Aktuell, Belgien, Panorama

Endspiel des Afrika-Cups mündet in gewaltsame Ausschreitungen in Antwerpen und Molenbeek

© BX1

Von Thomas A. Friedrich

Ein turbulentes Endspiel

Senegal ist Afrika-Cup-Champion 2026. In einem äußerst spannenden und emotionsgeladenen Endspiel in Rabat gelang dem Team des westafrikanischen Küstenstaats in der Verlängerung das 1:0. Kurz vor dem turbulenten Ende der regulären Spielzeit hatte der senegalesische Keeper Edouard Mendy einen Elfmeter für die marokkanische Mannschaft gehalten. Dem waren mehrere umstrittene Szenen vorausgegangen, einschließlich einer fast halbstündigen Unterbrechung, als die senegalesische Mannschaft aus Protest das Spielfeld verließ. Die Begegnung wird offenbar ein Nachspiel haben, da Marokko wegen dieser Vorfälle Protest eingelegt hat.

Jugendliche in Molenbeek attackieren Polizei mit Feuerwerkskörpern

Nach Abpfiff des Spiels kam es in Antwerpen sowie der “marokkanischen Hochburg” im Brüsseler Stadtteil Molenbeek abermals zu gewaltsamen Ausschreitungen, Polizeieinsätzen und Festnahmen (wie übrigens auch in Amsterdam und Den Haag). Molenbeek – mit nahezu 100.000 Einwohnern – gehört zu den bevölkerungsreichsten Stadtteilen der belgischen Hauptstadt. Etwa die Hälfte der Einwohner hat marokkanische Wurzeln.

In Molenbeek hatten sich nach Angaben der Polizei mehrere hundert Jugendliche randalierend an der Metrostation Zwarte Vijvers / Etangs Noirs zusammengefunden. Nach Berichten belgischer Medien warfen sie Feuerwerkskörper und Brandbomben in Richtung von Sicherheitskräften der Polizei und beschädigten unter anderem eine Bankfiliale und eine Bushaltestelle. Bei den Ausschreitungen kam es zu elf Festnahmen. Vier Polizisten erlitten Verletzungen.

Innenminister Quintin fordert harte Strafen für Randalierer

Die gewalttätigen Randalierer beschmutzen das Image einer ganzen Gemeinschaft und terrorisieren die Nachbarschaft”, erklärte der belgische Innenminister Bernard Quintin in einer Reaktion auf die Ausschreitungen. Angesichts der Zerstörungen in ihrem Viertel von Molenbeek sei die Zeit der Ausreden für diese Taten vorbei. „Die Randalierer müssen hart bestraft werden“, wurde der liberale Politiker in belgischen Medien zitiert.

Zehn Jahre nach den tödlichen Terror-Attentaten in Paris und Brüssel

Die Gemeinde Molenbeek sieht sich auch zehn Jahre nach den Attentaten in Paris und in der Brüsseler Metro-Station Maelbeek sowie am nationalen Flughafen Zaventem als salafistische Hochburg stigmatisiert. Durch die Anschläge am 22. März 2016 kamen insgesamt 35 Menschen ums Leben.  Einige Tage zuvor war Molenbeek in die Schlagzeilen geraten, als der dort beheimatete Salah Abdeslam, der später wegen seiner Rolle bei den Pariser Anschlägen im November 2015 zu lebenslänglicher Haft verurteilt wurde, in einer spektakulären Polizeiaktion gefasst wurde.

Molenbeek kämpft für ein besseres Image

Unter ihrer engagierten Bürgermeisterin Catherine Moureaux kämpft Molenbeek nach wie vor um ein besseres Image der Gemeinde. Die sozialistische Politikerin war jedoch im Jahre 2025 selbst heftig in die Kritik geraten, als sie nach einem “Burn Out” auch nach siebenmonatiger Zwangspause ihre Aufgabe zunächst nicht in die Hände eines Stellvertreters gelegt hatte. Moureaux hat inzwischen angekündigt, ihre Amtsgeschäfte Anfang März wieder aufzunehmen. 2025 hat Molenbeek eine Kandidatur für die Wahl als EU-Kulturhauptstadt eingereicht – letztlich jedoch gegenüber Löwen den Kürzeren gezogen.

Die gewaltsamen Ausschreitungen von Sonntagnacht nach dem Afrika-Cup-Finale und die laut Polizeistatistik weiterhin überdurchschnittliche Gewaltstatistiken mit 57 Schießereien in ganz Brüssel, mit einer Häufung in Molenbeek, haben dazu beigetragen, dass nicht wenige Besucher Belgiens den Stadtteil weiterhin als „No-Go-Area“ einstufen.

e

Leave a Comment

Ihre E-Mail-Adresse wird veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.