Aktuell, Belgien

Kennen Sie „Beethovenbälle“, „Belgische Männer-Wagen“ oder eine „Betongardine“?

Foto: Klara Boghaert

Auch in diesem Jahr konnte das Deutschquiz wieder mit humorvollen Fragen und Antwortmöglichkeiten für eine unterhaltsame Atmosphäre in der deutschen Botschaft in Brüssel sorgen

Von Jürgen Klute

Die Woche für Deutsch ist mittlerweile ein etabliertes Format in Belgien und das damit verbundene Deutschquiz ein fester Termin im Kalender des deutschen Botschafters Martin Kotthaus. Das Quiz, das nun zum fünften Mal stattfand, beginnt im Oktober während der Woche für Deutsch als Online-Event. Die Finalrunde findet dann im Frühjahr des Folgejahres als Präsenzveranstaltung in den Räumen der Botschaft in Brüssel statt.

In diesem Jahr haben 109 Deutschklassen aus 34 Schulen aus aus allen drei Regionen Belgiens teilgenommen.

In der Endrunde am 18. März waren dieses Mal 44 Schülerinnen und Schüler aus 6 Klassen dabei – jeweils zwei aus drei unterschiedlichen Leistungsstufen (A1, A2, B1). Sie haben ihr Wissen über die deutsche Sprache und die europäischen Länder, in denen Deutsch Amtssprache ist, gemessen.

Begrüßt wurden die Teilnehmenden von Klaas De Gruyter. Das Vorstandsmitglied des Belgischen Germanisten- und Deutschlehrerverbandes (BGDV) sowie der Erfinder des Deutschquiz und ehemalige Radsportler betonte, dass Deutsch eine der drei belgischen Amtssprachen ist. Daher sei es erfreulich, dass mit der Woche für Deutsch und dem Deutschquiz der Fokus auf die deutsche Sprache gerichtet werde. Nach einer anschließenden kurzen Begrüßung der Schülerinnen und Schüler durch Botschafter Kotthaus, in der er daran erinnerte, dass etwa 130 Millionen Menschen in Europa Deutsch als Muttersprache haben, hatten Schüler und Schülerinnen aus verschiedenen Klassen wie schon im Vorjahr die Möglichkeit, ihm Fragen zu stellen.

Aus einer Gruppe kam die Frage, was der Unterschied zwischen einem Diplomaten und einem Konsul sei. Der Botschafter erklärte, Konsulate kümmerten sich eher um praktische Dinge, wie etwa Fragen zu Pässen und Dokumenten, während Diplomaten unterschiedliche internationale Funktionen wahrnähmen. Auch Botschafter gehörten zur Gruppe der Diplomaten. Wie Kotthaus in seiner Antwort auf eine weitere Frage erläuterte, gehört zu den Aufgaben eines Botschafters, den Kontakt zur Regierung und zu wirtschaftlichen Akteuren im Gastland zu halten. Allerdings habe sich die Rolle von Botschaftern im Vergleich zum 19. Jahrhundert, als es noch keine modernen Medien gab, stark verändert.

Damals sei der Botschafter derjenige gewesen, der die politischen Sichtweisen seines Landes gegenüber dem Gastland zu vertreten und zu vermitteln hatte, erläuterte Kotthaus. Das passiert heute vor allem über elektronische Medien in Echtzeit. Heute habe ein Botschafter eher die Funktion eines Scharniers zwischen den Ländern, er erkläre Hintergründe und versuche Gemeinsamkeiten zwischen den Ländern herauszuarbeiten. Zudem habe sich die Aufgabe eines Botschafters auch dahin ausgeweitet, dass er Kontakte zur Zivilgesellschaft des Gastlandes pflege – wozu zum Beispiel auch die Woche für Deutsch und das Deutschquiz gehören.

