
Die Arbeitsniederlegungen bei Brüsseler Verkehrsgesellschaft finden überwiegend Zustimmung, stoßen zuweilen aber auch auf Unverständnis
Von Alexia Luisa Lehmann und Ines Ananda Schuldes
Acht Uhr morgens. Ein Schüler steht an der Straßenbahnhaltestelle. Seit 30 Minuten tut sich nichts. Er wundert sich. Er schaut auf die Anzeigetafel der Station. Dort steht, nun in englischer Sprache: „Due to a national strike, the STIB-MIVB will be severely disrupted on 12 March 2026. “Fluchend ruft der Schüler: „Merde! “ Wegen der Störungen im öffentlichen Verkehr wird er mal wieder zu spät kommen.
Diese Situation scheint in Brüssel oft aufzutreten. Sobald so etwas passiert, stellt sich natürlich die Frage, warum gestreikt wird. Mit ihrem Spruch ,,Wir sind keine Zitronen“, drücken die Menschen ihren Frust über die geplanten Rentenreformen aus, bei der das Rentenniveau sinken, aber gleichzeitig die Einzahlzeit verlängert würde. Auch dieses Mal führte der Streik zu den unterschiedlichsten Reaktionen. Während einige Verständnis für die Tram- und Busfahrer zeigen, sind viele anderer Meinung.
Die 15-jährige Maëlle und die 17-jährige Jordan verstehen die Streikenden. Sie berichten dennoch, dass sie aufgrund der Streiks oft zu spät zur Schule kommen. Beide nehmen normalerweise den Bus, doch oft kommen ihnen die Streiks spontan vor. Daher ist ihnen dann unbekannt, welche Busse fahren und welche nicht. Viele in ihrem Alter teilen diese Meinung.
Auch auf Leute, die nicht persönlich vom Streik betroffen sind, hat er einen Einfluss. Elise und Florian,13 und 16 Jahre alt, werden von ihren Eltern in die Schule gefahren und sind im Gegensatz zu anderen weniger betroffen. Gleichzeitig drücken sie ihre Sorgen für Mitschüler und Freunde aus, die einen längeren Schulweg haben. Eine 25-jährige Frau, die in einem Schokoladenladen arbeitet, teilt uns mit, dass sie zwar selber jeden Tag mit dem Auto zur Arbeit fahre, aber dennoch einen Unterschied spüre, wenn gestreikt werde. Sie habe weniger Kundschaft und würde demnach auch weniger Gewinn machen. Dennoch unterstützt sie den Streik sehr und betont: „Es gibt nie genug Streiks“.
Pierre Derrick, ein Geschäftsführer, hat eine ähnliche Meinung. Zur Arbeit fährt er mit seinem Auto, ab und zu arbeitet er jedoch von zuhause aus. Probleme im Bus- und Bahnverkehr betreffen ihn deshalb nicht persönlich. Trotzdem beeinflussen diese Situationen seine Kundschaft – genau wie im Fall der Mitarbeiterin des Schokoladengeschäfts. Insgesamt zeigt Pierre Derrick Verständnis für die Arbeiter. Er hält die Proteste für notwendig, um Rechte durchzusetzen.
Die 45-jährige Katia ist im Brüsseler Saint-Luc-Krankenhaus tätig und findet es ebenfalls gut, wie die Straßenbahn- und Busfahrer ihre Widersprüche ausdrücken. Sie beharrt auf einer besseren Altersversorgung, da ihr Beruf auch sehr anspruchsvoll sei.
Während sich die meisten Arbeitnehmer und auch einige Schüler einsichtig zeigen, gibt es auch Menschen, die die gegenteilige Meinung vertreten. Die 18-jährigen Hervé, Louis und Sébastien, Schüler der Mater, nehmen normalerweise die Straßenbahn oder den Bus zur Schule. Sie haben sich nicht wirklich über die Gründe des Streiks informiert. Sie vermuten, dass die Straßenbahnfahrer einfach keine Lust zu arbeiten hätten. Ihrer Meinung nach gibt es viel zu oft Streiks. Sie sollten einfach arbeiten, statt zu streiken, finden die drei Schüler. Diese Aussage lässt vermuten, dass vor allem junge Menschen zu wenig über Streiks informiert und durch ihre Häufigkeit genervt sind.
Am Ende zeigt sich, dass die Meinungen über den Streik sehr unterschiedlich sind. Viele Menschen haben Verständnis für die Beschäftigten und deren Forderungen, auch wenn sie selbst davon nicht unmittelbar betroffen sind. Andere hingegen sind genervt und finden, dass es zu oft Streiks gibt. Vor allem einige Schüler wissen nicht genau, warum überhaupt gestreikt wird.
Trotzdem wird klar, dass der Streik nicht nur Probleme im Alltag verursacht, sondern auch ein wichtiges Mittel ist, um auf Missstände aufmerksam zu machen. Auch wenn viele Menschen dadurch zu spät kommen oder Nachteile haben, sehen andere darin eine notwendige Möglichkeit, um etwas zu verändern.








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