
Von Thomas A. Friedrich
Der aus Lüttich stammende 50jährige Rallyefahrer Fabian Lurquin hat bei der diesjährigen Rallye Riad Dakar als Beifahrer den Gesamtsieg in der Automobilwertung gewonnen und damit belgische Motorsport-Geschichte geschrieben. Der katarische Rennfahrer Nasser Al-Attiyah am Volant und sein belgischer Beifahrer Lurquin gewannen am Samstag als Duo die 48. Ausgabe der legendären Rallye mit dem Dacia Starrider in der Autokategorie. Die Rallye Paris-Dakar wurde erstmals 1979 als eine Marathon-Rallye durch die Wüste ausgetragen. Das erste Rennen startete am 26. Dezember 1978 in Paris und führte durch Algerien, Niger, Mali zum Ziel in die senegalesische Hauptstadt Dakar.
Terror-Gefahren verlegten das Wüstenrennen zeitweise nach Südamerika
2008 wurde die Rallye Paris-Dakar wegen terroristischer Bedrohungen auf dem afrikanischen Kontinent zeitweilig nach Südamerika verlegt und findet seit 2020 von Saudi-Arabien aus statt. Dabei blieb „Dakar” als Zielort erhalten und damit der Mythos des Wüstenrennens bewahrt. Die Rallye behielt damit ihren ursprünglichen Kern als herausforderndes Marathonrennen für Mensch und Maschine auf schier endlos anmutende Strecken durch Wüstenlandschaften und ist ein entscheidender Lauf der Rallye-Raid-Weltmeisterschaft (W2RC) für Kraftfahrzeuge und Motorräder. Dem Motorsportteam von Dacia, die sogenannten „Dacia Sandriders“, gelang im zweiten Jahr ihrer Teilnahme an der legendären Wüstendurchquerung in diesem Jahr ein spektakulärer Sieg bei der unter Rallyefahrern als Marathon im Rallyesport bezeichneten der Rallye-Raid-Weltmeisterschaft.
Lurquin: “Ich habe 22 Jahre von diesem Sieg geträumt”
Der Belgier Lurquin zeigte sich gegenüber französischen TV-Sendern nach den Wüsten-Strapazen bei der Ankunft in Yanbu, dem Zielort des Rennens, überglücklich: „Ich glaube, wir waren beide von unseren Emotionen überwältigt. Anfangs hatten wir Schwierigkeiten mit der Navigation. Danach haben wir das Tempo gedrosselt und sind ruhig und entspannt bis ins Ziel gefahren“, erklärte Lurquin. „Es ist unglaublich. Ich habe 22 Jahre lang davon geträumt und darauf hingearbeitet“, fuhr Lurquin fort und erläuterte: „Ich fahre schon mein ganzes Leben lang Rennen und bringe jetzt einen wunderschönen Pokal mit nach Hause. Ich stand schon dreimal auf dem Podium, aber noch nie ganz oben. Ich würde jederzeit zehnmal den zweiten Platz gegen den ersten tauschen.”
Rumänische Autofirma Dacia wurde von Renault übernommen
Die 1966 in Rumänien gegründete Marke Dacia wurde von Renault 1999 übernommen und als “Billigmarke” des französischen Traditionsherstellers weiterentwickelt. Das speziell für den Rallyesport entwickelte „Sandrider“-Fahrzeug weist im internationalen Querfeldeinrennen die Besonderheit auf, dass es mit synthetischem Kraftstoff betrieben wird. Die Rennleiterin des Dacia Sandrider-Teams, Tiphanie Isnard, erklärt, dass „Dacia mit E-Fuels einen neuen Meilenstein im Rennsport markiert“.
E-Fuels finden als kohlenstoffarmer Kraftstoff Einsatz im Rennsport
Synthetische Kraftstoffe – auch als E-Fuels bezeichnet – werden durch den sogenannten Power-to-Liquid (ptL) Prozess hergestellt. Dabei wird aus Erneuerbaren hergestellter Strom mittels Elektrolyse gespalten in Wasser (H₂O) in Wasserstoff (H₂) und Sauerstoff (O₂). Dieser Wasserstoff wird mit CO₂, das aus der Luft zu einem Synthesegas verbunden; diese flüssigen Kohlenwasserstoffe werden zu synthetischen Kraftstoffen wie Benzin, Diesel oder Kerosin raffiniert. Eine treibhausgasreduzierte Kraftstoffgewinnung, die jedoch wegen des hohen Energieeinsatzes bei der Raffinierung kritisiert und nicht als nachhaltig eingestuft wird. Trotzdem setzt das Dacia Renn-Sportteam bewusst auf diese emissionsarme Mobilität.
Im Dacia Sandriders-Team war auch ein Deutscher erfolgreich
Dacia trat in diesem Jahr gleich mit vier Teams in der World Rally-Raid Championship an. Unter ihnen sind Starfahrer wie der mehrmalige Weltmeister Sébastien Loeb, Cristina Gutiérrez Herrero und Nasser Al-Attiyah. Im Cockpit neben dem brasilianischen Lucas Moraes beendete der deutsche Copilot und „Gebetbuch-Vorleser” Dennis Zenz das strapaziöse Rennen äußerst erfolgreich auf Platz 7. Den Rallye-Beifahrern kommt als Co-Pilot die entscheidende Aufgabe zu, die Streckenführung über headset anzukündigen und dem Fahrer laut vorzulesen. Der geringste Fehler oder Irrtum kann für das Renn-Team das Aus oder einen Unfall sowie oft ein Ausscheiden bedeuten.
Die erste gemeinsame Dakar-Rallye beendeten Zenz und der Brasilianer erfolgreich auf dem siebten Platz der Gesamtwertung in der Ultimate-Kategorie. Alle vier Dacia-Crews schafften es unter die Top 11 der Gesamtwertung. Moraes und Zenz erreichten zudem einen fünften Platz auf der 7. Etappe und überzeugten im weiteren Verlauf der Rallye mit beachtenswerten Leistungen.







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