde die Nacht der Dunkelheit vom gemeinnützigen Verein “Besace” getragen, erklärte Pressesprecherin Guillaume. Seit 2025 hat der Naturpark Hohes Venn–Eifel die Organisation der Veranstaltung übernommen. Seitdem umfasse das Programm stärker auch Projekte und Initiativen des Naturparks sowie die Präsenz der ehrenamtlichen Stewards des Hohen Venn, ergänzte Guillaume. Auch die Zusammenarbeit mit dem deutsch-belgischen Naturpark Nordeifel sei verstärkt worden, insbesondere durch die Beteiligung von “Sternen-Guides” des deutschen Naturparks an den Aktivitäten rund um die Entdeckung des Sternenhimmels. Die Ausgabe 2026 führe somit das ursprüngliche Konzept weiter und stütze sich zugleich stärker auf die Projekte, Partner und Netzwerke der beiden Naturparks.

Das Hohe Venn (Hautes Fagnes, Hoge Venen) ist mit über 600 Quadratkilometern Fläche (60.000 Hektar) das größte Hochmoor Europas. Es erstreckt sich über Belgien und Deutschland. Das Naturschutzgebiet Hohes Venn ist jedoch kleiner. Es umfasst ca. 133 Quadratkilometer in Deutschland und 54 Quadratkilometer in Belgien.

Am 14. August 2026 brach im belgischen Teil des Naturschutzgebietes ein Brand aus, der dort mit 3.000 bis 3.400 Hektar zwei Drittel des Gebiets weitreichend zerstört hat. Mittlerweile ist der Brand unter Kontrolle, konnte aber noch immer nicht vollständig gelöscht werden, da er in der Tiefe des Moores weiter schwelt.

Es war der größte Naturbrand in Belgien seit 1911, als am 1. August ebenfalls im belgischen Teil des Hohen Venn ein Brand ausbrach, der nach rund sieben Wochen gelöscht wurde und der rund 3.900 Hektar in Mitleidenschaft zog.

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Fotos: Jürgen Klute

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