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“Ein eher enttäuschendes Jahr” – Der Hafen Antwerpen-Brügge präsentiert seinen Jahresbericht

Von Michael Stabenow

Der Hafen Antwerpen-Brügge bleibt der nach Rotterdam größte Seehafen Europas. Das Jahr 2025 ist allerdings eher enttäuschend verlaufen. So verzeichnete der Hafen beim Gesamtgüterumschlag im Vergleich zu 2024 einen Rückgang um 4,1 Prozent auf 266,5 Millionen Tonnen. Jan Vandermeiren, der Vorstandsvorsitzende des 2022 aus der Fusion der Häfen von Antwerpen und Zeebrugge hervorgegangenen Gesellschaft „Port of Antwerp and Bruges“, nannte als Grund für die enttäuschende Zahlen insbesondere die Spannungen mit den Vereinigten Staaten, China und Russland sowie gewerkschaftliche Protestaktionen.

Die jüngsten Zahlen bestätigen nach Überzeugung der Betreiber, dass der Hafen gut für die kommenden Herausforderungen aufgestellt ist. So blieb das Volumen des Containerverkehrs mit einem Umschlag von knapp 150 Millionen Tonne oder rund 13,6 Millionen Standardcontainern (TEU) weitgehend stabil. Dies bestätige die „strategische Rolle in der europäischen Logistikkette“, verdeutliche aber auch, „dass zusätzliche Kapazitäten erforderlich sind“, erläuterte Vorstandschef Vandermeiren. Nur durch eine enge Zusammenarbeit mit anderen Häfen und den Behörden werde der Hafen in der Lage sein, wettbewerbsfähig zu bleiben und weiter zu wachsen.

Auch wenn die Zusammenarbeit mit dem europäischen Markführer Rotterdam, zu dem der belgische Hafen lange in scharfem Wettbewerb war, zuletzt enger geworden ist, scheint eine Fusion der beiden größten europäischen Häfen derzeit nicht aktuell zu sein. Das Augenmerk richtet sich nicht zuletzt auf eine engere Zusammenarbeit in Richtung auf den deutschen Markt sowie bei der Bekämpfung der illegalen Einfuhr von Rauschgift (siehe auch https://belgieninfo.net/belgien-auf-dem-weg-zum-narco-staat/).

Obwohl die transatlantischen Beziehungen seit Beginn der zweiten Amtszeit des amerikanischen Präsidenten Donald Trump erheblichen Belastungen ausgesetzt sind, waren die Vereinigten Staaten mit einem Umschlagvolumen von 31,3 Millionen Tonnen erstmals der wichtigsten Handelspartner des Hafens Antwerpen-Brügge. Dahinter verbirgt sich insbesondere die stark gestiegene Einfuhr von Flüssigerdgas (LNG). Dagegen hatten die von den Vereinigten Staaten verhängten Einfuhrzölle negativen Auswirkungen auf die europäische Ausfuhr von Automobilen sowie – in diesen Fällen bedingt durch Importzölle von 50 Prozent – von Eisen und Stahl.

China konnte beim Containerverkehr das Ungleichgewicht zulasten europäischen Konkurrenten verstärken und ist inzwischen in Brügge auch der wichtigste Lieferant von Fahrzeugen. Beeinträchtigt wurde das Geschäft des Hafens Antwerpen-Brügge durch die sich auf gut 25 Tage summierenden Protestaktionen. Geschätzt wird, dass der Umschlag dadurch um rund ein Prozent oder 2,4 Millionen Tonnen niedriger als erwartet ausgefallen ist.

Aus belgischer Sicht kommt es darauf an, die Rolle des Hafens im Zusammenspiel mit dem in Antwerpen und Brügge angesiedelten Unternehmen langfristig zu stärken. So sorgt der Hafen nach Angaben der Betreiber gemeinsam mit über 1400 Unternehmen und 164000 direkten und indirekten Arbeitsplätzen für eine Wertschöpfung von 21 Milliarden Euro. „Damit ist er der wirtschaftliche Motor Belgiens“, heißt es in einer Mitteilung der Hafengesellschaft. Warnend verweist sie jedoch darauf, dass der Druck auf die chemische Industrie, ein wirtschaftlicher Pfeiler Antwerpens, fortbestehe.

Sicherheit, Transformation und Infrastruktur“ lauten die Schlagwörter, mit denen der zweitgrößte belgische Hafen in Zeebrugge für die Zukunft gewappnet werden soll. Dies gilt für verstärkte Sicherheitsvorkehrungen sowie den Kampf gegen Cyberverbrechen sowie die organisierte Kriminalität. Zusätzliche Anstrengungen werden auch bei der Stärkung einer umweltverträglichen Kreislaufwirtschaft in Aussicht gestellt. Schließlich verweisen die Betreiber auf neue große Infrastrukturprojekte. Dazu gehört ein neue Schleuse in Zeebrugge sowie zusätzliche Containerkapazitäten durch das Projekt „Extra Containercapaciteit Antwerpen“ (ECA).

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