
Von Jürgen Klute (Text) und Hanna Penzer (Fotos)
Am 29. August hat Emir Kir, der Bürgermeister der Brüsseler Gemeinde Sint-Joost-ten-Node / Saint-Josse-ten-Noode, die 34. Ausstellung monumentaler Skulpturen eröffnet. 34 Künstlerinnen und Künstler zeigen dem entsprechend in diesem Jahr bis zum 29. September ihre Werke. In der Brüsseler Kunstwelt hat sich diese Ausstellung mittlerweile einen festen Platz erarbeitet als einziger Ort, an dem monumentale Skulpturen in dieser Größe und Dichte zu sehen sind. Holz, Stahl und Stein sind die dominierenden Materialien, mit denen sich die Künstler und Künstlerinnen auseinandersetzen. Musikalisch begleitet wurde die Vernissage vom Jazz-Duo François Willemaers und Pauline Couble.

In diesem Jahr sind unter den Ausstellenden auch drei deutsche Künstler und Künstlerinnen: Maria Eggenkemper, Fax Müller und Rainer Schlüter.
Die aus Münster stammende Maria Eggenkemper hat an der Eröffnung teilgenommen. Gegenüber Belgieninfo erzählte sie, dass sie erst vor wenigen Jahren zur Kunst gefunden habe, infolge der Auseinandersetzung mit den Kontrasten ihres Lebens, wie sie es formulierte. Nach langer beruflicher Tätigkeit in der Pharmaziebranche habe sie diese Auseinandersetzung mehr und mehr über Sinn und Ziel des Lebens nachdenken lassen, bis sie dann vor wenigen Jahren den Entschluss gefasst habe, in Bonn Bildhauerei zu studieren und sich danach vollständig darauf zu konzentrieren. Seit 2023 ist sie als Künstlerin tätig und hat seitdem bereits an einer beachtlichen Zahl von Ausstellungen teilgenommen.

Die Materialien, mit denen sich Eggenkemper auseinandersetzt, sind Holz, Stahl und Stein. Die Skulptur, die sie im Art Square zeigt, ist eine Stahlplastik. Der massive Stahlkasten, auf dem die Stahlbögen platziert sind, sei nicht als Sockel gedacht, so die Künstlerin, sondern als Kontrast zu der Leichtigkeit der ineinandergreifenden Stahlbögen. In ihren Werken gehe es ihr um die Auseinandersetzung mit Verletzlichkeit und Stärke, die menschliches Leben prägten und begleiteten.
Bei der Entwicklung ihrer Skulpturen lasse sie sich vor allem von ihrer Intuition leiten, erläuterte Eggenkemper. Sie fertige keine Zeichnungen an, bevor sich sich dem Material zuwende. Bei der gezeigten Skulptur habe sie zunächst Bögen aus Stahl geformt, sie dann ihrem Gefühl folgend Stück für Stück zu einer luftigen Komposition aneinander geschweißt und sie anschließend auf den kontrastierenden massiven Stahlkasten gesetzt. Es habe zwar etwas gedauert, ergänzt die Künstlerin, bis sie sich mit Stahl als Gestaltungsmaterial angefreundet habe. Eigentlich sei sie mit den Werkstoffen Holz und Stein sehr auf Natur fokussiert. Letztlich sei sie jedoch zu der Überzeugung gekommen, dass auch Stahl eine Art von natürlichem Material sei.
Auch der deutsche Künstler Rainer Schlüter war bei der Vernissage zugegen. Er stammt zwar aus Deutschland, lebt dort aber schon lange nicht mehr, wie er Belgieninfo verriet. Bereits 1959 kam er nach Brüssel. An der Freien Universität Brüssel (ULB) studierte er Wirtschaftsingenieurwesen und an der Academy of Fine Arts Braine l’Alleud Kunst.

Er hat sein Leben lang zwei Laufbahnen verfolgt: eine im Bereich der solidarischen Ökonomie und eine als Bildhauer. Im Bereich der Solidarökonomie war er sowohl mit ökologischen als auch mit sozialen Projekten befasst. Derzeit ist er noch auf Sizilien in sozialen Projekten engagiert, die mit zu Gefängnisstrafen verurteilten Mafiosi arbeiten, um sie beim Ausstieg aus einer kriminellen Laufbahn zu begleiten.
Wie er weiter erzählte, lebte er bis 2009 in Brüssel. Dann zog er zunächst für ein Jahr nach Italien. Von 2010 bis 2017 lebte und arbeitete er in Australien, bevor es ihn dann nach Frankreich verschlug. Dort lebt er in dem kleinen Dorf Dieulefit, rund eineinhalb Autostunden nördlich von Avignon. Gleichwohl verbringt er nach wie vor jedes Jahr einige Wochen in Brüssel. Darüber hinaus verbindet ihn auch der Rohstoff seines künstlerischen Schaffens nach wie vor mit dem Land: belgischer Blaustein und schwarzer Marmor aus Belgien.
Sein Beitrag für die diesjährige Ausstellung im Art Square spiegelt seine Vorliebe für belgischen Blaustein und zugleich sein ökologisches Engagement wider. Auf sieben Säulen, deren untere Teile aus Stahlplanken und deren obere aus Blausteinen gefertigt sind, werden die sieben bereits erreichten Überschreitungen der neun kritischen Belastungsgrenzen des Erdsystems symbolisch dargestellt.