Andere Klassen wollten wissen, was ein Botschafter verdient. Konkrete Zahlen hat Kotthaus zwar nicht genannt, aber er meinte ganz diplomstidch, es sei schon ein gutes Gehalt, das er bekäme. Allerdings liege es deutlich unter den Einkommen von Managern mit vergleichbarer Verantwortung in der Privatwirtschaft. Kotthaus hat, wie er erzählte, ein paar Jahre für einen privaten Medienkonzern gearbeitet. Aber trotz geringerem Gehalts zöge er seine Arbeit als Botschafter vor, da sie aus seiner Sicht sehr viel spannender und abwechslungsreicher sei, gerade auch in einem so facettenreichen Land wie Belgien. Den Antworten merkte man an, dass der Botschafter, der alle drei belgischen Landessprachen spricht, nicht nur eine große Leidensaft für seine Aufgabe hat, sondern auch große Sympathien für seinen aktuellen Arbeitsstandort Belgien.

Nach dieser diplomatischen Fragerunde ging es dann zur Sache: Die Schüler und Schülerinnen mussten zeigen, was sie sich an Sprachkenntnissen in Deutsch erarbeitet, aber auch, was sie an landeskundlichem Wissen über die deutschsprachigen Länder in Europa erlangt haben. Jede Leistungsstufe musste 40 Fragen beantworten. Dabei zeigte sich, dass man Smartphones auch in der Schule sinnvoll nutzen kann. Denn das Quiz fand auf der technischen Grundlage der Lernplattform „Kahoot“ statt, so dass in Echtzeit sichtbar war, wer die richtige Antwort wußte und wer die meisten Punkte sammeln konnte.

Der Wissenstand der Schülerinnen und Schüler war beeindruckend. Aber ebenso verdienen die Organisatoren ein Lob für die Fragen, die viel Detailkenntnisse über Land und Leute verrieten und unterhaltsam und humorvoll aufbereitet waren. So konnten die Finalisten bei der Frage, wofür BMW steht und unter anderem zwischen „belgischer Männerwagen“ und „Bayrische Motorenwerke“ wählen. Oder bei der Frage nach einer bekannten Salzburger Süßigkeit zwischen „Beethovenbällen“, Haydnnüssen“ und „Mozartkugeln“. Und wie hieß nochmal die Grenzlinie zwischen West- und Osteuropa während des kalten Krieges? „Betongardine“ oder „Eiserner Vorhang“. War Angela Merkel Bundeskanzlerin, Bundespräsidentin oder Bundeskauffrau? Steht das deutsche Wort „Handy“ für „unpraktische Männer“, für „dumme Rinder“ oder ist es das Pendant zum GSM, wie man in Belgien ein Smartphone nennt?

Am Ende des Nachmittags standen dann die Gewinner des diesjährigen Deutschquiz’ fest. Und so sieht das Ergebnis aus:

Stufe A1
Platz 1: LMT SO Zenith Antwerpen
Platz 2: MT2 GO! Atheneum Halle

Stufe A2
Platz 1: EcMt GO! Atheneum Halle
Platz 2: MT-5ECMT-5LMT-5MTWE Kardinaal van Roey-instituut Vorselaar

Stufe B1-Quiz:
Platz 1: MT-6ECMT-6MTWE Kardinaal van Roey-instituut Vorselaar
Platz 2: Klasse 2. Fremdsprache Institut Sainte-Marie Arlon

Organisiert hat das Deutschquiz der Belgische Germanisten- und Deutschlehrerverband (BGDV) in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut und der Deutschen Botschaft. An der Organisation der „Woche für Deutsch“ sind darüberhinaus noch die Deutschsprachige Gemeinschaft, der Deutsch Akademische Austauschdienst (DAAD), das Deutschcafé Antwerpen, das KULTURforum Antwerpen, der Belgische Rundfunk (BRF) sowie die Botschaften Liechtensteins, Luxemburgs, Österreichs und der Schweiz sowie zahlreiche Schulen, Hochschulen und Universitäten beteiligt.

Auch in diesem Jahr wird es wieder eine “Woche für Deutsch” mit dem Deutschquiz geben. Sie findet vom 12. bis zum 18. Oktober 2026 statt. Alle nötigen Informationen gibt es auf der Webseite „Woche für Deutsch“.

Fotogalerie

Fotos: Luc Staljanssens

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