Einen kleinen Einblick in die Vielfalt der Ausstellung geben die Fotos von Hanna Penzer. Wer neugierig geworden ist und sich die Skulpturen anschauen möchte, der kommt am besten mit der Buslinie 61 (Montgomery/Gare du Nord) zum Square Armand Steurs: Einfach an der Haltestelle „Steurs“ aussteigen. In unmittelbarer Nachbarschaft des kleinen Parks gibt es zwei Cafés, in denen man sich den Ausstellungsbesuch bei einem Kaffee oder Tee oder einem anderen Getränk abschließen kann.
Der Square Armand Steurs ist während des Ausstellungsmonats September täglich von 9:00 Uhr bis 17:00 Uhr geöffnet.
Initiiert wurde die Ausstellung monumentaler Skulpturen 1993 von Michel Delabaye und seiner Frau Myriam Goeminne. Sie gründeten damals den Verein „Les amis du Square Armand Steurs“, der bis zum Tode von Michel Delabaye 2023 Träger der Ausstellungen war. Im gleichen Jahr wurde von den Künstlern Gilles Libert, Antoine Leclercq, Bruno Delmotte, Bob Van der Auwera, François Canary und Christina Moschou ein neuer Trägerverein unter dem Namen “Square de la sculpture” gegründet und die Ausstellung in “THEARTSQUARE” umbenannt an Stelle von „Sculpture Monumentale“, wie Christina Moschou gegenüber Belgieninfo erläuterte. Die Umbenennung zielt darauf, zukünftig ein größeres auch internationales Publikum anzusprechen.

Das modifizierte Konzept enthält noch weitere neue Elemente. Bis 2023 wurden die Skulpturen nur während des Ausstellungsmonats September gezeigt. Danach wurden sämtliche Exponate wieder entfernt. Seit 2024 können die Künstlerinnen und Künstler ihre Werke für ein ganzes Jahr in dem kleinen Park an der Grenze zwischen Sint Joost ten Node und Schaerbeek zeigen. Dabei können sie selbst entscheiden, ob sie ihr Werk schon vor Ablauf des Jahres bis zur Eröffnung der neuen Ausstellung entfernen oder auch durch ein anderes ihrer Werke austauschen wollen. Damit ist The Art Square zu einer permanenten Ausstellung im Square Armand Steurs geworden, oder ander ausgedrückt: Der Square Armand Steurs ist zu einem dauerhaften “Square de la sculpture” geworden.
Mittlerweile gibt es auch eine neue Webseite (allerdings bisher nur in französischer Sprache): The Art Square. Außerdem ist der neue Verein auch auf Instagram und Facebook präsent. Auf der Webseite kann man unter „Contact“ auch Führungen buchen. Unter der Rubrik „Artists“ werden viele der Künstlerinnen und Künstler, die an den Ausstellungen der letzten Jahre beteiligt waren, vorgestellt. Die Organisatorinnen bieten auch an, Kontakte zu Künstlern herzustellen, etwa falls jemand Interesse am Erwerb eines Exponates hat.
Zudem arbeitet das neue Team an einer stärkeren europäischen Vernetzung mit ähnlichen Initiativen in andern Ländern, erläuterte Moschou.

Die Auswahl der ausstellenden Künstler und Künstlerinnen erfolgt laut Moschou durch direkte Ansprache oder auch durch Kontaktaufnahme von deren Seite z.B. über social media. Für die Auswahl gebe es bisher kein spezielles Gremium und keine fest definierten Kriterien, ergänzt Moschou. Myriam Goeminne, die Witwe von Michel Delabaye, spiele als Grande Dame aber dabei selbstverständlich nach wie vor eine bedeutende Rolle. Wichtig sei, dass es sich um Exponate handele, die von ihrer Größe und Festigkeit für eine Ausstellung unter freiem Himmel mit dem Wechsel von Sonne, Wind und Regen geeignet seien.
Hier die Namen der 34 Künstlerinnen und Künstler, deren Werke im Art Square Armand Steurs 2026 zu sehen sind – sie kommen aus Belgien, Deutschland, den Niederlanden, Portugal, Serbien und Spanien:
BAGHERZADEH Noushin, BODART Johan, BOGHOSSIAN Jean, BOL Jean-Paul, CANART François, CARDOEN Philippe, CASTRO Peter, DELMOTTE Bruno, EGGENKEMPER Maria, ELIZONDO Ariel, ERYORUK Turkan, GRIGORIAN Mariam, GUERRIER Francis, HENNEN Samuel, JAKUBOWSKA Halinka, KLEIN Pierre, LECLERCQ Antoine, LIBERT Gilles, LOUIS, LOUIS Joachim, MAR Veronica, MILOVANOVIC Nenad, MORENO Ramon, MÜLLER Fax, ROLAND Véronique, ROUSSEAU Vincent, SAHAGUN José, SCHEIN Françoise, SCHLÜTER Rainer, VAN DER AUWERA Bob, VAN TRIEST Art, VERBRUGGEN Hubert, VERGOUWEN









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